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Duisburg
Eine Welle der Hilfsbereitschaft

Duisburg: Eine Welle der Hilfsbereitschaft
Ehrenamtler Michael Schmitz (l.) und Stefan Ricken mit dem neuen "Refugee-Guide". FOTO: Andreas Probst
Duisburg. In Homberg haben sich Menschen zusammengetan, um die Flüchtlinge in der Landesunterkunft Glückauf-Halle mit dem Nötigsten zu versorgen. Und jeder kann mithelfen. Von Gabi Harpers

Rund 240 Flüchtlinge, hauptsächlich aus Krisengebieten in Syrien und Afghanistan, leben seit Ende September in der Glückauf-Halle in Hochheide und warten darauf, bald in ständige Flüchtlingseinrichtungen in anderen Städten in NRW gebracht zu werden. "Diese Menschen kommen hierher, lediglich mit den Kleidern, die sie am Leib tragen", berichtet Stefan Ricken, Diakon der katholischen Kirchengemeinde St. Johannes. Der gelernte Krankenpfleger ist im Hauptberuf Caritas-Mitarbeiter, der ehrenamtliche Projekte wie Kleider- und Schulmaterialkammern, der "Offene Mittagstisch" oder Trauerbegleitung in den katholischen Kirchengemeinden im Duisburger Westen betreut. "Wir haben unseren Ortsvorteil genutzt und unser vorhandenes System ,Kleiderkammer' für die Menschen in der Glückauf-Halle ausgeweitet", erzählt der 40-Jährige.

Stolz berichtet Ricken über die Welle der Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung, die es innerhalb kürzester Zeit möglich machte, die Flüchtlinge mit dem Nötigsten zu versorgen. Innerhalb von 24 Stunden sei eine ehrenamtliche Kleiderkammer in der Vielzweckhalle eingerichtet worden. Die Spendenbereitschaft der Menschen sei sehr groß und müsse "organisatorisch in die richtigen Bahnen gelenkt werden", sagt er. Bedarfsgerecht werden beispielsweise Kartons mit Kleidung und Schuhen für Kinder oder Erwachsene gepackt. "Hier sind auch die Kleiderkammer der Diakonie Dr.-Kolb-Straße und die Tagesgruppe der Jugendhilfe-Einrichtung an der Hanielstraße im Boot", so Ricken. Er erzählt von einem 15-jährigen afghanischen Jungen, der ohne Schuhe ankam: "Der Junge hatte eine Schuhgröße, die gerade unter den Spenden nicht aufzutreiben war. Spontan zog eine Helferin ihre eigenen Schuhe aus und gab sie dem Jungen."

Etwa 60 ehrenamtliche Helfer sind zurzeit täglich damit beschäftigt, die Hilfsorganisationen zu unterstützen und Kleidung, Decken, Koffer, Taschen und Schuhe zu sammeln, zu sortieren, zu transportieren und auszugeben. Elisa Witzler (33), die die Ausgabe an die Flüchtlinge in der Halle koordiniert, freut sich: "Viele Mitbürger erklären sich bereit, ehrenamtlich zu helfen, besonders viele junge Menschen unter 30 machen mit." Er sei immer wieder positiv überrascht, betont auch Ricken, dass so viele Menschen helfen wollen, sei es mit Sach-, mit Kleider-, aber auch mit Geldspenden. Stündlich werde etwas im Kleiderladen an der Marienstraße abgegeben. Ricken: "Auch Geldspenden brauchen wir dringend. Vieles müssen wir ja kaufen wie beispielsweise Unterwäsche und Socken."

In dieser Erstaufnahmeeinrichtung des Landes NRW bleiben die Flüchtlinge lediglich für einen begrenzten Zeitraum. "Hier ist also keine langfristige Bindung möglich", so Ricken. "Es wurde jedoch der Unterstützerkreis ,Flüchtlingshilfe Glückauf-Halle' ins Leben gerufen. Vertreter von Caritas, Diakonie, den Kirchen, dem Arbeitskreis Kinder und Jugend und der Bezirksvertretung erarbeiten gemeinsam verschiedene Angebote für die Neuankömmlinge."

Derzeit werde ein sogenannter "Refugee-Guide" (Flüchtlingsführer) in verschiedenen Landessprachen erarbeitet, der den Flüchtlingen erste Fragen über das Gastgeberland beantworten soll. Erste Einführungen in die deutsche Sprache und Beschäftigungs- und Spielangebote für Kinder sollen organisiert werden. Das Katholische Bildungsforum Duisburg-West hat ein kostenloses Fortbildungsangebot "Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe" in sein Programm aufgenommen. Die Veranstaltung richtet sich an Interessierte, die ihr Hintergrundwissen rund um das Thema Flüchtlingshilfe vertiefen wollen, um nicht nur praktische Hilfestellung geben zu können, sondern durch fundiertes Grundwissen mit Vorurteilen aufräumen zu können.

Ricken: "Dank des unermüdlichen Einsatzes so vieler Ehrenamtler wurde schon sehr viel in so kurzer Zeit geschafft. Aber wir haben noch jede Menge Arbeit vor uns und sind für jede Hilfe dankbar."

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Quelle: RP
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