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Duisburg
Einst Kaufrausch, heute Kunstrausch

Duisburg: Einst Kaufrausch, heute Kunstrausch
Gruppenbild mit Herr (von links): Christina Böckler, Stacey Blatt, Manfred Gliedt und Luise Hoyer. FOTO: Olaf Reifegerste
Duisburg. Neuer Duisburger Kunstraum "SG1" in der Innenstadt eröffnete in einem leerstehenden Ladenlokal mit einer umfangreichen Bilderausstellung von Manfred Gliedt. Eröffnungsschau bis 21. August. Von Olaf Reifegerste

Was geschieht, wenn drei taffe Künstlerinnen zusammenkommen und in Sachen Kunst und Kultur etwas gemeinsam machen wollen? Sie machen Kunst und Kultur und reden nicht (nur) darüber. Alle drei, um die es hier geht, sind Duisburgerinnen, alle drei sind (vor allem) bildende Künstlerinnen und alle drei sind in Sachen Kunst und Kultur hochgradig engagiert und umtriebig in der Stadt.

Da ist zum einen die US-Amerikanerin Stacey Blatt, die sich für Flüchtlinge und Fußball ebenso engagiert wie für Kunst und Kultur, darunter als Mitherausgeberin der Kulturzeitschrift "Streif", als Kunstkuratorin, ob für die Jüdische Gemeinde oder die Duisburger Akzente, sowie zusammen mit Elisabeth Höller als Projektleiterin bei der Ladenlokalinitiative "Kunstinzwischenzeit". Da ist ferner die Kunst- und Theaterfrau Christina Böckler, die unter anderem Mitbetreiberin des "KunstQuartiers", Mitmoderatorin der feministischen Veranstaltungsreihe "Katzentisch" im Lokal Harmonie und Mitglied in der 17-köpfigen "Bastelgruppe" ist. Und da ist last but not least Luise Hoyer, die das "Platzhirsch"-Festival mit aus der Taufe gehoben und zusammen mit Eckart Pressler die Veranstaltung "Duispunkt" aus dem Boden gestampft hat. Dazu ist sie Vorsitzende des Vereins "Kultursprung", der viele schöne Kulturveranstaltungen organisiert, und sie ist selbst aktive Künstlerin im Film- und Videobereich als auch als Zeichnerin.

Alle drei sind jede für sich in letzter Zeit häufig durch die Schmale Gasse, die parallel zum Sonnenwall ab Wallstraße verläuft, gegangen und haben dabei wahrgenommen, dass der ehemalige Second-Hand-Laden "Kaufrausch" aufgegeben hatte und fortan als Möbellager diente. Noch ein Leerstand mitten in der Innenstadt, das ging aus ihrer Sicht gar nicht. Und so zauberten sie an diesem Ort - auf eigenes finanzielles Risiko - einen nicht kommerziellen, höchst aufregenden Kunstraum aus ihrem Hut, der vorwiegend bildende Kunst präsentieren und als Begegnungsstätte für Kulturinteressierte dienen soll.

Nun gab es die Eröffnung vom "SG1", so nennen die drei ihren neuen Kunstraum, mit einer Vernissage von Bildern, die Manfred Gliedt geschaffen hat. Vorgeschlagen hat den Künstler Stacey Blatt, die ihn von der "Streif"-Ausgabe im vergangenen Jahr her kannte. 92 Werke hat Gliedt im "SG1" unterbringen können und zu einer sehenswerten Ausstellung geformt. "Die Aufhängung meiner Arbeiten erfolgt stets intuitiv. Jede Zeichnung für sich stehend wirkt bei näherer Betrachtung wie die erste Seite eines Buches", sagt er, "von wo aus die erzählte Geschichte ihren Lauf nimmt." Seine Bilder sind eindeutig mehrdeutig und regen die Fantasie der sie betrachtenden Menschen an. Sie sind erzählend bis poetisch und lassen ein scheinbar unendliches Meer an Geschichten und Gedanken in dem betreffenden Ausstellungsraum atmosphärisch entstehen. Von daher ist der Titel der Eröffnungsausstellung "Landeplatz für Gedanken" inhaltlich wie metaphorisch sehr kongruent.

Neben reinen Zeichnungen gibt es auch Collagen zu sehen, die Landkartenausschnitte und Teile von schwarzem Schreibmaschinenband, zuweilen sogar Fliegengitter und Fingernägel mit der Zeichnung verarbeiten.

Gliedt ist 1961 in Mülheim an der Ruhr geboren, wohnt in Duisburg und hat sein Atelier in Düsseldorf. Seit 1986 arbeitet er als bildender Künstler mit dem Schwerpunkt Zeichnung. Seine Arbeitsmaterialien sind Bleistift und Gouache auf Papier unterschiedlicher Größe. Dabei favorisiert er das Kleinformat, wie er sagt, "um den Betrachter zu zwingen, möglichst nah an die Arbeiten heranzutreten: Die Intimität der Szenen entspricht der intimen Beziehung zwischen Betrachter und Bild".

Info: Die Ausstellung von Manfred Gliedt läuft noch bis zum 21. August. Sie kann immer montags in der Zeit zwischen 17 Uhr und 20 Uhr sowie nach Vereinbarung ("mailto:kontakt@sg1-kunstraum.de" oder 0203-60498944) in der Schmalen Gasse 1 in 47051 Duisburg besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.

Quelle: RP
 
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