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Duisburg
Einzigartige Kostüme mit Geschichte

Oper am Rhein verkauft Kostüme
Oper am Rhein verkauft Kostüme FOTO: Andreas Probst
Diusburg. Es ist kurz vor neun – noch früh für einen Samstagmorgen. Dennoch hat sich in Wanheimerort schon eine kleine Schlange vor dem Produktionszentrum der Deutschen Oper am Rhein gebildet. Einmal jährlich werden die Türen für Neugierige geöffnet und Kostüme aus alten Beständen verkauft. Besonders wertvolle Stücke werden versteigert.

Robin ist 26 und steht schon seit mehreren Stunden neben seiner ebenfalls kostümbegeisterten Mutter in der Schlange. Er hofft , für Rollenspiele und historische Bälle ein passendes Kostüm rund um das 17. Jahrhundert zu finden. Seine Mutter sucht etwas für eine Halloween-Party. "Am besten etwas Auffälliges, Extraordinäres", sagt sie.

Endlich ist es so weit: Um elf Uhr beginnt die Versteigerung einiger besonders aufwendiger und wertvoller Kostüme. Zwei orange farbene Kostüme aus einer Rigoletto-Inszenierung von 1976 fallen besonders ins Auge. Die mit edlen Stoffen gefertigten Kostüme wechseln innerhalb weniger Augenblicke den Besitzer. Die Gewänder sind maßgeschneidert. Größen kann man nur schätzen, da jedes Kleidungsstück ein Unikat ist. Das macht es für die meisten der 160 Anwesenden spannend, sich zumindest einmal aus Neugierde umzuschauen.

Die achtzehnjährige Saskia hat es auf ein zierliches schwarzes, mit goldenem Tüll geschmücktes, Kleid abgesehen. Gerne würde sie es zu einem Festival tragen. Sie steigt mit in die Auktion ein, bietet immer höhere Preise. Bei 170 Euro dann aber Schluss für sie. Ein bisschen enttäuscht ist sie schon, möchte sich aber auf jeden Fall außerhalb der Auktion umschauen, ob sie nicht doch noch etwas passendes findet.

Nachdem die prachtvollen Kostüme erfolgreich verkauft wurden, drängen sich die Besucher schnell in Richtung Halleneingang. Dort stehen die Kleiderstangen mit den maßgeschneiderten, ausgemusterten Kostümen. Die elfjährige Darlin möchte sich wie viele andere auch ein Kostüm für das nahende Halloween aussuchen. Schnell ist die Halle voll mit interessierten Besuchern. Für jeden scheint etwas dabei zu sein. Zwei hutbegeisterte Damen begutachten die ausgefallenen Kunstwerke auf ihren Köpfen, die es bereits für kleines Geld gibt. Mehr investieren jene, die ein eigenes Musical oder Theaterstück organisieren möchten. Auch Robin ist ganz vertieft in die Auswahl eines Kostüms. Mit einem schwarzen Piratenhut, blauer Weste und bordeauxrotem Mantel steht er stolz vor dem Spiegel. Dabei schlüpft er schon in Gedanken in seine Rokkoko-Rolle.

Neben den Kostümen gab es am Samstag auch noch das Produktionszentrum der Deutschen Oper am Rhein zu besichtigen. In der Eingangshalle des etwa 15 Meter hohen Komplexes steht ein antik wirkendes, hölzernes Kinderkarussell. Monika Doll, Pressesprecherin der Deutschen Oper, erklärt, dass das Karussell aus einem älteren Bestand stammt, nun aber aufgearbeitet werde, weil es Teil einer Kinder- und Jugendinszenierung werden soll. Auch die Bereiche Tischlerei und Schlosserei können besichtigt werden. Dort entstehen die Rohbauten und Stützen der Kulissen. Die akribische Planung und Abmessung jener Teile ist besonders wichtig, damit die Bühnenbilder später genau auf die Duisburger und Düsseldorfer Bühnen passen. Weiter geht es in Richtung Malerei und den Bereich der Plastik. Dort wird den Rohbauten mit Styropor, Farbe und Drahtgestellen ein Charakter gegeben. Total überdimensioniert erscheint ein Stück Stoff, das in der Malerei mit besengroßen Pinseln bemalt wird. Umso echter sieht ein aus Styropor und Kunsthaar gefertigter Schimpanse aus, dem jedes Haar einzeln auf den Körper geklebt wurde. Besonders in diesem Bereich der Produktionshalle riecht es richtig nach Oper: Ein Gemisch aus Farbe, Kleber, Holz und Stoffen, gemischt mit Lebendigkeit.

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