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Duisburg
"Elektrisches" Kammerkonzert

Duisburg. Im Theater am Marientor (TaM) schloss der Geiger Kolja Blacher jetzt seine Saison als Duisburgs "Artist in Residence" (Gastkünstler) ab, gemeinsam mit seinen Weggefährten Brett Dean (Komposition) und Clemens Hagen (Violoncello). Von Ingo Hoddick

Bis 1999 waren der 1963 geborene Kolja Blacher und der zwei Jahre ältere Brett Dean den Berliner Philharmonikern verbunden, dann begann der Konzertmeister eine Solokarriere, und der Bratschist kehrte nach Australien zurück, um sich dem Komponieren zu widmen. Inzwischen hat Dean als Komponist großen Erfolg, und 2013 führten seine "Electric Preludes" für elektrische Violine und Streicher (2011/12) die beiden Künstler wieder zusammen, als der Geiger mit dem Münchner Kammerorchester die Deutsche Erstaufführung gestaltete. Im jüngsten, siebten Duisburger Kammerkonzert im Theater am Marientor (TaM) führte Blacher jetzt zum Abschluss seiner Saison als Duisburger "Artist in Residence" (Gastkünstler) dieses Werk auf, zusammen mit Streichern der Duisburger Philharmoniker unter der Leitung des jungen südkoreanischen Dirigenten Seokwon Hong, der ab September Erster Kapellmeister am Theater Innsbruck ist.

Der Solist beschäftigte sich hierzu mit der sechssaitigen elektrischen Violine, die dem Geiger ungewohnte Spielweisen abverlangt, dafür aber auch ein erweitertes Ton- und Klangspektrum bietet. Mehr noch, die Klänge erscheinen mit diesem Instrument universal - vor allem, wenn einem erstklassigen Tontechniker wie Thomas Seelig die gleichfalls erstklassige Tonanlage des TaM zur Verfügung steht. Die Bandbreite der sechs eher skizzenhaften und durchaus hörenswerten "Electric Preludes" reicht von einer quietschenden Kinderschaukel über australische Wüstenlandschaften bis zur Poesie des Weltraums. Verblüffend: An einer Stelle entsteht die Musik schon daraus, dass der Geiger über die Saiten pustet. Kolja Blacher spielte im Kammerkonzert natürlich auch seine "normale" Violine, zusammen mit seinem bewährten Violoncellopartner Clemens Hagen. Wir genossen zum einen die ebenso filigrane wie energiegeladene Sonate für Vioiine und Violoncello (1920-22) von Maurice Ravel und zum anderen die letzte, fünfzehnte Sinfonie A-Dur op. 141 (1971) von Dmitri Schostakowitsch in der gelungenen Bearbeitung für Kammerensemble von Viktor Derevianko (1972), die der Komponist ausdrücklich autorisiert hatte.

Hier kamen dazu Özgur Aydin an Klavier und Celesta sowie die Schlagzeuger Raymond Curfs, Kersten Stahlbaum und Rafael Sars, die beiden letzteren aus den Reihen der Duisburger Philharmoniker. Die Aufführungen wirkten äußerst treffend in ihren kaltblütigen Intensität, vor allem jene gespenstische Episode am Ende der Sinfonie, die auch so in die Kammerfassung übernommen wurde und über die der Dirigent Kurt Sanderling einmal sagte: "Am Schluss, wenn das Gezitter und Gezirpe des Schlagzeugs anhebt, habe ich immer die Assoziation einer Intensivstation in einem Krankenhaus. Der Mensch ist an die verschiedensten Apparate angeschlossen, und die Indikatoren zeigen das allmähliche Erlöschen der Herz- und Gehirnströme an, dann ein letztes Aufbäumen, und alles ist vorbei."

Quelle: RP
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