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Duisburg
Endstation in Norwegen geplant

Duisburg: Endstation in Norwegen geplant
Der Harkortwagen bei einer Fahrt auf der Aakerfährbrücke.
Duisburg. Der historische "Harkortwagen 177" soll verkauft werden. Ein Unternehmen in Norwegen hat angeblich Interesse an der Straßenbahn. Die Verkaufspläne der DVG sorgen hier bei Tram-Liebhabern für Empörung. Von Julia Zuew

Er diente als Prototyp für tausende Straßenbahnen weltweit. Vor 90 Jahren rollte er zum ersten Mal über die Duisburger Schienen - nun soll der letzte seiner Art weltweit die alteingefahrene Heimat verlassen: Der Harkortwagen 177 soll den Besitzer wechseln. Die Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) möchte den Wagen an ein norwegisches Unternehmen verkaufen.

Einem weiteren Verbleib der Bahn in Duisburg stünden die hohen Erhaltungskosten im Weg, ist Heinz Hufen vom "Tram-Club 177 e. V." überzeugt. Er unterstützt den Vorsitzenden des Vereins, Günther Bauhaus, bei seiner Arbeit und hatte die Gespräche mit der DVG von Seiten des Clubs geführt. "Die laufenden Jahreskosten können wir nicht tragen", sagt er. "Die Summe beläuft sich auf 400.000 bis 500.000 Euro." Obendrein hatte das historische Gefährt im April vergangenen Jahres einen Unfall. Bei der anschließenden Inspektion auf dem Betriebshof Grunewald wurden neben den Unfallschäden weitere Mängel entdeckt. Die Tram musste aus dem Verkehr gezogen werden - und ist seitdem im Ruhestand.

Bestürzt und traurig zeigt sich der Verein über die Verkaufspläne. Bauhaus: "Wir können da leider nichts tun, die Straßenbahn gehört der DVG." Dabei würde es angeblich eine Möglichkeit geben, die Bahn zumindest in der Nähe ihrer Heimat zu lassen: "Wir hatten Gespräche mit der Düsseldorfer Rheinbahn geführt. Diese wäre bereit, den Harkortwagen in Düsseldorf als Museumsstück auszustellen." Doch als die Mitglieder an die DVG herantraten, habe diese bekanntgegeben, dass bereits ein Käufer in Norwegen interessiert sei.

Aus Liebhaberkreisen kommen erste Bedenken - so befürchten einige, das historische Stück könnte unter freiem Himmel vergammeln. "Das Unternehmen möchte die Bahn ebenfalls historisch ausstellen. Der Wagen soll in einer Halle untergebracht werden", sagt Helmut Schoofs, Sprecher der DVG. Über weitere Details "haben wir mit dem Unternehmen Stillschweigen vereinbart", auch über den Verkaufspreis.

Die Straßenbahn-Liebhaber fühlen sich außen vor gelassen - zumal der Club erst auf Nachfrage von dem Verkauf erfahren habe, so Bauhaus.

Der Tram-Club hat die Bahn circa zwei Jahre lang genutzt. Nachdem die Straßenbahn ihren Dienst als alltägliches Verkehrsmittel getan hatte, diente sie als Partywagen - etliche Geburtstage, Junggesellenabschiede und andere feierliche Anlässe wurden in der Straßenbahn gefeiert.

Der Oldtimer sei aber, so die Straßenbahnfreunde, ebenfalls ein wichtiges Stück deutscher und europäischer Verkehrsgeschichte: Der Gelenkwagen war zu seiner Bauzeit 1926 eine wahre Innovation im Straßenbahnwesen. Der Wagen wurde von dem in Hochfeld am Rhein angesiedelten Unternehmen Harkort gebaut. Weitere Bahnen wurden damals nicht in Auftrag gegeben, da es anfangs technische Probleme gab. In den 1950er Jahren lebte die revolutionäre Bauart durch die Düsseldorfer Waggonfabrik wieder auf. 1956 wurden die ersten Wagen an die Rheinbahn in der Landeshauptstadt und an die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahn AG ausgeliefert. Hunderte Bahnen inner- und außerhalb der Bundesrepublik folgten. Etwas Hoffnung bestünde für die historische Tram jedoch, sagt Hufen: "Gemeinsam mit der Rheinbahn möchten wir nochmals mit der DVG sprechen." Die Rheinbahn wolle sich weiterhin dafür einsetzen, "dass der Harkortwagen nach Düsseldorf geht", sagt er.

Quelle: RP
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