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Duisburg
Entdeckung am Dirigentenpult

Duisburg. Dominik Beykirch (Jahrgang 1990, Gastdirigent) und Koryun Asatryan (geboren 1985, Saxophon-Solist), gestalteten das jüngste, dritte Philharmonische Konzert in der gut gefüllten Philharmonie Mercatorhalle. Von Ingo Hoddick

Dominik Beykirch ist Zweiter Kapellmeister am Deutschen Nationaltheater Weimar. Bei den Duisburger Philharmonikern gab er jetzt seine klingende Visitenkarte ab mit der Fantasie-Ouvertüre "Romeo und Julia" (1869/70/80) von Peter Tschaikowsky. Das ist ein schwieriges Stück, denn es verlangt sehr gute Intonation, eine geerdete Tempogestaltung, ein durchsichtiges Klangbild und dann auch noch romantischen Überschwang. Das gelang dem jungen Dirigenten ausgezeichnet, wo schon ganz andere gescheitert sind. Damit gewann er gleich das Orchester, das Publikum und den Kritiker.

Der zweite Name eines vielversprechenden jungen Musikers, den man sich merken muss, ist der von Koryun Asatryan, geboren in der armenischen Hauptstadt Jerewan und seit fünf Jahren Dozent an der Hochschule für Musik und Theater München. In Duisburg präsentierte er zwei jeweils etwa zehnminütige, klangschöne französische Werke für Saxophon und Orchester, mit seinem warmen Ton und seiner pfiffigen Spielweise. Das eine war die verträumte Rhapsodie (1901-03) von Claude Debussy, das andere nach der Pause die kecke Suite "Scaramouche" op. 165c (1937/39) von Darius Milhaud. Der Titel erinnert an eine Harlekinfigur der Commedia dell'arte, und Milhaud bemerkte: "Scaramouche ist der König der Aufschneider, ein Ränkeschmied, der seinen Mitmenschen das Fell über die Ohren zieht. Er rühmt sich fürstlicher Abstammung und faselt von großen Reichtümern; er gebärdet sich als unwiderstehlicher Liebhaber und bucht jede Niederlage als Sieg." Stilistisch finden sich darin Anleihen aus dem Ragtime, dem Jazz, der brasilianischen Folklore und der Musik der Vergangenheit. Noch mehr Beifall bekam Asatryan freilich für seine rasante Zugabe, ein modernes Solostück, in dem auch Klappengeräusche verwendet werden.

Am Ende rundete sich alles mit den Sinfonischen Tänzen aus der "West Side Story" (1960) von Leonard Bernstein, denn bekanntlich ist auch dieses Edel-Musical eine Aktualisierung von "Romeo und Julia", der bekannten Tragödie des vor 400 Jahren gestorbenen William Shakespeare.

Hier ging es nun noch mehr um prägnante Klangfarben bis hin zur Polizeipfeife, Latin-Jazz-Rhythmen, die genau auf den Punkt kommen müssen, und überhaupt um eine spezielle Mischung aus Präzision und Lebensfreude. Das gelang Dominik Beykirch gleichfalls gut, wobei die Duisburger Philharmoniker diese Partitur wie ihre Westentasche kennen, spätestens aus diversen Open-Air-Konzerten, da sitzt auch der berühmt-berüchtigte Orchester-Ausruf "Mambo!"

Quelle: RP
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