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Duisburg
Erfrischend plauderndes Talk-Duo

Duisburg. "Jetzt kommt der Moment, in dem schlagartig alle Gespräche verstummen". Mit diesem Satz leitet Moderator "Manni" Breuckmann standardmäßig die Talk-Runde im Huckinger Landhaus Milser ein. Von Volker Poley

So war es auch beim immerhin schon 35. Landhaustreff, der nur wenige Stunden nach dem überraschenden Ausgang der US-Präsidentschaftswahl stattfand. Da traf es sich gut, dass mit dem FDP-Vorsitzenden Christian Lindner einer der deutschen Spitzenpolitiker eingeladen war, der das noch taufrische Wahlergebnis aus seiner Sicht kommentieren konnte.

Trumps unerwarteter Erfolg war geradezu eine Steilvorlage für das erfrischend plaudernde Talk-Duo Breuckmann und Lindner. Auch wenn der FDP-Bundesvorsitzende riet, erstmal abzuwarten, ob der "Präsident" Trump seine Politik tatsächlich so gestaltet, wie er es als "Kandidat" angekündigt hat. Lindner macht sich jedoch keine Illusionen, dass Trump der "erste protektionistische US-Präsident" sein wird. In dem Zusammenhang befürchtet er, dass Donald Trump relativ kurzfristig "Freihandelsabkommen außer Kraft setzen wird". Lindner erläuterte, dass ein amerikanischer Präsident sehr viel Macht hat: "Falsch eingesetzt, kann das schlecht für uns sein und weitreichende Folgen haben."

Trumps Erfolg erklärt der FDP-Chef damit, dass er sich öffentlich klar "gegen das Establishment" gestellt hat. Damit hat er viele Wähler an die Wahlurnen geholt, die die Eliten schon lange verachteten und "es denen da oben mal zeigen" wollten. Lindner zeigte zwei Szenarien auf, die sich aus dem Wahlerfolg des Republikaners abzeichnen: "Entweder macht Trump genau das, was er im Wahlkampf angekündigt hat... dass wäre schlecht für die Welt." Oder, so fuhr der 37-Jährige fort, alles war nur Wahlkampfgetöse und er führt die bisherige Politik weiter: "Das kann dann zu großen Enttäuschungen bei seinen Wählern und zu großen Verwerfungen führen."

Innenpolitische Themen wurden beim Landhaus-Talk natürlich auch nicht ausgelassen. Dabei brachte Breuckmann den derzeit stark wahrzunehmenden "Niedergang der politischen Kultur" in die Diskussion ein. Aus seiner Sicht sind die "sozialen Medien" für die Rechtspopulisten und deren Anhänger ("Es gibt dort eine große Resistenz gegen Fakten") geradezu ein ideales Medium, um mit "Hass-Parolen" das politische Klima zu vergiften. Das Ganze macht auch Christian Lindner große Sorgen. Das sei eine neue Dimension, dass in den diesbezüglichen Internet-Foren sich "tausende Gleichgesinnte tummeln", die das Gefühl vermitteln, mit "dieser Meinung" ja nicht alleine zu stehen. Dem müsse die Politik selbstbewusst und offensiv entgegentreten, denn das Bild, das von den Politikern verbreitet wird, "stimmt einfach nicht". Lindner ergänzt: "Wir haben ein gutes politisches System. Auseinandersetzungen gehören dazu, Politik ist immer auch ein Wettbewerb um Macht."

Dass es zwischen den beiden Gesprächspartnern nicht nur bierernst zuging, zeigte sich, als Lindner schilderte, wie er in jungen Jahren den Weg zur FDP fand: "In der SPD waren damals meine Lehrer, ging also gar nicht, die Grünen waren mir zu pessimistisch und bei der CDU traf man sich nur, um Bier zu trinken." Und als der smarte Porsche-Fahrer auf den Altersunterschied zu seinem Talk-Partner Breuckmann anspielte, "Sie könnten mein Vater sein", konterte dieser gewitzt: "Dann wären Sie aber Ortsvereinsvorsitzender bei der SPD." Womit "Mannis" politische Grundausrichtung auch geklärt war.

Politisch-satirisch ging es nach dem Hauptgang weiter. Dafür sorgte der Bottroper Kabarettist Benjamin Eisenberg, der Auszüge aus seinem aktuellen Programm "Im Visier" präsentierte. Dabei knüpfte er sich scharfsinnig und pointensicher die deutsche Politiker-Riege vor. Für ihn ist Winfried Kretschmann ein CDU-Ministerpräsident, der "früher bei den Grünen" war. Dass Siegmar Gabriel in der Flüchtlingspolitik nun auch für eine Obergrenze sei, allerdings "ohne eine Zahl" zu benennen, kommentierte Eisenberg so: "Das ist wie Seepferdchen machen, ohne dabei nass zu werden." Und dass viele SPD-Wähler bei Wahlen nicht mehr "an die Urne" gingen, läge nur daran, "dass viele schon darin liegen". Aus "sicherer Quelle" stammt Eisenbergs Information, dass nach Uli Hoeneß in München eine Straße benannt werden soll. Wo diese Straße hinführt ist auch schon klar, nämlich "direkt am Finanzamt vorbei".

Quelle: RP
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