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Duisburg
Erinnerung an Rudolf Schock

Duisburg. Am 4. September wäre der in Duisburg geborene Weltklassetenor 100 Jahre alt geworden. Vor einem Konzert aus diesem Anlass im Opernfoyer wurde jetzt am Theater eine kleine Gedenktafel enthüllt. Von Ingo Hoddick

Rudolf Schock war ein großer Sänger, der trotz aller Erfolge keine Starallüren kannte und der immer die Sympathien vieler Menschen genoss (Schock dazu: "Schlagersänger haben Fans, ich habe Verehrer"). Ein gefeierter Operntenor mit Auftritten an den großen Opernhäusern der Welt, ein Schallplattensänger, dessen zahlreiche Aufnahmen weggingen wie warme Semmeln, ein Interpret von Operettenmelodien, der leichten Muse und des Volksliedes, ein Stargast in den Unterhaltungsprogrammen des deutschen Fernsehens und ein Schauspieler, der mit seinem Gesang so manchen Kino- oder Fernsehfilm adelte. Einfach ein sehr guter Lyrischer Tenor mit mustergültiger Diktion und Textverständlichkeit.

Rudolf Schock wurde am 4. September 1915 im Duisburger Arbeiterstadtteil Wanheimerort (nach anderen Quellen in Hochfeld) als Sohn einer Putzfrau und eines Hafenarbeiters geboren. Seine Mutter, die im Duisburger Theater als Garderobiere arbeitete, vermittelte ihn in den hiesigen Opernchor, wo Schock bald auch in kleinen Solorollen auftreten konnte. Mit 23 Jahren sang er bereits im Bayreuther Festspielchor. Sein erstes Engagement führte 1937 an das Staatstheater Braunschweig, doch wurde man bereits in Wien und Berlin auf den jungen Mann aufmerksam. Ein Privatleben, das frei von Skandalen und Eskapaden war, trug zu seinem tadellosen Image bei. 1968 starb seine Mutter, worauf er im folgenden Jahr einen Herzinfarkt erlitt. Als seine Tochter Isolde 1980 an Krebs erkrankte, zogen Schock und seine Frau Gisela von Starnberg in das rheinische Düren, um der Tochter beizustehen. Am 13. November 1986 starb der große Duisburger unerwartet an Herzversagen. Sein Grab liegt auf dem Friedhof in Düren-Gürzenich.

Jetzt erinnerte ein zweimal ausverkauftes Konzert im Opernfoyer im Theater an diesen 100. Geburtstag. Die künstlerische Verbeugung vor Schock leisteten hier der Tenor Michael Pflumm von der Komischen Oper Berlin, von 2008 bis 2011 Ensemblemitglied an der Deutschen Oper am Rhein, der Moderator Axel Fuhrmann und nicht zuletzt das Trio Sorrentino aus dem Dunstkreis der Duisburger Philharmoniker mit Christiane Schwarz (Violine), Wolfgang Schindler (Violoncello) und Martin Fratz (Klavier). Besonders gut gelang das Wolgalied "Allein! Wieder allein! - Es steht ein Soldat am Wolgastrand", aus der Operette "Der Zarewitsch" von Franz Lehár, das Schock während des Zweiten Weltkriegs, als er zu Lazarettkonzerten abkommandiert war, immer wieder den sterbenden oder genesenden Soldaten vorsingen musste.

Der besondere Reiz des Abends lag aber in den vielen Anekdoten, Ton- und Bilddokumenten. Für Lacher sorgte ein Ausschnitt aus Schocks Fernsehshow von 1966, die damals 32 Millionen Menschen sahen, in der er erzählt, wie er während einer "Traviata"-Aufführung beinahe sein angeklebtes Bärtchen verschluckte. Vor dem abendlichen Konzert enthüllte Oberbürgermeister Sören Link links neben dem Haupteingang des Theaters eine Gedenktafel für Schock. Sie geriet etwas klein, denn mehr erlaubte der Denkmalschutz nicht.

Quelle: RP
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