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Duisburg
Erste Willkommenstour für Flüchtlinge

Duisburg: Erste Willkommenstour für Flüchtlinge
Insgesamt 30 Flüchtlinge aus dem Libanon, Syrien und Irak nahmen an der Tour teil. Sie konnten eine Menge über Duisburg und seine Stadtteile erfahren. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Zusammen mit dem Immobilienunternehmen Vivawest Wohnen GmbH lud gestern die Stadt Duisburg 30 Flüchtlinge, die in Wohnungen an der Frankenstraße in Walsum leben, zu einer Orientierungsfahrt durch die Stadt ein. Von Peter Klucken

Die Worte "Markt", "Spielplatz" und "Fußball" brauchte Dolmetscher Noshdar Jasem nicht ins Arabische zu übersetzen. Die verstanden die 30 Flüchtlinge aus dem Libanon, Syrien und Irak, die seit einigen Wochen, zum Teil auch schon seit einigen Monaten in insgesamt 51 Wohnungen an der Frankenstraße in Walsum leben, auch so. Und wenn das Wort Fußball fiel, dann war die Stimmung im Bus stets besonders gut. Überhaupt genossen es die Frauen, Männer und Kinder, mit einem Bus trotz der tropischen Temperaturen in Duisburg unterwegs zu sein. Sie waren die ersten Teilnehmer einer Willkommenstour für Flüchtlinge, die von der Stadt Duisburg und dem Duisburg Kontor zusammen mit dem Immobilienunternehmen Vivawest Wohnen GmbH gestern durchgeführt wurde.

Die Aufgabenverteilung war dabei so: Die städtischen Institutionen sorgten für die Organisation, Vivawest Wohnen GmbH bezahlte die Tour, der noch neun weitere Willkommenstouren mit Flüchtlingen im Laufe der kommenden Wochen folgen sollen.

51 Wohnungen hat Vivawest an die Stadt Duisburg vermietet, die dort Flüchtlingsfamilien jeweils ein schlichtes Zuhause bietet. Die Mietverträge laufen über drei Jahre. Dann soll, so die Pläne des Immobilienunternehmens, die gesamte Häuserzeile abgerissen werden, um dort neue seniorengerechte Mietwohnungen zu errichten. Ob dieser Zeitrahmen so bleibt, hänge natürlich von der jeweiligen Flüchtlingssituation ab, die derzeit nicht übersehen werden könne, sagte Andrea Wenzel, Kundencenterleiterin von Vivawest. Möglicherweise würden die Verträge bei Bedarf verlängert, schließlich könne man die Menschen nicht auf die Straße setzen. Vivawest bewirtschaftet in Duisburg 11.000, im gesamten Ruhrgebiet 130.000 Wohnungen.

Andrea Wenzel legt Wert auf die Feststellung, dass ihr Unternehmen die Wohnungen zu zivilen Mietpreisen der Stadt überlässt; keinesfalls wolle das Unternehmen in den Ruf kommen, dass es von der Flüchtlingssituation profitiere. Überhaupt engagiere sich das Unternehmen über eine eigene Stiftung auch sozial.

Neben den Willkommensfahrten organisiere Vivawest auch Kurse und Freizeitmöglichkeiten für Flüchtlinge, darunter eine Ferienfreizeit für Kinder. Demnächst würden brachliegende Flächen hinter den Miethäusern so hergerichtet, dass dort Flüchtlinge kleine Gärten anlegen können. Das soziale Engagement zahle sich möglicherweise sogar aus: So gebe es in Walsum so gut wie keine Konflikte zwischen Flüchtlingen und der etablierten Duisburger Nachbarschaft.

Von Konflikten war auch bei der gestrigen Willkommenstour nicht die Rede. Allerdings nutzten einige Flüchtlinge den kurzen Draht zu den mitfahrenden städtischen Mitarbeitern, um Kontakte zu knüpfen. Die Teilnehmer genossen ansonsten sichtlich die Abwechslung, die ihnen mit der Städtetour geboten wurde. Fast nebenbei nahmen sie auch die Informationen zur Kenntnis, die ihnen mit Hilfe des Dolmetschers von einem Städteführer vermittelt wurden. Sie erfuhren beispielsweise, dass Duisburg eine Industriestadt ist, in der der Bergbau früher eine bedeutende Rolle spielte. Heute setze man dagegen auf Stahl und anspruchsvolle technische Produkte, hieß es.

Selbstverständlich wurde die Bedeutung des Hafens für die Stadt herausgestellt. Einen ersten Halt machte der Bus am Kultur- und Stadthistorischen Museum, wo anhand des Corputiusplans von 1566 gezeigt wurde, dass Duisburg eine jahrhundertealte Geschichte hat. Viele Tourteilnehmer machten am Innenhafen Fotos mit ihren Handys. Als der Bus entlang der Ruhr in Richtung Landschaftspark fuhr, wurde den Teilnehmern erklärt, woher der Name Ruhrgebiet stammt - und dass Düsseldorf nicht zum Ruhrgebiet gehört. Den längsten Halt gab es am Landschaftspark Duisburg-Nord. Mit Interesse besichtigten dort vor allem die jüngeren Männer einen stillgelegten Hochofen. Und wohl jeder Teilnehmer, ob groß oder klein, rutschte mindestens einmal die große Röhrenrutsche am Spielplatz herunter.

Die Fahrt sei schön und interessant gewesen, ließen viele Teilnehmer über den Dolmetscher ausrichten. Einige, die schon seit einigen Monaten in Duisburg leben, konnten das sogar schon auf Deutsch sagen; besonders die Kinder lernen die Sprache offenbar schnell.

Quelle: RP
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