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Duisburg
Erstklassiger Start mit 180 Chorsängern

Duisburg. Im jüngsten, ersten Philharmonischen Konzert im gut gefüllten Theater am Marientor (TaM) erklang die "Messa da Requiem" von dem vor 200 Jahren geborenen Giuseppe Verdi. Mit dabei war der "philharmonische chor duisburg". Von Ingo Hoddick

Da die Mercatorhalle aus Brandschutzgründen und wegen Baumängeln seit einem Jahr geschlossen ist (die RP berichtete), müssen die Philharmonischen Konzert noch mindestens zwei Jahre im nicht idealen Theater am Marientor (TaM) stattfinden, wie Kulturdezernent Thomas Krützberg in einer kurzen Ansprache zu Beginn des jüngsten, ersten Philharmonischen Konzerts der Saison 2013/2014 noch einmal bestätigte. Wenn es aber so weitergeht, mit strahlenden Konzerten vor einem zahlreichen und zufriedenen Publikum, dann ist die Zukunft der Duisburger Philharmoniker gesichert. Dafür sorgt auch der kompromisslos gründliche GMD Giordano Bellincampi.

Auf dem Programm zum Auftakt stand die "Messa da Requiem" (1869/73-75) von dem vor 200 Jahren geborenen Giuseppe Verdi. Ausgangspunkt war sein "Libera me" als Beitrag zu einem von mehreren Komponisten gemeinsam geschriebenen Requiem für Gioacchino Rossini. Der Tod eines weiteren künstlerischen Vorbilds, des Dichters Alessandro Manzoni, brachte Verdi dann dazu, das Ganze auszuarbeiten. Die frühere Diskussion darüber, ob dieses Werk denn zu "opernhaft" sei (worunter jeder etwas anderes versteht), eine "Oper im geistlichen Gewand" (der Dirigent Hans von Bülow), "Verdis größte Oper" (der irische Spötter George Bernard Shaw), kann man inzwischen wohl getrost vergessen. Schon Johannes Brahms hatte damals das Stück gründlicher studiert als seine Kollegen und festgestellt: "Bülow hat sich gründlich blamiert, so etwas kann nur ein Genie schreiben."

Jedenfalls hat sich der Agnostiker Verdi in diesem undogmatischen Werk erschütternd wahrhaftig mit Leben und Sterben des Menschen auseinandergesetzt. Nach der These des Musikwissenschaftlers Benjamin-Gunnar Cohrs scheint Verdi darin die grundlegenden zivilisatorischen Übel anzuprangern: das Kreisen um sich selbst, den blinden Fortschrittswahn und das Verharren in alten Denkmustern. Das kann man sogar aus der Musik konkret herauslesen, denn sämtliche Themen dieser Totenmesse lassen sich diesen Bereiche zuordnen: fortschreitende Zerlegungen von Dreiklängen und Akkorden (erstmals in den Streichern gleich zu Beginn), an die Psalmodie erinnernde Motive, die auf einem Rezitationston beharren (gleich der erste Choreinsatz "Requiem") sowie Motive, die gleichsam in sich kreisen, meist im Rahmen einer Terz, und die an den Gregorianischen Choral erinnern (erstmals bei "Te decet hymnus").

Was im TaM zunächst ins Auge stach, waren die etwa 180 Chorsänger. Mit dem Toonkunstkoor Amsterdam, einstudiert von Boudewijn Jansen, und dem "philharmonischen chor duisburg", einstudiert von Marcus Strümpe, waren zwei äußerst ambitionierte Chöre angetreten und gaben ihr Bestes. Bellincampis Dirigat brachte nicht nur das Orchester, sondern eben auch den Chor dazu, genau in die Noten zu schauen und genau hinzuhören. Die Intonation und der Ausdruck wirkten jederzeit klar und durchdacht. Abgesehen von ein paar kleinen unnötigen Tempomodifikationen, war das eine erstklassige Aufführung. Auch die vorzüglichen Gesangs-Solisten Victoria Nava Sopran), Susanne Resmark (Mezzosopran), Antonello Palombi (Tenor, oft zu laut) und nicht zuletzt Ain Anger (Bass, kurzfristig eingesprungen) konnten da gut mithalten.

Quelle: RP
 
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