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Duisburg
Erstmals Cembalo bei "Piano Extra" im TaM

Duisburg: Erstmals Cembalo bei "Piano Extra" im TaM
Yushan Jiang ist nicht nur ein ausgezeichneter Pianist, sondern auch Festival-Leiter, Ensemble-Leiter und Dichter. FOTO: Martin Schrahn
Duisburg. Im letzten Duisburger Kammerkonzert im Theater am Marientor traten der Folkwang-Cembalo-Professor Christian Rieger und sein 1990 in China geborener Meisterschüler Yushan Yiang auf. Von Ingo Hoddick

In der Reihe "Piano Extra" innerhalb der Duisburger Kammerkonzerte stellt jeweils ein Professor vom hiesigen Campus der Folkwang-Universität der Künste einen seiner Meisterschüler vor. Nun wurde dort erstmals der Begriff "Klavier" ausgedehnt auf das Cembalo. Christian Rieger, seit 2004 Duisburger Professor für Historische Tasteninstrumente, brachte den 1990 in China geborenen Yushan Jiang mit, der außer als Cembalist auch schon erfolgreich ist als Festival-Leiter, Ensemble-Leiter und Dichter.

Auf dem Programm standen vier Werke, je zwei von Johann Sebastian Bach und zwei seiner komponierenden Söhne, wobei zwei Duette zwei Solowerke umrahmten.

Geschickt gemacht: Obwohl zwei Generationen vertreten waren, wurde darauf geachtet, den zeitlichen Abstand nicht zu groß werden zu lassen. So konnte man gut die stilistischen Ähnlichkeiten und Unterschiede erkennen. Das galt besonders für das erste Stück des Abends, das Concerto für zwei Cembali F-Dur F (= Falck-Verzeichnis der Werke dieses Komponisten) 10 von Wilhelm Friedemann Bach. Es entstand um 1740, als der älteste Bach-Sohn Organist der Dresdner Sophienkirche war, und wurde lange für ein Werk des Vaters gehalten, der eine Abschrift davon angefertigt hatte - dafür ist es aber zu exzentrisch. Danach widmete sich Yushan Jiang einem besonderen Prüfstein, der Partita Nr. 5 G-Dur BWV 829 (um 1730). Vor der Pause spielten die beiden Cembalisten etwas zu verhalten, gleichförmig und sogar unsicher, bei W.F. Bach auch etwas zu langsam. Nach der Pause sah das ganz anders aus, schon als Christian Rieger die Preußische Sonate Nr. 2 B-Dur aus Wq (= Wotquenne-Verzeichnis der Werke dieses Komponisten) 48 (1740) von Carl Philipp Emanuel Bach so hinlegte, dass sowohl der Einfallsreichtum als auch die Gefühlstiefe dieser Musik klar herauskam. Als Rieger nach dem ersten Satz das Instrument nachstimmen musste, erklärte er dem Publikum: "Das machen Cembalisten jeden Tag stundenlang!" Übrigens wurden die sechs Preußischen Sonaten des Sohnes - benannt nach dem Widmungsträger, C.P.E. Bachs damaligem Arbeitgeber, dem Preußenkönig Friedrich II. - ebenso wie die sechs Partiten des Vaters als "Opus 1" gedruckt, wobei J.S. Bach vermutlich auch den Kontakt zu dem Nürnberger Verleger hergestellt hatte. Elegant und prachtvoll wirkte im Theater am Marientor schließlich das Concerto für zwei Cembali C-Dur BWV 1061a (vor 1733). Als Zugabe gab es eine schöne Allemande, eines der wenigen Werke für zwei Cembali von Francois Couperin.

Dies war das letzte Kammerkonzert im Theater am Marientor. Zum nächsten, ersten Kammerkonzert der neuen Saison am Sonntag, 25. September, um 19 Uhr, geht es dann wieder in die Philharmonie Mercatorhalle. Julia Sophie Wagner (Sopran), David Jerusalem (Bassbariton), Stefan Wilkening (Rezitation) und Eric Schneider (Klavier) bringen Lieder von Franz Schubert, Robert Schumann, Carl Loewe und Hugo Wolf.

Karten unter der Telefonnummer 0203 283 62 100.

Quelle: RP
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