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Duisburg
Facharbeiterbrief im Nachhinein

Duisburg: Facharbeiterbrief im Nachhinein
Von links: Christian Melchert, Petra Neu (Agentur für Arbeit), Lisa Stalp, Sebastian Schulz, David Bürks und Wernfried Steinau. FOTO: Agentur für Arbeit
Duisburg. Mit dem WeGebAU-Programm ermöglicht die Agentur für Arbeit elf berufserfahrenen Beschäftigten von Lobbe Industrieservice einen Berufsabschluss und damit eine bessere Beschäftigungsperspektive.

Schulbank drücken, über Büchern büffeln und statt Grillabenden sind Lerngemeinschaften angesagt. Was für einen 15-jährigen normal ist, war für die Kandidaten, die nach vielen Jahren der Berufstätigkeit im Nachhinein ihren Facharbeiter-Brief machen wollten, schon etwas Besonderes. "Auch wir spüren die Auswirkungen des Mangels an qualifizierten Arbeitskräften. Daher haben wir uns entschlossen, neue Lösungswege zu beschreiten", sagt Lisa Stalp, Personalleiterin bei Lobbe Industrieservice. Unterstützung fand das Unternehmen beim gemeinsamen Arbeitgeberservice von Agentur für Arbeit und jobcenter Duisburg mit einer Beratung zum WeGebAU-Programm.

Mit der "Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer/innen in Unternehmen" besitzt die Agentur für Arbeit Duisburg eine Fördermöglichkeit, deren Abkürzung WeGebAU gleichzeitig Programm ist. Petra Neu, Geschäftsführerin Operativ der Agentur für Arbeit Duisburg umschreibt das Programm so: "Die Agentur für Arbeit kann damit Beschäftigten einen Weg zu einem besseren Qualifikationsniveau und Unternehmen einen Weg zu qualifiziertem Personal bauen. Wir fördern wie bei Lobbe Industrieservice zum Beispiel die Vorbereitung von ungelernten Beschäftigten auf die Abschlussprüfung vor der zuständigen Kammer. Das Unternehmen erhält auf diese Weise neue Fachkräfte und die Beschäftigten schaffen sich mit dem Facharbeiterabschluss eine bessere berufliche Perspektive." Erfahrungsgemäß würden Fachkräfte viel seltener arbeitslos als weniger Qualifizierte.

Lobbe Industrieservice hat teils langjährige, angelernte Arbeitskräfte dabei unterstützt, ihren qualifizierten Abschluss nachzuholen. Insgesamt elf Kandidaten verfügen jetzt über einen anerkannten Berufsabschluss als Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice. Sebastian Schulz, 46-jähriger Familienvater, ist einer von ihnen: "Klar hat man das Wissen nach so vielen Berufsjahren - und trotzdem war es mir wichtig, endlich einen ordentlichen Abschluss zu haben, um meinem Sohn ein Vorbild zu sein."

Jetzt ist Sebastian Schulz zu Recht stolz auf sich - neben dem Facharbeiter-Abschluss gibt es für ihn noch eine Portion Selbstbewusstsein gratis dazu. "Ich würde das jederzeit noch einmal machen", resümiert er. Die Kandidaten eigneten sich innerhalb eines guten Jahres die Fachkenntnisse an, die üblicherweise in der Ausbildung in drei Jahren unterrichtet werden. Also musste eine Menge Lernstoff in kurzer Zeit bewältigt werden. "Wir haben uns samstags in der Firma getroffen und gemeinsam gelernt, das hat motiviert. Und für den theoretischen Unterricht hat uns Lobbe ja auch freigestellt", berichtet David Bürks. Auch er hatte mit 29 Jahren schon längst die Schulbank hinter sich gelassen. "Die Chance, einen richtigen Abschluss mit der Unterstützung des Arbeitgebers zu machen, wollte ich mir nicht entgehen lassen." Bürks kam durch eine Zeitarbeitsfirma zu Lobbe und war dort seit 2013 fest angestellt - allerdings als ungelernte Kraft. "Die Prüfung war wirklich nicht leicht, besonders Mathe hat mir Kopfzerbrechen bereitet", sagt der Vater von zwei Jungen.

Lisa Stalp, Wernfried Steinau (Betriebsleiter) und Christian Melchert (Ausbildungsleiter) betreuten die Kandidaten engmaschig und zitterten mit ihnen: "Diejenigen, die wirklich Respekt vor der Prüfung hatten und mit sich kämpfen mussten, haben sogar mit Bravour bestanden - und darüber freuen wir uns am Meisten!" Und nicht nur die frisch gebackenen Fachkräfte können stolz sein.

Lobbe freut sich über erfahrene Mitarbeiter, die die Abläufe und Gegebenheiten der Kunden kennen und jetzt auch ihren Abschluss in der Tasche haben. Dietmar Faust, Projektleiter des Bildungsträgers arvaport Dienstleistungsgesellschaft mbH, beschreibt die Voraussetzungen, die für ein Gelingen des Projekts wichtig waren: "Möglich wurde dieser Erfolg nur durch die verknüpfte Nutzung besonderer bildungs- und förderpolitischer Gegebenheiten, die leider immer noch zu wenig bekannt sind. Doch von entscheidender Bedeutung war die Motivation der Teilnehmer und die Bereitschaft der Firma Lobbe, ein solches Bildungsprojekt für ihre Arbeitnehmer einfach mal anzugehen."

Quelle: RP
 
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