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Duisburg
Fado von der Quelle im ausverkauften Opernfoyer

Duisburg. Lissabon ohne Fado - portugiesisch wörtlich "Schicksal" - wäre undenkbar. Soziale Missstände, unglückliche Liebe und unstillbare Sehnsucht sind die großen Themen dieses folkloristischen Musikstils, der aus dem Armenvierteln der portugiesischen Hauptstadt kam. 2011 wurde der Fado von der UNESCO in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen. Von Ingo Hoddick

Der Fado entstand vor etwa zwei Jahrhunderten, doch immer noch ist unklar, welche Einflüsse dabei wirksam waren. Häufig wird auf brasilianische Hintergründe hingewiesen, zumal der portugiesische Hof zeitweise in Brasilien residierte. Aber auch afrikanische und sogar arabische Einflüsse werden vermutet, und die Lieder der portugiesischen Seefahrer werden ebenfalls eine Rolle gespielt haben. Jedenfalls steht im Mittelpunkt eines Fado-Vortrags ein Sänger oder eine Sängerin. Als zweiter Solist gilt der Spieler der portugiesischen Gitarre, das ist eine birnenförmige Cister mit fünf Doppelsaiten. Das wichtigste Begleitinstrument ist dann die klassische Gitarre mit sechs Saiten.

Jetzt gab es im ausverkauften Opernfoyer im Theater Duisburg erstmals ein Fado-Konzert. Star des Abends war die junge, aber längst sehr erfolgreiche "fadista" Isabel Noronha. Sie sang mit jener unvergleichlichen Mischung aus starken Gefühlen und gelassener Kontrolle, die untrennbar mit dem Klang der portugiesischen Sprache verbunden ist. Sie widerlegte mit manch neckischem Liedchen auch das Vorurteil, Fado sei immer nur traurig. Zum Beispiel hieß es in dem "Supermarkt-Fado", ein "Fast Fado" sei kein richtiger Fado, den gebe es nur in den Regalen des Herzens. Und bei einem swingenden Marschlied zu Ehren der Hauptstadt durfte das Publikum den Refrain mitsingen, der übersetzt so viel hieß wie "das riecht nach Lissabon".

Das war Fado von der Quelle, aber auch mal Grenzen überschreitend, zum Jazz und vor allem zum Kunstlied. Isabel Noronha tat sich auch mal nur mit einem ihrer Instrumentalisten Eurico Machado (portugiesische Gitarre), Pedro Pinhal (klassische Gitarre) und Jorge Carreiro (Kontrabass) zusammen, auch um deren Virtuosität zu zeigen. Die Sängerin gewann uns nicht zuletzt durch ihren schlichten Charme. Am Ende schien sie die Begeisterung der Besucher kaum glauben zu können. Zum überwältigenden Erfolg des Abends trugen sicherlich auch die portugiesischen Spezialitäten und Weine bei, letztere waren sogar kostenlos.

Quelle: RP
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