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Serie Geschichte Und Geschichten
Fall von gescheiterter Subventionspolitik

Duisburg. Man mag es kaum glauben: Aber in Duisburg wuchsen einst Maulbeerbäume zur Seidenproduktion, zum Beispiel auf dem heutigen Siemensgelände in Hochfeld. Von Harald Küst

Noch bis zur Industrialisierung im 19. Jahrhundert standen in Hochfeld auf dem heutigen Siemens-Gelände drei 100 Jahre alte Bäume, die einer breitästigen Pappel ähnelten. Bei näherem Hinsehen entpuppten sie sich allerdings als Maulbeerbäume.

Auch auf dem Kirchhof der Salvatorkirche standen schon im 18. Jahrhundert Maulbeerbäume. "Als Kinder wärmerer Sonne sehnten sie sich zeitlebens nach ihrer Heimat Italien zurück", schrieb ein romantischer Zeitgenosse. Der Duisburger Heimatdichter Christian Nonne erinnerte sich 1808 in poetischer Form: "Frei liegt des Kirchhofs Ebne vor mir da. Vom Maulbeerbaum umschattet spielte ich im fröhlichen Gefühl hier oft und gern." Aber wie kamen chinesische Maulbeerbäume über Italien nach Duisburg ?

Die grünen Blätter der Weißen Maulbeere dienten der Zucht des Seidenspinners und kamen aus China über Persien, Byzanz nach Südeuropa. Hauptzweck der Importe nach Europa war die Seidenraupenzucht und der Aufbau einer Seidenproduktion. Die Anpflanzung von Maulbeerbäumen - ursprünglich in China beheimatet - nahm im 18. Jahrhundert in Preußen explosionsartig zu. Mit den Blättern des weißen Maulbeerbaums (Morus Alba) fütterte man Seidenraupen. Der Preußenkönig sah sich als Wirtschaftsförderer der Seidenproduktion. Nach zwei Edikten - 1714 und 1718 - drohte er allen "übelgesinnten Leuten", die Maulbeeranpflanzungen behinderten oder schädigten, sogar Festungshaft an.

Die Begeisterung für die Seidenproduktion ging auch auf den Nachfolger über. Friedrich II. subventionierte ebenfalls die Seidenproduktion und ließ in Preußen insgesamt drei Millionen Maulbeerbäume anpflanzen. Trotz des großen finanziellen Einsatzes - Friedrich gab von 1740 bis 1786 rund zwei Millionen Taler für die Seidenproduktion aus - misslang dieses Experiment. Das zu kühle Klima, Krankheiten der Raupen und die arbeitsintensive Pflege führten zu derben finanziellen Verlusten.

Die Seidenraupenmanufakturen verschwanden - die Maulbeerbäume gingen in der Folge allmählich wieder ein. Nur jene drei Maulbeerbäume am heutigen Außenhafen in Hochfeld - blieben stehen und wurden über hundert Jahre alt. Die Baumzeugen der Duisburger Seidenproduktion wurden schließlich Opfer des Strukturwandels und einer gescheiterten Subventionspolitik. Das Bäume fällen hat in Duisburg eine traurige Tradition. Anders als in Wesel. Ein im Jahre 1750 gepflanzter Baum kann dort noch heute bewundert werden. Zustand: vital, "stärkster Baum aus einer Gruppe von fünf Maulbeerbäumen", so das Baumkunderegister.

Die genauen Baumdaten sind im Internet zu finden unter der Adresse "http://www.baumkunde.de/baumregister/3743-maulbeerbaum_am_lippehafen_in_wesel/"

Quelle: RP
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