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Duisburg
Fast fünf Monate Alkoholverbot

Duisburg: Fast fünf Monate Alkoholverbot
Es gibt sie noch die Trinkerszene am Kuhtor, aber sie ist kleiner geworden. Verwarnungsgelder und Ordnungswidrigkeitenanzeigen gab es mehrere, Platzverweise wurden dagegen nicht ausgesprochen. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Seit Mai gilt probeweise ein Alkoholverbot in der Innenstadt. Ab November wird entschieden, wie es weitergeht. Von Charlotte Raskopf

Seit dem 16. Mai gilt nun testweise für ein halbes Jahr das Alkoholverbot in der Duisburger Innenstadt. Durch das Verbot sollen die öffentlichen Platze rund um die Fußgängerzone attraktiver werden. Beinahe fünf Monate nach der Einführung des Verbotes ziehen der Suchthilfeverbund und die Stadt unterschiedliche Bilanzen.

Auf Anfrage teilt ein Stadtsprecher mit, man sei "vorsichtig optimistisch", was die Wirkung des Alkoholverbots betreffe. An den ersten Tagen nach der Einführung des Verbotes habe man bewusst darauf verzichtet, Strafen zu verhängen. "Wir haben stattdessen zunächst Aufklärungsarbeit betrieben und das Gespräch gesucht", sagt er. Seit dem 23. Mai sei nun der reguläre Außendienst dafür verantwortlich, das Verbot durchzusetzen. Seitdem sei es bereits 21-mal dazu gekommen, dass ein Verwarnungsgeld von 35 Euro verhängt wurde. Fünfmal wurden Ordnungswidrigkeitsanzeigen gestellt. Platzverweise habe es bisher keine gegeben. "Die Angesprochenen haben meistens umgehend den Platz geräumt", sagt der Stadtsprecher.

Kollegen, die im Außeneinsatz arbeiteten, würden davon berichten, dass keine großen Gruppen der Trinkerszene mehr in der Innenstadt zu sehen seien. Eine Verschiebung der Trinkerszene in den Kantpark, wie von vielen befürchtet, könne man nicht bestätigen. Eine endgültige Bilanz werde man aber erst nach Ablauf der sechs Monate ziehen. "Nach dem 16. November werden wir die Situation analysieren und dann wird der Stadtrat entscheiden, wie es weitergeht", sagt er.

Für Mustafa Arslan vom Suchthilfeverbund Duisburg e. V. steht fest, dass das Trinken in der Innenstadt durch ein Alkoholverbot nicht verhindert werden kann. Weitaus wirkungsvoller als ein solches Verbot seien Sozialarbeiter und Streetworker, die fünf Tage in der Woche auf der Straße vor Ort seien und in direktem Kontakt zu den Betroffenen stünden. Seit dem 1. September gebe es einen Mitarbeiter, der sich ausschließlich um diese Zielgruppe kümmere und in Zusammenarbeit mit dem Verein "Gemeinsam gegen Kälte" auf der Straße unterwegs sei. "Er berichtet bereits jetzt von positiven Effekten", sagt er. Eines der größten Probleme sei die Obdachlosigkeit der Betroffenen. Manche lebten seit mehr als 10 Jahren auf der Straße. "Wir brauchen eine intensive Betreuung, kein Verbot", sagt Arslan.

Einen positiven Effekt hat das Alkoholverbot jedoch auch für ihn: "Wir sind froh, dass das Thema in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Die Wahrnehmung der Leute und der Politik ist jetzt eine andere", sagt er. Vorher sei die Trinkerszene nur als Störfaktor wahrgenommen worden, berichtet Arslan. Nun würden die Probleme aber thematisiert und Lösungsansätze entwickelt. Man sei zudem froh und dankbar, dass die Stadt eine Bereitschaft habe, die Probleme auch durch psychosoziale Maßnahmen anzugehen.

Es gebe in diesem Zusammenhang auch Signale seitens der Stadt, dass die Förderung der Projekte über das geplante halbe Jahr hinausgehen werde.

Generell ist er jedoch der Meinung, dass die Trinkerszene zum Stadtbild gehört. "Man kann sie nicht einfach wegzaubern, sondern man muss Verantwortung übernehmen. Egal von welcher Position aus", sagt er.

Quelle: RP
 
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