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Duisburg
Faszinierendes filigranes Fingerspiel

Duisburg: Faszinierendes filigranes Fingerspiel
Thomas Ospital FOTO: Mirko Cvjetko
Duisburg. Das Orgelfestival Ruhr wurde am Sonntagabend vom jungen Orgelvirtuosen Thomas Ospital eröffnet. Von Olaf Reifegerste

"Klangraum Europa" heißt das Motto des diesjährigen "Orgelfestival Ruhr". Es präsentiert 14 Orgelkonzerte in sechs Ruhrgebietsstädten bis zum 24. September. Am Sonntag war Eröffnung - in Duisburg. "Die europäische Musikkultur ist ohne den Beitrag der Orgel nicht vorstellbar", schreibt Schirmherr Norbert Lammert, seines Zeichens amtierender Präsident des Deutschen Bundestages, im Grußwort zum Programm. In der Kultur sehe er "die eigentliche Wurzel des europäischen Gedankens". Und so freue er sich mit allen Beteiligten und dem Publikum auf Konzertbeiträge von 13 Interpreten aus sechs Ländern. Das Eröffnungskonzert mit dem jungen französischen Orgelvirtuosen Thomas Ospital fand am Sonntagabend in der gut besuchten Salvatorkirche statt. Eingeladen dazu hatte der Veranstalter auf Duisburger Seite, die Evangelische Kirchengemeinde Alt-Duisburg. Eine gute Idee war es, vor dem Altarraum eine große Leinwand aufzubauen, um darüber dem Publikum per Videoübertragung in Echtzeit das (Hände)Spiel des Organisten auf der 2002 fertiggestellten Kuhn-Orgel nahezubringen. Zu sehen, wie sein filigranes Fingerspiel das dreimanualige Instrument bespielte, verstärkte den ohnehin vorhandenen Hörgenuss. Die Orgel mit seinen 41 Registern ist stilistisch weit gefasst und orientiert sich in seinem Klangbild schwerpunktmäßig an der Musik der deutschen Barockzeit und der französischen Romantik. Darüber hinaus ist sie besonders gut für die Interpretation zeitgenössischer Musik geeignet. Und so war es nicht verwunderlich, dass Ospitals Programmauswahl genau dieses musikalische Zeitspektrum vom 17. bis zum heutigen Jahrhundert abdeckte.

Er startete Punkt 18 Uhr mit dem letzten Schlag des Glockengeläuts der Kirche und mit dem tokkatischen Präludium in G-Dur von Nikolaus Bruhns (1665-1697), welches man auf dem Festival noch einmal zu hören bekommen kann, dann nämlich vom russischen Organisten Taras Baginets in Essen (23. Juli). Aber auch das zu vorletzt von Ospital gespielte Werk, die Toccata aus der "Suite, Opus. 5" von Maurice Duruflé (1902-1986), wäre beim nächsten Konzert auf dem Festival durch die Russin Mona Rozdestvenskyte in Gelsenkirchen (2. Juli) vergleichbar zu hören. Mit den Orgelwerken von Bach (Triosonate c-Moll), Mozart (Fantasie f-Moll) und Liszt (Orpheus) unterstrich der äußerlich knabenhaft wirkende äußerst sympathisch auftretende Ausnahmemusiker seine Klasse an dem faszinierenden Instrument.

Da die Improvisation des 1990 im französischen Baskenland geboren Musikers und Komponisten in seiner musikalischen Praxis inzwischen einen breiten Raum einnimmt, beschloss er den Konzertabend mit einer improvisatorischen Eigenkomposition, nicht allerdings ohne anschließend doch noch eine Zugabe (Bach: Präludium und Fuge in G-Dur) für das ihn feiernde Publikum parat zu haben. So stellte sich allerseits schnell Freude ein, auch das nächste Duisburger Konzert am 27. August mit Marcus Strümpe an gleicher Stelle besuchen zu wollen.

Weitere Informationen siehe auch unter "http://www.orgelfestival-ruhr.de" .

Quelle: RP
 
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