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Duisburg
Fauré-Requiem den Terroropfern gewidmet

Duisburg. Seit langem geplant war das große Jahreskonzert von "salto chorale", dem Kammerchor der Universität Duisburg-Essen, in der Lutherkirche Duissern. Doch angesichts der Weltlage wirkte das Programm besonders aktuell, und Chorleiter Klaus Andrees widmete den Abend "den Opfern und ihren Angehörigen" der Terroranschläge von Paris. Von Ingo Hoddick

Es begann mit den vier liturgischen Messesätzen aus dem populären Oratorium "The Armed Man: A Mass for peace" von dem 1944 geborenen Waliser Karl Jenkins, bekannt durch "Adiemus". Im Mittelpunkt standen aber zwei Werke des Franzosen Gabriel Fauré (1845-1924). Das war zunächst das kurze "Cantique de Jean Racine" op. 11, hier in der Orchestrierung mit Harfe und tiefen Streichern von John Rutter, dessen Werke sonst oft von "salto chorale" gesungen werden. Dieses Frühwerk von 1865 führte aber vor allem zu Faurés wohl bekanntester Komposition, dem Requiem op. 48, hier in der von Rutter rekonstruierten Fassung von 1893 mit kleinem Orchester: an Bläsern nur je zwei Hörner und Trompeten, an Violinen nur eine einzige.

Dies ist nicht nur eine der originellsten, sondern inzwischen auch eine der am häufigsten aufgeführten Vertonungen der liturgischen Totenmesse. Sie verzichtet auf eine dramatisierende Fassung des "Dies Irae", fügt dagegen das "In Paradisum" aus den Exequien hinzu, das traditionell bei der Überführung des Leichnams von der Kirche zum Friedhof erklingt. Das Ganze wirkt zutiefst tröstlich, auch durch die prägende warme Klangfarbe der tiefen Streicher, nämlich jeweils geteilte Bratschen und Celli plus Kontrabass. 1902 äußerte sich Fauré in einem Interview zu seinem Requiem: "So sehe ich den Tod: als eine freudvolle Erlösung, eine Erwartung von Glückseligkeit jenseits des Grabes, nicht als eine schmerzvolle Erfahrung", und weiter: "Vielleicht habe ich instinktiv versucht, die ausgetretenen Pfade zu verlassen, nachdem ich all die Jahre bei Begräbnissen gespielt hatte. Es hing mir alles zum Halse heraus, ich wollte etwas anderes machen!"

Klaus Andrees sorgte als Dirigent für ein praktisch professionelles Niveau, "salto chorale" beeindruckte durch eine genauestens intonierte und phrasierte Leistung. Dazu kamen die Solisten Christine Léa Meier (Sopran) und Christoph Erpenbeck (wie von Fauré gewünscht ein "sanfter Bassbariton, der etwas von einem Kantor in sich hat") sowie das Essener Kammerorchester mit seinem Konzertmeister Sebastian Erpenbeck und Sarmite Juskane an der Orgel, die vorbildlich mit dem Chor atmeten. Der Jubel war am Ende groß.

Quelle: RP
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