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Duisburg
Feinste Hüte und Kopfbedeckungen

Duisburg: Feinste Hüte und Kopfbedeckungen
Hutmacherin Susanne Arnken in ihrem Atelier an der Moltkestraße in Duissern. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Für individuelle Hüte braucht es einen kreativen Kopf. Erst im Januar eröffnete Hutmacherin Susanne Arnken ihr Geschäft in Duissern. Bereits jetzt kommen rund 50 Kunden pro Woche, um Stilvolles und Maßgefertigtes zu erstehen. Von Cornelia Brandt

Ihre Kreationen sind mal alltagstauglich, mal verwegen. Im Atelier von Susanne Arnken in Duissern stapeln sich Stoffe und überall stehen Modellköpfe mit Kopfbedeckungen. Die 35-Jährige ist Hutmacherin und seit Ende Januar mit ihrem Unternehmen "Rotkäppchens Tanten" in Duisburg erfolgreich.

"Ich habe schon sehr früh davon rumgesponnen, dass ich Hüte machen will", erinnert sie sich. Angefangen habe es, als sie in den 1980er Jahren den Film "Großstadt Sklaven" (Originaltitel: Slaves of New York) gesehen hatte. "Da gab es einen Hut mit einem Aschenbecher drauf mit einer ausgedrückten Kippe darin", beschreibt sie begeistert. Das habe sie fortan nicht mehr losgelassen. In der zehnten Klasse machte sie schließlich ein Praktikum bei einer Hutmacherin.

Nach dem Abitur traute sie sich jedoch zunächst nicht, ihren Berufstraum weiter zu verfolgen. Zu unsicher schien ihr, ob sich auch genügend Kunden für die alte Handwerkskunst finden würden. Und so lernte sie erst einmal Buchhändlerin und bewarb sich für ein Grafikdesign-Studium. "Da bin ich aber nicht angenommen worden", sagt Arnken. In Aachen absolvierte sie dann ein Magister-Studium in Kommunikationswissenschaften, Geschichte und Politik. "Nebenbei habe ich in einem Geschäft für Künstlerbedarf gejobbt und dadurch auch viele Maler und Kunsthandwerker kennengelernt. Irgendwann war dann auch ein Hutmacher dabei", erinnert sie sich. Er habe ihr dann eine Azubi-Stelle in ihrem Traumberuf in Xanten vermittelt. "Mit der Ausbildung habe ich direkt nach meinem Studienabschluss begonnen. Da war ich schon Ende 20."

Bereits zweieinhalb Jahre hatte Arnken als Gesellin gearbeitet, als ihre Chefin sie im vergangenen Winter wegen der "Saure-Gurken-Zeit" nicht weiter beschäftigen konnte. Das nutzte die junge Kreative, um den Sprung ins kalte Wasser zu wagen: "Ich hatte 3000 Euro auf der hohen Kante. Die habe ich als Startkapital komplett verbraten", erzählt sie und fügt stolz hinzu: "Ich habe den Start mit ganz wenigen Mitteln hingekriegt, und vor allem: Ich musste keine Schulden machen, um mein Geschäft zu eröffnen." 45 Quadratmeter groß ist ihr Atelier, das in der ersten Etage gleich über dem Winzigschön-Café liegt. Einladend, kreativ-modern und sehr individuell ist die Atmosphäre. Schon im Treppenhaus werden die Besucher von einer fröhlichen Birken-Tapete empfangen, von der Decke im Atelier baumelt ein Kronleuchter. Die Hutformen hat Arnken von einem anderen Hutmacher "geerbt", der sie nicht mehr benötigte. An einem mehrere Meter langen Industrietisch können die Besucher der Hutmacherin bei der Arbeit zuschauen, in den Regalen und auf mehreren Tischen und Kisten präsentiert Arnken ihre Kreationen. "Ich hatte vorher schon immer Material gesammelt. Bänder, Stoffe, Perlen - wann immer ich irgendwo etwas schönes entdeckt habe, habe ich das mitgenommen."

Seide, Filz oder Stroh. Perlen, Bänder oder Blüten - so individuell wie die Materialien sind auch die Hüte, die in mehreren Arbeitsschritten entstehen. "Bei mir bekommt jeder Kunde den Hut, der auch wirklich zu ihm passt und den persönlichen Typ unterstreicht", betont die Hutmacherin. Manche Stücke landen gar nicht erst im Laden, sondern sind individuelle Sonderanfertigungen auf Kundenwunsch. Die Preise sind trotzdem moderat. Eine Mütze ist bereits ab 60 Euro zu haben, hochwertigere Hüte liegen zwischen 150 und 250 Euro das Stück. Natürlich kann man einen Hut auch bei einer der zahlreichen Modeketten kaufen. "Aber das ist dann keine gute Qualität", sagt Arnken. "Die Materialien sind schlechter und ziehen Schmutz an, und die Hüte sind nicht wirklich an die individuelle Kopfform angepasst und sitzen deshalb nur schlecht", weiß sie. "Klar, gerade junge Mädchen können sich einen Hut von einer Hutmacherin kaum leisten, aber die tragen ihn ja auch eher als Modegag nur mal eine Saison. Da reicht ein Billighut." Erwachsene Frauen hingegen hätten den Mut, mit einem individuellen Exemplar ihre Persönlichkeit zu unterstreichen. Und da sind sie bei Susanne Arnken genau an der richtigen Adresse.

"Ich hatte anfangs schon Bedenken, ob ich mir mit dem eigenen Geschäft nicht zu viel zugetraut habe", gesteht die junge Unternehmerin. "Aber es ist eine stetige Steigerung zu verzeichnen", erzählt sie und freut sich. Manchmal käme sie vor lauter Sonderbestellungen kaum nach, neue Modelle für die Regale im Laden zu produzieren.

Bei Frauen in Deutschland ist die Durchschnittsgröße 56. Aber es gibt auch Damen und Herren mit deutlich größeren oder schmaleren Köpfen. Auch sie werden bei "Rotkäppchens Tanten" fündig, denn die Fachfrau fertigt ihre Unikate auf Maß.

Damit die Kunsthandwerker-Szene auch in Duisburg eine Überlebenschance hat, kooperiert sie mit anderen der Branche. "Es wäre doch langweilig, wenn es überall nur die gleichen Modeketten gäbe", findet sie. Deshalb runden in ihrem Atelier eine Auswahl an Kleidungsstücken einer befreundeten Modedesignerin, Vintage-Taschen und individuelle Schmuckstücke das stilvolle Angebot ab.

Das Hutatelier "Rotkäppchens Tanten" befindet sich an der Moltkestraße 18 in Duissern. Geöffnet ist mittwochs bis freitags von 11 bis 13 und von 14 bis 18.30 Uhr, samstags von 11 bis 16 Uhr; dienstags nur nach Terminabsprache, Tel. 0163 2852223.

Quelle: RP
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