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Duisburg
Filmwoche: Zeit für ein Doppeljubiläum

Duisburg: Filmwoche: Zeit für ein Doppeljubiläum
Filmarbeit heute: Szene aus dem Eröffnungsfilm "Cinema Futures". FOTO: filmwoche
Duisburg. Bei der Eröffnung der Filmwoche würdigten die Festredner auch ihren Ableger, der sich längst etabliert hat: das "Doxs!"-Festival mit Dokumentarfilmen für Jugendliche und Erwachsene. Von Peter Klucken

Natürlich waren alle Festredner bei der Eröffnung der Duisburger Filmwoche im Filmforum am späten Montagabend voll des Lobes für das Festival, das in diesem Jahr zum 40. Mal stattfindet. Oberbürgermeister Sören Link hob hervor, dass die Filmwoche, auch "Sozial- und Mentalitätsgeschichte" geschrieben habe, wobei das Wort "schreiben" natürlich nur symbolisch zu verstehen sei. Dr. Hildegard Kaluza, Leiterin der Kulturabteilung im Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW, stellte positiv den für das Duisburger Festival prägenden Dreiklang von 1. Filme auswählen, 2. Filme zeigen und 3. Filme diskutieren heraus.

Aber nicht nur die Filmwoche wurde eröffnet, sondern auch das "doxs!"-Festival, bei dem ausgewählte Dokumentarfilme für Kinder und Jugendliche gezeigt und prämiert werden. Gudrun Sommer, die "doxs!" vor 15 Jahren ins Leben rief und bis heute mit wachsendem Erfolg leitet, bekam die verdiente Gelegenheit, neben dem langjährigen Filmwochen-Leiter Werner Ruzicka bei der Eröffnung zu sprechen. Die Chance nutze sie, um darauf hinzuweisen, dass der anspruchsvolle Jugend-Dokumentarfilm in deutschen Fernseh-Programmen zu wenig berücksichtigt wird. Dabei gebe es viele sehenswerte europäische Dokumentarfilme, die junge Leute faszinierten.

Das Duisburger "doxs!"-Festival beweise das immer wieder aufs Neue. Nicht ohne Stolz wies Gudrun Sommer darauf hin, dass Kenner dies auch anerkennen. So werde in diesem Jahr bei "doxs!" nicht nur der Filmpreis "Große Klappe", gestiftet von der Bundeszentrale für politische Bildung, verliehen, sondern erstmals auch der "ECFA DOC AWARD" für den besten europäischen Kinderdokumentarfilm.

Mit der österreichischen Produktion "Cinema Futures" von Michael Palm startete nach den Reden das eigentliche Programm der Duisburger Filmwoche. Der Filmemacher beschäftigt sich mit der "digitalen Revolution", die auch das Filmschaffen und Film-Archivieren erfasst hat. Wer glaubt, dass es die Digitalisierung möglicht macht, Filmschätze aus der Geschichte der Kinematographie platzsparend für die Zukunft zu verwahren, wird in dieser Auffassung nicht bestätigt. Erstens werden, wie Palm zeigt, viele Filme unsachgemäß archiviert und zerbröseln oder verklumpen buchstäblich, und zweitens lösen sich die digitalen Techniken innerhalb weniger Jahre schnell und spurlos ab.

Am eindrucksvollsten ist "Cinema Future", wenn die Kamera durch die Gänge von gigantischen Filmarchiven fährt, bei denen die einzelnen Filme in einer Ordnung gelagert werden, die nur mit Hilfe von Computer-unterstützten Robotern bewältigt werden kann. Der Film ist zweifelsfrei eine Fleißarbeit. Gleichwohl muss man bemängeln, dass zu viele Aspekte in 125 Minuten behandelt werden. Die angeschnittenen Probleme und Chancen der Digitalisierung hätten einfacher und klarer herausgearbeitet werden können, auch wenn als Fazit dann vermutlich eine gewisse Ratlosigkeit bleibt. - Ab 10 Uhr ging es gestern morgen im Programm weiter: Die Filmemacher Chris Wright und Stefan Kolbe zeigen das Schicksal von Sarah, die als Teenager in ein Waisenheim kam. Nun ist sie 19 - und Mutter. Auch der Vater ihres Kindes, der seine Schlangen mit lebenden Ratten füttert, war Waise. Der Titel des Films "Mutterglück" wirkt wie ein Seufzer.

Bei dem Film "Brüder der Nacht" von Patric Chiha stehen junge bulgarische Roma im Mittelpunkt, die sich in Wien prostituieren, obwohl sie ihre Kunden, ältere Männer, verachten. Selbstachtung finden sie in Macho-Gehabe und geschäftsmäßig geführten Dialogen. Der Film zeigt mit dokumentarischen Mitteln, wie die jungen Protagonisten anderen und sich selber etwas vorspielen: Verlogenheit als Lebensstrategie. Ein gut gemachter, beklemmender Film.

Quelle: RP
 
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