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Duisburg
Und täglich werden es mehr

Flüchtlinge in Duisburg: Und täglich werden es mehr
Ankunft von Flüchtlingen in der Zeltstadt am Walsumer Kerskensweg. Die Zelte hier sollen schon bald durch Leichtbauhallen ersetzt werden, um auch in den kälteren Herbsttagen noch akzeptable Bedingungen leisten zu können. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Allein in der vergangenen Woche musste die Stadt an fünf Werktagen rund 120 weitere Flüchtlinge unterbringen, und das, obwohl schon heute die Sammelunterkünfte voll sind und freier Wohnraum immer rarer wird. Von Hildegard Chudobba

Am Montag wird sich der Rat der Stadt erneut mit einem Thema befassen, das die Politik seit Monaten beschäftigt. Immer mehr Flüchtlinge müssen in unser Stadt untergebracht werden. Zugleich steht immer weniger freier Raum zur Verfügung, sei es in Sammelunterkünften oder auch in "beschlagnahmten" Wohnungen.

Nach Auskunft des Presseamtes der Stadt kamen in den vergangenen sieben Tagen 119 neue Asylbewerber nach Duisburg. Allein für gestern rechnete die Stadt mit 30 weiteren Personen. Morgen könnten es genau so viele oder noch mehr sein. Für die Stadt ist das kaum kalkulierbar. Denn sie erfährt in der Regel sehr kurzfristig, wenn wieder ein Bus hierher unterwegs ist. Ohne das Landesaufnahmelager in Walsum, die Zeltstadt am Kerskensweg, wären noch mehr Menschen unterzubringen. Die dort Einziehenden (bzw. Eingezogenen) werden bekanntlich der Stadt auf ihre Quote angerechnet.

Fotos: Eine Nacht in der Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft FOTO: Bernd Schaller

Die Stadt rechnet für dieses Jahr mit rund 4500 Flüchtlingen, die hier ein Quartier benötigen, verpflegt und betreut werden müssen. Nicht eingerechnet sind darin die rund 520, die bereits einmal abgelehnt wurden, aber einen Folgeantrag auf Asyl gestellt haben. Da der Bund seine Flüchtlingszahlen derzeit fast täglich nach oben korrigiert, ist es wahrscheinlich, dass zu den prognostizierten 4500 noch Hunderte hinzu kommen. An neuen Plätzen müsste die Stadt bis zum Jahresende fast 3900 schaffen, von denen derzeit aber erst rund 1700 zur Verfügung stehen bzw. in Kürze zur Verfügung stehen werden.

Wo die noch fehlenden Plätze in diesem Jahr herkommen sollen? Darauf kann die Verwaltung keine beruhigende Antwort geben. Im Gegenteil: Der Bedarf, der bis zum Jahresende prognostiziert wird, könne voraussichtlich nicht abgedeckt werden, stellt sie jetzt schon fest. Sie hofft auf das Engagement der Wohnungsgesellschaften, die freien Raum zur Verfügung stellen sollen. Neben den im Bau befindlichen Sammelunterkünften, könnten Container aufgestellt werden an den ehemaligen Schulen an der Usedomstraße und der an der Dislichstraße. Doch angesichts der erhöhten Nachfrage nach Containern wird das zumindest zeitnah kaum funktionieren. Experten gehen längst davon aus, dass die Flüchtlingsströme im kommenden Jahr kaum abnehmen werden. Dann müsste Duisburg das Handtuch werfen, kündigt die Verwaltung an.

Fotos: Große Hilfsbereitschaft am Dortmunder Hauptbahnhof FOTO: dpa, mjh

Sie arbeitet intensiv daran, mehr als die heute schon 400 nutzbaren Wohnungen zu beschlagnahmen, wobei der Begriff irreführend ist. "Letztendlich beschreibt er ein Verfahren, was auf vollständiger Freiwilligkeit und gegenseitigem Einvernehmen basiert", erklärt das Presseamt.

Gegen den Willen des Eigentümers werde nie gehandelt. Es handle sich immer um eine einvernehmliche Beschlagnahme durch Ordnungsverfügung. "Der eigentliche Vorteil ist, dass somit das Mietrecht nicht mehr anzuwenden ist und die Wohnung sofort bis zur Aufhebung der Beschlagnahme der Sozialverwaltung zur Verfügung steht", so das Presseamt. Letztlich beschreibe der Begriff ein Mietverhältnis.

Dortmunder applaudieren Flüchtlingen am Bahnhof

Dass dies für den Vermieter durchaus lukrativ sein kann, darüber haben wir am Samstag berichtet. Weil die Not so groß ist und es an allen Ecken an Alternativen fehlt, zahlt die Stadt teilweise Mieten, wie sie sonst höchstens für Wohnungen in allerbester Lage zu erzielen sind.

Quelle: RP
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