| 00.00 Uhr

Duisburg
Flüchtlinge: Spaniel lobt Hilfsbereitschaft

Zeltstadt für Flüchtlinge in Duisburg
Zeltstadt für Flüchtlinge in Duisburg FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Etliche Bürger gaben gestern an der neuen Landeseinrichtung in Walsum Spenden für die am Abend erwarteten Flüchtlinge ab. Der Sozialdezernent fordert Erleichterungen bei Verfahrensabläufen. Von Julia Zuew

Immer wieder kamen gestern Bürger zu der neuen Landeseinrichtung für Asylbewerber am Kerskensweg in Walsum, um Hilfsmittel wie Kleidung, Windeln oder Spielzeug für die am Abend eintreffenden Bewohner abzugeben. Der eingesetzte Sicherheitsdienst und das DRK, das die Einrichtung betreut, scheuchten allerdings Fotografen, die dieses positive Beispiel für Willkommenskultur ablichten wollten, vom Gelände - aus welchem Grund auch immer.

Die Lage der Asylbewerber in unserer Stadt war am Nachmittag gleichfalls Thema im Sozialausschuss. "Ich möchte nicht von einem Notstand sprechen, eher von Krisenmodus", sagte Stadtdirektor Reinhold Spaniel. "Oberste Priorität hat zurzeit die Schaffung von Unterkünften", betonte er. "Hinzu kommt die Beseitigung und Vermeidung von Obdachlosigkeit."

NRW: Kosten für Flüchtlinge: Die wichtigsten Antworten

Noch rund 2000 zusätzliche Plätze gelte es bis zum Ende des Jahres zu schaffen, so der Sozialdezernent. 1500 davon seien voraussichtlich abgedeckt mit Projekten, die mittlerweile liefen. Unter Hochdruck kümmere die Stadt sich darum, die restlichen 500 Plätze zu sichern, erklärte Spaniel den Ausschussmitgliedern. Momentan seien in Duisburg insgesamt 3000 Asylbewerber untergebracht, rund 50 Prozent davon in zirka 600 Wohnungen.

Die Hilfsbereitschaft und den ehrenamtlichen Einsatz in Duisburg bezeichnet der Sozialdezernent als "sensationell. Wir bekommen mittlerweile täglich hunderte Anfragen von Bürgern, die ehrenamtlich helfen oder spenden wollen", sagt er. "Wir schätzen es sehr, aber wir können nicht allen direkt antworten und alles direkt umsetzen." Keine Ignoranz, sondern Überforderung sei der Grund dafür, wenn die Antworten manchmal auf sich warten ließen. Als größtes Manko sieht der Sozialdezernent, dass es keine einheitlichen Regularien gibt. Er fordert einheitliche Aufnahme- und Versorgungsstandards für ganz Europa. Und auch die Aufnahmebereitschaft anderer EU-Mitgliedsstaaten empfindet er als diskussionswürdig.

Willkommenskultur: Diese Menschen helfen Flüchtlingen FOTO: RP

"Das Thema scheint beim Bundesinnenminister angekommen zu sein", führte er fort. Spaniel begrüßte gestern dessen Vorhaben, die Verfassung zu ändern: Es müssten Änderungen eingeführt werden, um die Asylverfahren zu beschleunigen und Standards leichter senken zu können. Auch bei Bauvorschriften und Brandschutzbestimmungen wünscht er sich Erleichterungen. Insbesondere die Problematik mit Flüchtlingen aus Länden vom Balkan, die rund die Hälfte der gesamten Asylantragsteller ausmachen, könne mit einer Beschleunigung des Verfahrens entspannt werden.

Die Stadt plant derzeit unter anderem, das ehemalige Verwaltungsgebäude an der Memelstraße in Neudorf zu einer Asylbewerberunterkunft umzubauen. Auch andere Ideen befinden sich in der Überprüfung. Spaniel hatte schon vor Wochen gemahnt, dass eine Flüchtlingswelle ungeahnter Größe auf Deutschland und damit auch auf die Stadt zurolle.

Zu der neuen Landeseinrichtung in Walsum äußerte sich der Stadtdirektor gestern nicht. Er hatte auf dem Gelände gerade erst 300 Zelte errichten lassen, die nun durch Leichtmetallhallen ersetzt werden sollen. Das Land will zunächst dort 200 Asylbewerber unterbringen, kündigte allerdings eine Erweiterung an. Experten schätzen, dass auf der Fläche auch 600 bis 700 Menschen Platz finden könnten. Im Gespräch mit der RP hatte Spaniel bereits ausgeführt, dass die Übernahme der Zeltstadt durch das Land in Duisburg positiv gewertet wird. Denn die Kosten für die Unterkunft, für die Betreuung und Verpflegung der Bewohner kommen damit nicht auf die Stadt zu. Zudem wird die Zahl der dort lebenden Menschen auf die Duisburger Quote angerechnet.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Duisburg: Flüchtlinge: Spaniel lobt Hilfsbereitschaft


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.