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Duisburg
Folkwang: Elf vorzügliche Duos und ein Überflieger

Duisburg. Am Campus Duisburg der Folkwang-Universität der Künste gibt es einige Konzertreihen, die immer große Ereignisse sind. Dazu zählen zum Beispiel die Abende der Studierenden der Kammermusik-Klasse von Prof. Evgeny Sinaiski und die Sparkassen-Konzerte "Große Klaviermusik - Forum für junge PianistInnen". Von Ingo Hoddick

Jetzt gab es die beiden an zwei Tagen unmittelbar hintereinander. Der Duo-Klassenabend Sinaiski bot wieder elf vorzügliche Duos, in einem fast dreistündigen Marathon jagte wieder eine Sensation die nächste. Der krachende Einstieg war ein Satz aus der kaum bekannten, aber großartigen Sonate für Violine und Klavier Nr. 1 von Ernest Bloch mit Maximilian Hörmeyer und Polina Charnetskaja. Besonders bejubelt wurden Gunwoo Park und Doyeon Kim für zwei Sätze aus der Sonate für Violoncello und Klavier g-Moll op. 19 von Sergej Rachmaninow. Unbedingt erwähnt werden müssen zumindest noch Darja Varlamowa und Jonathan Zydek mit den "Fünf Melodien" für Violine und Klavier op. 35b von dem vor 125 Jahren geborenen Sergej Prokofjew.

Schon international erfolgreich ist der 1986 in St. Petersburg geborene Eduard Kiprsky. Derzeit ist er noch der einzige Schüler des Duisburger Folkwang-Professors Boris Bloch, in dem wieder eingeführten Exzellenz-Studiengang "Konzertexamen". Für seinen jüngsten Duisburger Klavierabend hatte sich Kiprsky fünf leicht zu hörende, aber schwer zu spielende Werke des 19. Jahrhunderts gewählt. Von Franz Liszt waren das vier seiner besten Kompositionen, nämlich "Après une lecture de Dante, Fantasia quasi Sonata" (aus dem Zyklus "Années de pèlerinage, deuxième année, Italie") die zweite Franziskus-Legende "Der heilige Franz von Paula, über die Wasser schreitend", Fantasie und Fuge über das Thema BACH und die Paraphrase über die Oper "Rigoletto" von Giuseppe Verdi (genauer gesagt über das Quartett im letzten Akt) sowie von Modest Mussorgsky die "Bilder einer Ausstellung".

Liszt scheint dem jungen Pianisten zu liegen, die höllischen und die himmlischen Aspekte dieser wie improvisiert geradezu hingerotzten Musik. Freilich spielt er über manche Einzelheit etwas zu großzügig hinweg, was bei Mussorgsky viel weniger zum Werk passt. Seine rasante erste Zugabe war die gleiche wie zwei Tage zuvor als Solist im Duisburger Festkonzert der Universität Duisburg-Essen, nämlich der "Hummelflug" von Nikolai Rimski-Korsakow (die RP berichtete). Seine zweite Zugabe war die erste Nummer "Von fremden Ländern und Menschen" aus den "Kinderszenen" op. 15 von Robert Schumann. Doch solch verinnerlichte Schlichtheit erscheint eher nicht als Kiprskys Kernkompetenz.

Quelle: RP
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