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Fossa Eugeniana: Die Unvollständige

Duisburg. Eigentlich sollte der Kanal vom Rhein bei Rheinberg bis zur Schelde bei Antwerpen führen. Er wurde aber nie fertiggestellt. Von Erwin Kohl

Rheinberg Taucht bei einer Quizsendung mal die Frage nach dem größten Baudenkmal in Nordrhein-Westfalen auf, dürften der Kölner Dom, das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica oder auch das eine oder andere Schloss genannt werden. Tatsächlich aber ist es die "Fossa Eugeniana de Sancta Marie", jener nie fertig gewordene Kanal, der vom Rhein bei Rheinberg bis zur Maas und in einem zweiten Bauprojekt zur Schelde bei Antwerpen führen sollte. Spaziert man heute an den Wanderwegen des knapp vier Meter breiten Gewässers vorbei oder nutzt den grenzüberschreitenden 60 Kilometer langen Radwanderweg, ahnt man nichts von der wirtschaftlichen und militärischen Bedeutung, die dieser Kanal einmal hatte.

Alles begann am 21. September 1626 in Rheinberg, nordöstlich des Xantener Tores. Dort erfolgte der erste Spatenstich durch den Stadthalters des Oberquartiers Geldern, Heinrich von dem Bergh. Bis zu 8000 Menschen schaufelten in den folgenden drei Monaten an dem europäischen Großprojekt mit einer Länge von 50 Kilometern. Werner Kehrmann vom Rheinberger Heimatverein hat sich intensiv mit der Historie des Kanals beschäftigt und bietet Vorträge und Führungen zum Thema an. Dabei erläutert er auch die politischen Hintergründe, die zum Bau geführt haben. "Phillipp IV. hat damals erkannt, dass er die abtrünnigen niederländischen Regionen unter der Führung der Oranier militärisch nicht besiegen konnte und setzte auf wirtschaftliche Boykottmaßnahmen", so Kehrmann. Bis dahin spülte der Warentransport auf dem Rhein reichlich Geld in die Kriegskasse der Oranier. Mit dem Bau eines "neuen Rheins", der von Rheinberg aus letztendlich zum Seehafen Antwerpen führen sollte, hätte man Nordholland wirtschaftlich abgeschnitten. "Ohne Geld kein Krieg, so der Gedanke. Der Knackpunkt war aber, dass auf dieser Strecke auch das Gebiet der Oranier durchfahren werden musste", erläutert Kehrmann. Aber die "Fossa", wie der Kanal im Volksmund kurz genannt wird, sollte ohnehin auch einen militärischen Zweck erfüllen. Weil Brücken fehlten und ein Kanal zur damaligen Zeit für feindliche Truppen ein unüberbrückbares Hindernis darstellte, wurde die Fossa zur idealen Verteidigungslinie. Dazu trugen auch 24 entlang des Kanals errichtete Befestigungsanlagen, die so genannten Schanzen, bei, von denen einige noch heute deutlich erkennbar sind. Ganz nebenbei sollte die Fossa auch als Versorgungsweg für die spanischen Truppen dienen. Einziges Problem: Die Spanier hatten nach der Kaperung ihrer Silberflotte kein Geld mehr. Um die 2,5 Millionen Goldene Schilde (ca. 7 Millionen Gulden) für das Projekt zusammen zu bekommen, bediente man sich einer List. Die Spanier erzählten dem Maler Peter Paul Rubens, dass der Rhein in Rheinberg endet und von dort weiter zur Maas fließen würde. Rubens glaubte das, machte all seinen Einfluss an den Höfen geltend und brachte die Summe zusammen. Schließlich erteilte Kaiser Ferdinand II. der spanischen Infantin Isabella Clara Eugeniana die Bauerlaubnis.

Technische Probleme und andauernde Überfälle durch feindliche Truppen verhinderten den zweiten Bauabschnitt und mit der Einnahme von Venlo 1632 und Rheinberg 1633 durch die Niederländer entfiel dann auch der ursprüngliche Grund für den Bau der Fossa. Die Bedeutung der "wirtschaftlichen Abkürzung" erkannte aber auch Napoleon bei einem Besuch am Niederrhein und begann vier Jahre später mit dem Ausbau des "Grand Canal du Nord" von Neuss bis Venlo. Die Fossa blieb unterdessen ungenutzt, bis der deutsche Kaiser Wilhelm sie im Jahre 1910 entdeckte. Der Monarch wollte den damals schon bis zu 29 Meter breiten Kanal zur Binnenwasserstraße für Schiffe bis zu einer Größe von 2000 Tonnen ausbauen. Der Erste Weltkrieg brach aus und es blieb bei dem Plan, Schiffe mitten durch Rheinberg fahren zu lassen. Die einzige Schifffahrt auf der Fossa fand laut einem Bericht in der Gelderner Zeitung am 3. Mai 1828 statt. Damals haben Rheinberger Holzkaufleute ihre Ware auf der Fossa zur Mühle an der Schleuse gebracht. Diese dreistufige Schleuse ist bis heute erhalten und eine echte Sehenswürdigkeit.

Beinahe wäre das nicht mehr der Fall gewesen, denn im Jahre 1952 sind stark öl- und fetthaltige Zechenabwässer im Bereich der Schleuse in Brand geraten und haben zu starken Beschädigungen an dem Bauwerk geführt. Das im Jahre 1900 hinter der Schleuse eröffnete Rheinberger Freibad war davon nicht betroffen.

Quelle: RP
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