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Duisburg
Freie Kantorei Duisburg: Trauer und Freude mit Mozart und Rutter

Duisburg. Mozart hinterließ sein "Requiem" d-Moll für Soli, gemischten Chor und Orchester KV 626 vor 225 Jahren unvollendet, der Satz "Lacrimosa" bricht nach acht Takten ab. Sein Schüler Franz Xaver Süßmayr vollendete nach Mozarts Skizzen die Fassung, die bis heute am meisten aufgeführt wird - die aber auch einige Geschmacksverirrungen und sogar Fehler enthält. In den letzten 45 Jahren gibt es immer wieder Neufassungen, so vor 25 Jahren durch den amerikanischen Musikwissenschaftler Robert D. Levin, sie enthält eine zusätzliche "Amen"-Fuge sowie völlig neue Versionen der Sätze "Sanctus", "Benedictus" und "Agnus Dei" und erklang jetzt in der Gebläsehalle.. Von Ingo Hoddick

Das Konzert stand unter dem Motto "Trauer und Freude", denn auf die lateinische Totenmesse folgte der lateinische Lobgesang Marias auf die Größe Gottes und dessen Allmacht. "Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden", heißt es in der Bibel (Johannes 16,20) - kaum ein anderer Ort kann diesen Wandel auch durch seine räumliche Nutzung begleiten wie die Gebläsehalle, denn aus dem ehemaligen Industrieraum wurde ein Kultursaal. Nach der Pause kam also das "Magnificat" für Solosopran, gemischten Chor und Orchester von dem 1945 geborenen Engländer John Rutter, uraufgeführt 1990 in der New Yorker Carnegie Hall, hier in der Fassung mit Kammerorchester. In den Text eingefügt sind ein englisches Gedicht des 15. Jahrhunderts, das Maria mit einer Rose vergleicht, sowie der Beginn des "Sanctus" und das Gebet "Sancta Maria, succure miseris" (Heilige Maria, hilf den Bedürftigen). Die Musik ist eine geschickte Mischung aus modern-klassischen und populären Elementen, manchmal hart am Rande des Kitsches. Der Komponist fühlte sich inspiriert von fröhlichen Marienfesten in lateinamerikanischen Kulturen und legte das Werk als helle Latino-Fiesta an.Die Freie Kantorei übertraf sich an diesem Abend selbst, gab eines der gelungensten Konzerte ihrer Geschichte. Bernhard Quast hatte seinen ambitionierten Laienchor bestens vorbereitet und im Griff, jede Einzelheit war durchdacht und atmete, nur gelegentlich schwächelte es etwas im Tenor. Die Aufführungen wirkten stilsicher und ausdrucksstark, auch dank der feinen Stimmen der Solisten Evelyn Ziegler (Sopran), Annette Hörle (Alt), Fabian Strotmann (Tenor) und Joachim Höchbauer (Bass) sowie des klaren Orchesterklangs der Capella da chiesa.

Am Ende gab es Ovationen.

Quelle: RP
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