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Duisburg
Freiwillige: Sorge um Feuerwehr-Zukunft

Duisburg: Freiwillige: Sorge um Feuerwehr-Zukunft
Dominic Steinkamp (links), Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Mündelheim, freut sich über drei Interessenten in den letzten Wochen. FOTO: Ute Gabriel
Für die ehrenamtlichen Brandbekämpfer wird es immer schwieriger, neue Mitglieder zu gewinnen. Von Marius Fuhrmann

Wer die 112 wählt, hofft auf schnelle Hilfe. In wenigen Minuten sind die Retter der Feuerwehr vor Ort. Doch überall kämpfen die Löschzüge mit Nachwuchssorgen. Auch die Wehren im Duisburger Süden sind davon betroffen.

In der Freiwilligen Feuerwehr Mündelheim sind derzeit 34 Mitglieder aktiv, sagt Sprecher Dominik Steinkamp. "Wir hatten Glück, dass in den letzten Wochen gleich drei Interessenten dazugestoßen sind. Sonst war es immer nur einer pro Jahr", sagt er. Die Nachwuchssorgen seien zwar nicht akut, die Gruppe wolle allerdings nicht warten, bis die Mitgliederzahl zu schrumpfen beginnt. "Viele Freiwillige gehen in den nächsten Jahren in die Ehrenabteilung über, da sie zu alt sind. Wir suchen daher nach jungen Kräften."

Früher sei es leichter gewesen, Mitglieder zu gewinnen, da sich junge Leute, die weder Wehr- noch Zivildienst absolvieren wollten, auch dem Katastrophenschutz anschließen konnten. "Die sind dann einige Jahre bei uns geblieben, und viele sind auch bis heute dabei", so Steinkamp. "Ich denke auch, dass veränderte Arbeitszeiten eine Rolle spielen. Die Leute sind flexibler als früher und wollen ihre Freizeit lieber zur Entspannung nutzen. Das ist aber in allen ehrenamtlichen Bereichen so."

Was die Feuerwehr interessant mache, sei neben der abwechslungsreichen Arbeit auch das Vereinsleben: "Die Feuerwehr ist zwar an die Stadt gebunden, die Struktur ist aber ähnlich wie in einem Verein", sagt Steinkamp. Es gebe zahlreiche vielseitige und kurzweilige Aktionen rund um die Brandbekämpfung.

"Wir haben beispielsweise auch mal Brandsicherung im Stadion des MSV betrieben und standen während eines Spiels direkt am Spielfeld", sagt er.

Geld erhalten die Freiwilligen zwar nicht, es gibt jedoch Vergünstigungen beim Besuch von Freizeiteinrichtungen. Und: "Es entstehen auch viele neue Freundschaften." Die Feuerwehren in Bissingheim und Buchholz gliedern sich in die Löschgruppen 701 für Buchholz, Wanheim, Wanheimerort und Angerhausen sowie 702 für Bissingheim und Wedau. Im Einsatzfall rücken diese beiden jeweils von ihren verschiedenen Standorten als Löschzug 710 aus und bilden an der Einsatzstelle eine Einheit. Zusammen haben sie 47 Mitglieder. Die Feuerwehr in Huckingen, die auch nach Großenbaum, Rahm und Hüttenheim ausrückt, hat 32 freiwillige Mitglieder in der Einsatzabteilung.

Ein Löschfahrzeug benötigt im ehrenamtlichen Bereich neun qualifizierte Mitglieder, um in Mindeststärke mit sechs erforderlichen Funktionen ausrücken zu können, erläutert Björn Gehre von der Feuerwehr Duisburg. Das sind fünf Freiwillige pro Funktion. "Die Zahlen erscheinen daher zunächst ausreichend hoch. Bedenkt man jedoch, dass statistisch gesehen je vier von fünf Mitgliedern aufgrund beruflicher oder sonstiger Verpflichtungen nicht verfügbar sein können, relativiert sich diese Zahl."

Im vergangenen Jahr seien bei beiden Löschzügen zusammen acht Interessenten dazugestoßen. Allerdings seien auch ebenso viele Mitglieder aus altersbedingten oder persönlichen Gründen aus dem Dienst ausgeschieden. Auch Gehre führt den Wegfall der Wehrpflicht und die Vereinbarkeit von Firma, Familie und Feuerwehr als Gründe für die dünne Besetzung in den Gerätehäusern an. "Unter Betrachtung des demografischen Wandels und immer weiter steigender Ansprüche an das System Feuerwehr und damit auch an das Ehrenamt ist heute akutes Handeln erforderlich, um freiwillige Arbeit zu stärken", sagt Gehre.

Aufgrund dessen könne nicht von akuten Nachwuchssorgen gesprochen werden, mit Ausblick auf die Zukunft jedoch durchaus. "Viele Duisburger sind sich nicht darüber bewusst, dass Berufs- und freiwillige Feuerwehr gleichermaßen ihre öffentliche Feuerwehr bilden und diese nur im Zusammenspiel angemessen leistungsfähig sein kann."

Für nahezu jeden, der Feuerwehr ehrenamtlich zu seiner Berufung gemacht habe, stelle das Ehrenamt ein lebensbegleitendes Hobby mit hoher Attraktivität dar. "Um dies nachhaltig zu fördern und um Nachwuchs zu gewinnen, ist es wichtig, die entsprechenden Rahmenbedingungen, wie Ausstattung und Technik, Arbeitssicherheit und angemessene Unterkünfte der Einheiten, kontinuierlich zu verbessern."

Quelle: RP
 
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