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Duisburg
Freuen und trinken - eine Zeitreise ins alte Griechenland

Duisburg. Das Kultur- und Stadthistorische Museum zeigt bis Januar eine Ausstellung über das antike Symposion. Von Peter Klucken

Unter einem "Symposium" versteht man heute üblicherweise eine höchst seriöse wissenschaftliche Tagung, die meist in einer Universität stattfindet. Das antike "Symposion" verlief anders und war durchaus nicht immer das, was man jetzt als "seriös" bezeichnen würde. Was ein "Symposion" im alten Griechenland war, kann man in der Ausstellung im Kultur- und Stadthistorischen Museum nachvollziehen, die den menschenfreundlichen Titel trägt: "Freue dich und trinke wohl!", übrigens die Übersetzung einer Inschrift auf einer altgriechischen Trinkschale. Die Idee zur Ausstellung hatte Dr. Andrea Gropp, die Betreuerin der Sammlung Köhler-Osbahr, die sich seit 25 Jahren im Kultur- und Stadthistorischen Museum befindet. Zusammen mit Dr. Yvonne Gönster von der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck hat sie die Ausstellung konzipiert. Der Großteil der Ausstellungsstücke stammt aus der Sammlung Köhler-Osbahr. Hinzu kommen Leihgaben aus Münster, Düsseldorf, Bochum und München. Ergänzt werden die Exponate mit Abbildungen und vor allem mit Schrifttafeln, die in die altgriechische Welt einführen.

Vermutlich werden viele Ausstellungsbesucher an Platons "Symposion" und die darin in Dialogform beschriebene Philosophie denken. Das ist zwar nicht falsch, doch belehrt die Ausstellung darüber, dass ein "Symposion" zum Alltag im antiken Griechenland gehörte - allerdings vorzugsweise zum Alltag von wohlhabenden Männern. Frauen waren als Gäste bei einem Symposion nicht zugelassen, sondern nur als bezahlte "Hetären". In der Begleitbroschüre heißt es: "Der Begriff Hetäre, der übersetzt ,Gefährtin' bedeutet, wurde im Gegensatz zur rechtlosen Straßendirne für gebildete Damen gebraucht, die zwar auch ihre Dienste gegen Geld anboten, aber nicht ausschließlich der sexuellen Befriedigung dienten." Auf vielen Abbildungen sieht man beispielsweise musizierende Hetären. Das Flirten gehörte genauso zum Symposion wie das Spielen und Trinken. Kein Geringerer als Platon gab Empfehlungen zum Alkoholgenuss: Bis zum 18. Lebensjahr sollte niemand Wein trinken. Bis zum 30. Lebensjahr sollte der junge Mann nur in Maßen trinken, und erst im gesetzten Alter sollte er es sich in Gemeinschaft mit anderen wohl sein lassen...

Für die herrschende Klasse im alten Griechenland waren Symposien gute Gelegenheiten, Politik zu treiben oder - wie man heute sagt - gesellschaftliche Netzwerke zu flechten. Auf den Texttafeln ist viel über diese Hintergründe zu lesen. Die Schau ist darüber hinaus reich an Blickfängen, darunter eine besonders prachtvolle Amphore. Die Ausstellungsmacher sind auch einfallsreich: Die Figur einer tanzenden Hetäre ist beispielsweise auf eine Drehscheibe gesetzt worden. Ein netter Einfall ist, einen "Andron" nachzubilden; so nennt man den Gastraum für ein Symposion. Und an einer Hörstation werden Teile aus Platons "Symposion" gelesen: auf Deutsch und Altgriechisch.

Die Ausstellung wird morgen um 11 Uhr eröffnet und kann bis zum 15. Januar 2017 besichtigt werden. Die Broschüre zur Schau kostet fünf Euro.

Quelle: RP
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