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Duisburg
Fünf Jahre bis zur neuen Brücke

Duisburg: Fünf Jahre bis zur neuen Brücke
2017 wurde die Brücke aufgrund von Materialschwäche (Fotos links) geschlossen. FOTO: KDI/Stadt Moers
Duisburg. Der Moerser Bürgermeister Christoph Fleischhauer erläuterte gestern in der Bezirksregierung Rheinhausen, dass auch Planung und Bau einer Behelfsbrücke mehrere Jahre dauern würden. Von Josef Pogorzalek

Als Überbringer schlechter Nachrichten war gestern Bürgermeister Christoph Fleischhauer in die Bezirksvertretung Rheinhausen gekommen: Er musste die Hoffnung vieler auf einen schnellen Notbehelf für die seit Sommer 2017 gesperrte Brücke An der Cölve enttäuschen. Die Deutsche Bahn habe der Stadt Moers mitgeteilt, dass ein Antrag auf Stilllegung des Bahnverkehrs bis zum 28. Februar eines Jahres vorgelegt werden müssen. Dem Antrag seien exakte Darstellungen der geplanten Baumaßnahmen und ihrer Dauer hinzuzufügen. Selbst wenn die erforderlichen Unterlagen bis Ende nächsten Monats vorgelegt werden könnten (was nicht der Fall ist) - eine schnelle Lösung für die unterbrochene Verkehrsverbindung zwischen Schwafheim und dem Rheinhauser Ortsteil Bergheim wäre damit nicht in Sicht. Denn, so der Bürgermeister: Anschließend brauche die Bahn nach eigenen Angaben drei Jahre Zeit, um die Sperrung und die Umleitungsmaßnahmen zu planen und zu veranlassen.

Fleischhauer stellte den Rheinhauser Bezirksvertretern und Ratsmitgliedern zusammen mit Enni-Vorstand Lutz Hormes den aktuellen Sachstand zur Cölve-Brücke dar. Der Bürgermeister wagte sich sozusagen in die Höhle der Löwen, denn die Rheinhauser Politik kritisiert seit vielen Jahren immer wieder, dass die Stadt Moers die Brücke vernachlässige. Fleischhauer versicherte, die Moerser hätten sich nicht darum gerissen, Eigentümer der Brücke zu werden. "Wir sind von dem Geschenk überrascht worden, als die Deutsche Bahn an die Börse gegangen ist." Er gab zu, dass die Brücke als Verkehrsverbindung aus Moerser Sicht vergleichsweise unbedeutend sei. Sie habe deshalb lange Zeit "nicht im primären Fokus" gestanden. Der Bürgermeister betonte jedoch, dass jetzt Moers und Duisburg an einem Strang zögen, um die Verkehrsanbindung wiederherzustellen: "Je schneller, desto besser."

Lutz Hormes berichtete von der Machbarkeitsstudie, mit der die Enni einen Gutachter beauftragt hat. Er solle drei Varianten für eine Behelfsbrücke untersuchen. Er könne allerdings nicht zusichern, dass die Studie, wie ursprünglich angekündigt, bis Ende März vorliegt.

FOTO: Stadt Moers

Die Brücke wurde gesperrt, weil die in die Jahre gekommene Stahlkonstruktion schwächelt. 2014 hatte die Stadt Moers Stahlträger ertüchtigen lassen. Dieses "Flickwerk" hielt aber nicht so lange wie gewünscht. Eine erneute Ertüchtigung sei nicht mehr möglich, sagte Lutz Hormes.

Was die Sperrung für Kaufleute und Bürger Bergheims bedeutet, stellte vor der Sitzung Doris Göbel, Sprecherin der Interessengemeinschaft Cölve-Brücke, dar. Sie sprach von einer "gekappten Hauptschlagader" und von 25 bis 40 Prozent Umsatzeinbußen der Geschäfte. Autofahrer, die sich nicht an Umleitungen hielten, irrten durch Wohngebiete, der Friedhof Trompet sei schlecht zu erreichen - "ein soziales Chaos". Die Betroffenen haben bisher darauf gehofft, dass eine Behelfsbrücke in kurzer Zeit zu realisieren sei. Eine neue "richtige" Brücke, so hieß es zuletzt, brauche mindestens fünf Jahre Zeit. Viel zu lange, so Doris Göbel: "Fünf Jahre plus X - dann existieren wir nicht mehr."

Nach dem Willen der Rheinhauser soll eine Kommission aus Duisburger und Moerser Vertretern gebildet werden, die die weiteren Planungen zum Ersatz der Cölve-Brücke begleitet. Bürgermeister Fleischhauer begrüßte die Idee, wollte aber einer Entscheidung seitens der Moerser Politik nicht vorgreifen. Zudem warnte Fleischhauer vor allzu großen Erwartungen an die Kommission. Die Rheinhauser Fraktionen sprachen sich zudem für eine Abtretung der Brücke von Moers an Duisburg aus - eine Idee, über die sich die SPD-Fraktion Moers bereits positiv geäußert hat.

Einig waren sich gestern alle, dass Wege gesucht werden müssen, das Verfahren zum Bau einer neuen Cölve-Brücke oder einer Behelfsbrücke zu beschleunigen. Der Rheinhauser Ratsherr Karsten Vüllings, ein Mann klarer Worte, rief dazu auf, der Deutschen Bahn gemeinsam "in den Hintern zu treten".

Quelle: RP
 
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