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Duisburg
Für das ganze Leben gezeichnet

Duisburg: Für das ganze Leben gezeichnet
Dr. Axel Feldkamp (links) und Dr. Raouf Onallah mit dem kleinen Silvio (7). FOTO: Andreas Probst
Duisburg. Die Sana-Kliniken haben sich auf Verbrennungen spezialisiert und behandeln viele Patienten aus der Region. Zu ihnen gehört auch der siebenjährige Silvio, der von einer Hilfsorganisation aus Angola eingeflogen wurde. Von Jan Luhrenberg

Alleine im Zentrum für brandverletzte Kinder der Sana Kliniken und der Unfallklinik in der Nähe sind in diesem Jahr rund 100 schwer verletzte Patienten behandelt worden. Mehr als zwei Drittel davon waren unter drei Jahre alt. Der heutige bundesweite Tag des brandverletzten Kindes soll über die Gefahren aufklären und auf die schlimmen Folgen einer Verbrennung hinweisen.

Silvio ist einer der Verbrennungspatienten, die in den Sana-Kliniken betreut werden. Er ist sieben Jahre alt und kommt aus Angola. Seine Behandlung in einem deutschen Krankenhaus hat die Organisation Friedensdorf ermöglicht, die Silvio und viele weitere Kinder aus Krisengebieten nach Deutschland geflogen hat.

"In seinem Heimatland hätten seine Verletzungen sein Todesurteil bedeutet", erklärt Dr. Axel Feldkamp, Leitender Oberarzt für Kinder- und Jugendmedizin in den Sana-Kliniken. "Angola besitzt nicht die nötigen medizinischen Mittel für eine Hauttransplantation. Zudem bestehe dort generell eine höhere Gefahr, dass sich die Wunden infizieren." Seit seiner Ankunft in Deutschland im Mai dieses Jahres ist der kleine Junge von seiner Familie getrennt. Drei Monate davon lang lag er auf der Kinderstation im Klinikum.

Insgesamt waren acht Operationen nötig, jede von ihnen dauerte mehrere Stunden. Am gesamten Oberkörper und am Arm musste Haut transplantiert werden, da Verbrennungen zweiten und dritten Grades festgestellt worden waren. Die Verletzungen hatte Silvio acht Monate vor seiner Reise nach Duisburg in seiner Heimat an einem offenen Feuer erlitten. "Schon in Angola ist Silvio in einem Krankenhaus behandelt worden", sagt Maria Tinnefeld, Mitarbeiterin von Friedensdorf. "Doch in Absprache mit seinem Arzt haben wir uns entschieden, ihn nach Deutschland zu bringen."

Die Kooperation zwischen den Sana-Kliniken und der Hilfsorganisation besteht schon seit über 25 Jahren. Die Behandlung der Kinder - in diesem Jahr sind drei in die Sana-Kliniken gekommen - kostet im Normalfall rund 50.000 Euro, die Klinik verzichtete aber auf das Geld. "Unser Lohn ist, zu sehen, wie die jungen Menschen Fortschritte machen", erklärt Dr. Raouf Onallah, der sich auf Brandverletzungen spezialisiert hat. "Die Patienten sind nach der Behandlung kaum wiederzuerkennen, auch nicht für die eigenen Eltern." Silvio hat sich seine Haut an einem offenen Feuer verbrannt. "Das ist in Afrika keine Seltenheit", sagt Dr. Feldkamp. Offene Feuerstellen, Kerosinkocher und Kerzen als Ersatz für Beleuchtung mit Strom bieten reichlich Gefahren für kleine Kinder.

Doch auch im Industrieland Deutschland sind viele Kinder betroffen: Jedes Jahr werden über 30.000 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren behandelt. Ursachen dafür sind vor allem der Kontakt mit heißen Flüssigkeiten sowie Öfen oder Herdplatten.

In Deutschland ist eine nötige Hauttransplantation aber nicht so ein komplexer Eingriff, wie es in Silvios Heimat Angola der Fall ist. Nach Hause kann der Siebenjährige voraussichtlich im Mai des kommenden Jahres. Dann startet das nächste Charterflugzeug nach Angola.

Viele Fälle würden sich vermeiden lassen, wenn den Eltern bewusst wäre, welche Gefahr von Feuer und ähnlichem - vor allem für junge Menschen - ausgeht, so Dr. Feldkamp. Denn bereits ab kleineren Verbrühungen besteht bei Säuglingen und Kleinkindern schnell Lebensgefahr.

Mehr zum Tag des brandverletzten Kindes finden Sie unter www.tag-des-brandverletzten-kindes.de. Das Friedensdorf informiert über alle Tätigkeiten unter www.friedensdorf.de/Willkommen.html.

Quelle: RP
 
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