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Duisburg
Gebrauchsanweisung für das Reich der Mitte

Duisburg. Ostasienwissenschaftler Thomas Heberer war mit seinem Buch zu Gast in der Stadtbibliothek. Von Alfons Winterseel

Eigentlich hätte der Vortragsraum in der Stadtbibliothek bis auf den letzten Platz gefüllt sein müssen. Nicht nur mit Freunden der Literatur, sondern auch mit Vertretern von Unternehmen, die Geschäfte mit China machen. Zu Gast war Prof. Dr. Thomas Heberer, der trotz stark angegriffener Stimme einen Vortrag über ein Buch hielt, das zwar keine Gebrauchsanweisung im Umgang mit Menschen aus dem Reich der Mitte ist, aber zum besseren Verständnis Chinas, seiner Kultur und seiner Menschen beitragen kann.

Heberer ist Ostasienwissenschaftler und hat ein Buch neu herausgegeben, das in den 1930er Jahren von Yutang Lin unter dem Titel "Mein Land und mein Volk" verfasst wurde. Und über das die Literatur-Nobelpreisträgerin Pearl S. Buck, die Lin freundschaftlich verbunden war, sagte, dass es eines der bedeutendsten Bücher über das Leben und Denken der Chinesen sei, das bis dahin geschrieben worden war.

Herausgeber Heberer hat das Buch mit vielen Fußnoten versehen, um Namen und Zusammenhänge zu erklären. Und um dem Ansinnen von Yutang Lin Rechnung zu tragen, ein Buch "nicht für Wissenschaftler, sondern für Leser, die einfach und praktisch denken können" zu schreiben.

Es klärt auf 400 Seiten über die chinesische Heterogenität auf, über Unterschiede von Nord- und Süd-Chinesen, warum die Herrscher meist Nord-Chinesen waren und die Süd-Chinesen weltoffener. Und dass gerade diese Heterogenität es so schwer macht, Chinesen zu verstehen. Der Autor hat schon damals erklärt, warum Chinesen hinnehmen können, Steuern für 30 Jahre im Voraus zu bezahlen und nur in den eigenen vier Wänden darüber grummeln. Oder warum ein Kind ertrinkt, obwohl genug andere es hätten retten können.

Lebensideale und Religion spielen in dem Buch ebenfalls ein Rolle: "Den Konfuzianismus als einheitliches Ideengebäude gibt es in China nicht", so Heberer. Im Lauf der Zeit habe es große Veränderungen gegeben. Aus dem Buch zitiert er einen humorvollen Yutang Lin: Chinesen seien Konfuzianer, wenn es ihnen gut gehe, Daoisten, wenn es ihnen schlecht gehe, und Buddhisten angesichts des Todes.

In dem neu herausgegebenen Buch diskutiert Heberer die aktuelle Relevanz des Bildes, welches der chinesische Autor über die Kultur Chinas damals zeichnete, für das heutige Verständnis des modernen Chinas. Eine Lektüre nicht nur für rein wirtschaftlich interessierte China-Reisende, sonder auch für Leser, die ihren Horizont erweitern wollen.

Quelle: RP
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