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Rp-Serie Duisburger Geschichte Und Geschichten
Gefährliche arktische Träume

Rp-Serie Duisburger Geschichte Und Geschichten: Gefährliche arktische Träume
Gerhard Mercators Polarkarte von 1569 prägte die Vorstellung von einer Nordpassage. FOTO: Stadthistorisches Museum
Duisburg. Mercators Polarkarte war wegweisend bei der gefährlichen Suche nach der Nordwest-Passage. Der Klimawandel führt dazu, dass die Seewege im hohen Norden bald eisfrei sind. Heute lockt die Arktis Kreuzfahrttouristen. Von Harald Küst

Duisburger Reisebüros bieten ungewöhnliche Kreuzfahrten an: Das Eis in der Arktis ist so stark geschmolzen, dass inzwischen sogar Kreuzfahrtschiffe die legendäre Nordwest-Passage befahren können. Dieser Seeweg führt über das Nordpolarmeer durch den kanadisch-arktischen Archipel. Was viele Touristen nicht wissen: Mercators Polarkarte bewies sich als wegweisend für die abenteuerlichen Reisen ins Eismeer. Die Vision einer verkürzten Seeverbindung zwischen Europa und Asien entstand vor 450 Jahren.

Die Polarkarte von 1569 befeuerte die Vorstellung einer Nordpassage, in östlicher wie auch in westlicher Richtung. Mercator standen nur wenige Vermessungsdaten zur Verfügung. Vieles war spekulativ. Der Duisburger Kartograph stützte sich auf die von Jacobus Cnoyen zusammengefassten historischen Reiseberichte eines Franziskanermönchs und Angaben seines Lehrers Gemma Frisius. Der hatte bereits darauf hingewiesen, dass die beiden Kontinente Amerika und Asien durch die "Arktische Straße" getrennt waren. Denn strittig war zu dieser Zeit noch, ob Amerika und Asien überhaupt voneinander getrennt seien. Viele Gelehrte, Kartografen und auch Kaiser Karl V. glaubten an eine zusammenhängende Landmasse.

Dr. John Dee, ein Studienfreund Gerhard Mercators, war von der Polarkarte begeistert. Die kürzere Schiffspassage nach Asien faszinierte den britischen Universalgelehrten. Historisch begründete Gebietsansprüche Englands führte Dee bis ins 13. Jahrhundert zurück. Als Berater der Königin Elisabeth I. hatte er die Vision vom British Empire entwickelt. Der Handel mit Gewürzen versprach phantastische Gewinnspannen. Ein Pfund Safran war so viel Wert wie ein Pferd und Pfefferkörner wurden in Gold aufgewogen.

Eismeer: Der Lancaster-Sund nach einem Stich in romantischer Ansicht, entstanden um 1830. FOTO: Kultur- und Stadthistorisches Museum

Portugieser und Spanier kontrollierten damals die Seewege und den Handel mit Südamerika und Asien. Die Engländer nahmen im 16. Jahrhundert den Norden in den Blick. Doch die Suche nach der Nordwest-Passage wurde über Jahrhunderte eine Geschichte des Scheiterns. John Dees arktische Träume zerschellten im ewigen Eis. Immer wieder versuchten Wagemutige in die Kälte, Finsternis und völlige Ungewissheit vorzudringen.

Der englische Seefahrer Martin Frobisher unternahm zwischen 1576 und 1578 drei Reisen mit dem ausdrücklichen Ziel, die Nordwestpassage zu finden. Erfolglos. Dennoch haben insbesondere die Briten später nie die Idee aufgegeben, diesen Seeweg zu entdecken. Tragische Berühmtheit erlangte Kapitän Sir John Franklin. 1845 wurden zwei Schiffe mit 129 Mann Besatzung im Eis eingeschlossen. Keiner der Männer überlebte. Erst 60 Jahre später gelang es dem wagemutigen Norweger Roald Amundsen (1903/4) die seemännische NW-Route erfolgreich zu durchqueren.

Aktuelle Satellitenaufnahmen zeigen, dass die Nordwest-Passagen in der kanadischen Arktis heute nahezu eisfrei sind. Früher machte das Meereis die Passage für Transportschiffe unpassierbar. Der Klimawandel mit extremer Eisschmelze macht es heute möglich. Der abkürzende Seeweg zwischen Atlantik und Pazifik bleibt auch im 21. jahrhundert ein Objekt der Begierde. Nicht nur für die Handelsschifffahrt. Im Spätsommer bieten inzwischen sogar Kreuzfahrtschiffe Touristen die Möglichkeit, auf den Spuren der Polarforscher zu reisen. Der ökologische Fußabdruck, den wir in der Arktis hinterlassen, wird dagegen weniger beachtet.

Quelle: Schiffe im Eismeer: Gerhard Mercator und die moderne Arktisforschung, Kultur-und Stadthistorisches Museum.

Quelle: RP
 
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