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Duisburg
Gekämpft, vertrieben, verschollen
Duisburg. In der Liebfrauenkirche wird am Sonntag, 11 Uhr, eine Ausstellung mit Werken des Duisburger Künstlers Heinz Kiwitz (1910–1938) eröffnet, der ein Widersacher der Nazis war und vermutlich im Kampf gegen Francos Armeen gefallen ist. Kiwitz' Schwester kommt zur Eröffnung.

Anlässlich des 100. Geburtstags des Duisburger Künstlers Heinz Kiwitz präsentiert die Stiftung Brennender Dornbusch die Ausstellung "HEINZ KIWITZ – gekämpft – vertrieben – verschollen" in der Liebfrauenkirche Duisburg-Mitte. Sie zeigt Holz- und Linolschnitte aus verschiedenen Schaffensphasen des Künstlers und präsentiert sein expressives Werk zwischen politischer Agitation und innerer Emigration.

Zur Ausstellungseröffnung am Sonntag, 7. November, um 11 Uhr, lädt die Stiftung Brennender Dornbusch in die Oberkirche der Liebfrauenkirche Duisburg-Mitte, König-Heinrich-Platz 3, ein. Die Einführung in die Ausstellung hält der Kunsthistoriker Dr. Siegfried Gnichwitz. Die Schwester des Künstlers, Trudel Siepmann, geborene Kiwitz, und Leihgeberin der ausgestellten Werke, wird anwesend sein.

Heinz Kiwitz wurde 1910 in Duisburg-Ruhrort geboren, besuchte dort die Mercator-Schule und studierte nach dem Abitur von 1928 bis 1831 an der Folkwangschule in Essen. Nach dem Studium ging er nach Köln und Berlin und widmete sich dem politischen Kampf gegen den heranziehenden Nationalsozialismus, indem er agitatorische Holzschnitte gestaltete, die in sozialistischen Publikationen veröffentlicht wurden. Sein Atelier wurde nach der Machtergreifung Hitlers von einem Schlägertrupp der SA verwüstet. Er selbst wurde im Sommer 1933 verhaftet und ins Konzentrationslager Kemna gebracht und später in das Lager Börgermoor bei Papenburg verlegt. Nach seiner Entlassung im Juni 1934 versuchte Kiwitz als Künstler zu überleben, auch mit unpolitischen Arbeiten. Wieder in Berlin fand er 1935 die Unterstützung des Verlegers Ernst Rowohlt, der ihn die Buchumschläge der ersten in Deutschland erscheinenden Romane von Faulkner entwerfen lässt. 1935 erscheint im Rowohlt-Verlag Hans Falladas "Märchen vom Stadtschreiber, der aufs Land flog", das Heinz Kiwitz illustrierte. Er entwickelte – unabhängig vom Text Falladas – eine eigene Bildergeschichte des Bauernburschen Enaks, der bei Fallada nur eine kleine Nebenrolle einnimmt. In kurzer Folge entstehen danach Illustrationen zu Georg Büchners "Woyzeck" und "Leonce und Lena", zu Grabbes "Don Juan und Faust" und zu Mörikes "Die Historie von der schönen Lau". Zusätzlich gestaltet er Einzelblätter und die Serie "Menschen und Tiere". Im Januar 1937 emigrierte Heinz Kiwitz auf Vermittlung des Verlegers Ernst Rowohlt nach Kopenhagen. Da seine Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängert wird, reiste er nach drei Monaten nach Paris und nahm dort den Kampf gegen den Faschismus wieder auf.

Wollte kein Lob in brauner Presse

Heinz Kiwitz war ein erklärter Gegner des Nationalsozialismus'. In einem offenen Brief in der "Pariser Tageszeitung" vom 27. August 1937 verwahrte er sich dagegen, in Deutschland ausgestellt und in der "braunen" Presse gelobt zu werden, da seine Holzschnitte gegen seinen Willen in einer Berliner Ausstellung gezeigt worden waren. Er ging nach Spanien, um gegen Francos Armeen zu kämpfen. Dort verliert sich seine Spur. In der Schlacht am Ebro 1938 wird er vermisst, vermutlich ist der 28-Jährige dort gefallen.

Die Ausstellung kann bis zum 5. Dezember in der Liebfrauenkirche, König-Heinrich-Platz (gegenüber dem Stadttheater), besichtigt werden.

Quelle: RP
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