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Gelsenkirchen/Duisburg
Großrazzia gegen Familienclan in Duisburg

Juni 2015: Razzien in Duisburg
Juni 2015: Razzien in Duisburg FOTO: Christoph Reichwein
Gelsenkirchen/Duisburg. Mit immer größerer Brutalität gehen Mitglieder libanesischer und arabischer Großfamilien auf Polizisten los. In Gelsenkirchen wurde nach Informationen unserer Redaktion am Wochenende nun ein Polizist bei einer Verkehrskontrolle von einem 15-Jährigen angegriffen und dienstunfähig gewürgt. Der Polizist soll dabei Prellungen und Quetschungen erlitten haben. Von Christian Schwerdtfeger

Zu der Attacke war es offenbar gekommen, nachdem eine zweiköpfige Streifenwagenbesatzung in einem Gelsenkirchener Problemviertel einen Mann wegen eines Verkehrsverstoßes gestoppt hatte und gerade festnehmen wollte. Während der Festnahme sollen die zwei Beamten von rund 50 Mitgliedern einer Großfamilie umzingelt worden sein, die plötzlich aus den Seitenstraßen auftauchten. Sie versuchten offenbar, die Beamten einzuschüchtern, damit diese von der Festnahme absahen. Als sie das nicht taten, soll der 15-Jährige den Polizisten von hinten angegriffen und gewürgt haben. Erst mit der gerufenen Verstärkung konnte die Polizei die Lage wieder unter Kontrolle bringen und den jugendlichen Angreifer festnehmen.

Immer häufiger kommt es zu solchen Übergriffen von libanesischen Clans auf Polizisten. In fast allen Ruhrgebietsstädten breiten sich derzeit diese Großfamilien aus. Besonders betroffen sind Duisburg, Essen, Mülheim, Dortmund und Gelsenkirchen. Dort reklamieren die Clans ganze Stadtteile für sich - außerhalb jeglicher Rechtsnorm. "Sie akzeptieren die Polizei nicht als Ordnungsmacht", sagte Wolfgang Spies, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in NRW.

Im Kampf gegen die Familienclans erhält die Polizei in Duisburg seit Wochen Unterstützung von Kräften der Einsatzhundertschaft. Mit einem Großaufgebot führte die Polizei am Wochenende Razzien in Duisburg-Marxloh durch. Dabei wurden mehrere Personen vorläufig festgenommen. Auch eine Schusswaffe wurde dabei sichergestellt. Marxloh gilt als Hochburg krimineller Banden in Duisburg. Mehrfach wurden dort schon Polizisten attackiert. Von einer "No-go-Area", also einem Viertel, in den sich die Polizei nicht hereintraut, will man im Duisburger Polizeipräsidium nichts wissen. "Es gibt bei uns keine rechtsfreien Räume", sagte ein Polizeisprecher.

Trotz der wachsenden Bedrohung durch libanesische Großfamilien gibt es nach Informationen unserer Zeitung in NRW kein einheitliches Lagebild über die Familienclans. Stattdessen verfügten nur die betroffenen Polizeibehörden über eine entsprechende Übersicht der Clanaktivitäten in ihrer Stadt. "Dabei wäre ein landesweites Lagebild zwingend notwendig, um die städteübergreifenden Familienstrukturen besser verstehen zu können", so ein Insider.

Quelle: RP
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