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Duisburg
Gelungene Premiere vor vollem Haus

Duisburg: Gelungene Premiere vor vollem Haus
Werner Zapp (l.) und Rainiero Spahn (r.) plauderten bei ihrer Premierenveranstaltung in der gut besuchten Buchholzer Bezirksbibliothek mit der Duisburger Autorin Sigrid Kruse und ihrem schriftstellerischen Kollegen Peter Borjans-Heuser. FOTO: andreas probst
Duisburg. Raniero Spahn und Werner Zapp moderierten den ersten "Buchholzer Autorenplausch" in der Buchholzer Bezirksbibliothek. Sigrid Kruse las autobiografisch-inspirierte Prosa und Lyrik, Peter Borjans-Heuser Heiteres. Von Volker Poley

Raniero Spahn und Werner Zapp waren selbst gespannt, wie der erste "Buchholzer Autorenplausch" in der Bezirksbibliothek vom literaturinteressierten Publikum angenommen würde. Mit dieser "mal ganz anderen Lesung" hatten die beiden Duisburger Autoren eine Idee von Bibliotheksleiterin Özlem Yalinci aufgegriffen, die die Lesungen, die ansonsten "von Fall zu Fall" in der Bezirksbücherei am Sittardsberg stattfinden, in einen "festen Rahmen" eingebettet sehen wollte. Eine gewisse Anspannung vor dem "ersten Mal" war den Gastgebern schon anzumerken, aber auch die Freude, die beiden Gastautoren Sigrid Kruse und Peter Borjans-Heuser vor "voll besetztem Haus" begrüßen zu können.

Die Literatur-Freunde des Duisburger Südens hatten Raniero Spahn und Werner Zapp, wie erhofft, "nicht im Stich gelassen". Spahn begrüßte die zahlreichen Besucher zur "ersten Premiere" des Autorenplausches und hatte damit ungewollt für das erste Schmunzeln an diesem Abend gesorgt. Verena Merder sorgte mit ihrem Piano-Spiel und ihren Songs für eine stimmungsvolle Bereicherung des literarischen Plauder-Abends; die Mischung aus Gesprächen, Lesung und Musik "passte" einfach und somit stand einem vergnüglichen und interessanten Abend nichts mehr im Wege.

Raniero Spahn stellte Sigrid Kruse als die "große Dame der Duisburger Literatur" vor. Die ausgebildete Diplom-Bibliothekarin, die u.a. 1984 den "Lyrikpreis Kultur in NRW" erhielt, ließ die Besucher wissen, dass sie ihr erstes Gedicht bereits vor ihrem Abitur geschrieben habe. "Ich habe es nie zu einem Roman gebracht, dafür fehlt mir einfach der lange Atem", erklärte Sigrid Kruse. Ihr schriftstellerisches Schaffen ist auf das Verfassen von Gedichten und Erzählungen fokussiert. Die Themen haben immer mit dem eigenen Leben und dem Erlebten aus dem engeren Bekanntenkreis zu tun, erläuterte die gebürtige Berlinerin. Sigrid Kruse erklärte, dass ihre Gedichte vielleicht nicht immer auf den ersten Blick verständlich seien, aber das sei halt wie bei einer Steuererklärung, die sich einem ja auch erst nach einem "intensiven Befassen" erschließt. Viel Platz in ihren Werken nimmt die Alzheimer-Erkrankung ihres Vaters ein. Kruse las aus dem Text "Kopfzerbrechen" vor, der die Ausprägungen dieser schleichend schlimmer werdenden Krankheit, die sie selbst lange Zeit begleitet hat, in beeindruckender Weise schildert.

Ex-Schuldirektor Peter Borjans-Heuser war dann eher für den heiter-satirischen Teil des Abends zuständig. Verschmitzt gab der promovierte Sprach- und Literaturwissenschaftler und ehemalige Gründungsdirektor der Gesamtschule "Globus am Dellplatz" zum Besten, dass er im Gymnasium "zweimal sitzen geblieben" und deshalb ein "großer Freund der Gesamtschule" sei. Dass seine Erzählung "Dr. Stroh" autobiografisch sei, wies er schmunzelnd "weit von sich". Der "angeborene Zeigefinger" des dort beschriebenen Deutschlehrers "sei ihm völlig fremd", erklärte er ironisch "empört".

In diesem Stil ging es vergnüglich weiter, auch als er den doppeldeutigen Titel eines seiner ersten Werke "Schiff im Wasser im Schiff" mit dem Erwerb des ersten Segelbootes ("da haben die uns einen löchrigen Eimer als Boot verkauft") erklärte. Maritim und heiter ging's mit dem mit dem Gedicht "Ankerwache", das von dem tapfer Wache haltenden Olaf erzählte und das Publikum praktisch zum Mitmachen durch die Wiederholung des immer wiederkehrenden Reimes "alle schliefen, Olaf nicht" animierte. Auch die Beschreibung des an Beleuchtung sparenden Seglers Dieter ("Am Steuer seiner Segelyacht, gleitet Dieter durch die Nacht") konnte natürlich nur ein komisch-böses Ende finden.

Besucher Heinz Jerschewski, selbst Vorlese-Pate in der Buchholzer Bibliothek, war jedenfalls sehr angetan vom ersten "Autorenplausch": "Das war echt Klasse, prima gemacht, und dazu die Musik von Verena Merder, toll". Und nach der Premiere war auch die Anspannung bei Raniero Spahn und Werner Zapp gewichen.

"Das ist schon gut gelaufen, wir sind sehr zufrieden", äußerten sich die beiden Gastgeber gleichermaßen und freuten sich auch über den großen Zuspruch. Und als Verena Merder zum Schluss mit ihrer Interpretation des Leonard Cohen – Songs "Hallelujah" noch mal für einen musikalischen Höhepunkt sorgte, wusste auch Özlem Yalinci, dass ihre Idee "nicht die schlechteste war".

(RP/rl)
 
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