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Duisburg
Gelungenes kommerzielles Neujahrskonzert

Duisburg. Das Publikum in der Mercatorhalle war zufrieden. Von Ingo Hoddick

Es ist die Zeit der Neujahrskonzerte, und in der zu zwei Dritteln gefüllten Mercatorhalle gastierte jetzt eine eher kommerzielle Variante. Nachdem die Duisburger Philharmoniker den sanierten Saal bereits im September 2016 wieder bezogen hatten, war dies nach langer Zeit das erste derartige Tournee-Gastspiel an diesem Ort. Unter der Überschrift "Die große Wiener Johann Strauß-Gala" erlebten wir junge und nicht mehr ganz junge Mitwirkende, überwiegend aus Ungarn und der Slowakei, nämlich vier Gesangs-Solisten, ein zehnköpfiges Tanzensemble sowie ein kleines, aber feines Orchester unter der Leitung von Paul Farkas.

Im Mittelpunkt standen die beliebten Walzer und Operetten von Johann Strauß Sohn (1825-1899). Was sonst in Neujahrskonzerten schon fast die Zugabe ist, damit ging es hier los, nämlich mit dem Strauß-Walzer "An der schönen blauen Donau" mit Orchester und Ballett. Da war schon zu bemerken, wie hier musiziert und getanzt wurde, nämlich ohne falsche Routine oder Sentimentalität, mit ehrlicher Freude an dieser Art von Musik, wenn auch nicht immer ganz präzise. Die Choreographien von Julia Gyulai wirkten ebenso schlicht wie treffsicher, die Regie von Erika Galamb verband Ausschnitte aus zum Teil ganz verschiedenen Werken zu einer einigermaßen sinnvollen Reihenfolge. Ein besonderer Reiz waren die passenden, ständig wechselnden Bilder auf einer Leinwand über der Bühne. Zu Strauß' Walzer "G'schichten aus dem Wienerwald" zeigten sich hier sogar Gemälde mit Ansichten eben aus dem Wienerwald von dem großen Wiener Biedermeier-Künstler Ferdinand Waldmüller. Leider versagte in der zweiten Hälfte des fast dreistündigen Abends die Technik der Mercatorhalle und die Projektion fiel aus.

Die frischeste Stimme des Abends hatte die junge slowakische Sopranistin Zuzana Ballánová: als siamesische Prinzessin mit "Im Salon zur blauen Pagode" aus der Operette "Das Land des Lächelns" von dem vor 70 Jahren gestorbenen Franz Lehár, mit "Dschingra" aus der Strauß-Operette "Der Zigeunerbaron" und nicht zuletzt herrlich gekonnt-besoffen im "Schwipslied" aus Strauß' Operette "Eine Nacht in Venedig".

So richtig mitgerissen wurde das Publikum freilich nur dreimal: beim Cancan aus der Operette "Orpheus in der Unterwelt" von Jacques Offenbach, wo die fünf Mädels hinlänglich ihre Beine schwangen, bei der Strauß-Schnellpolka "Unter Donner und Blitz", wo die Technik der Mercatorhalle Blitze zauberte und der Dirigent ein Tänzchen mit dem Regenschirm hinlegte, sowie beim abschließenden Radetzky-Marsch von Johann Strauß Vater, wo er eine Besucherin zum Dirigieren auf die Bühne geleitete.

Quelle: RP
 
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