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Duisburg
Gemeinsam leben - jeder für sich

Duisburg: Gemeinsam leben - jeder für sich
FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Ein Mehrfamilienhaus, in dem Nachbarschaft eine große Bedeutung hat, entsteht gerade an der Reitbahn. Gestern wurde der Grundstein gelegt. Von Carolin Skiba

Ein Bauprojekt der besonderen Art entsteht derzeit im Duisburger Dellviertel. Bis Ende 2017 soll dort ein Mehrfamilienhaus mit 14 Wohnungen gebaut werden - wer einzieht, steht bereits fest. Bei diesem Projekt steht die Nachbarschaft im Vordergrund. "Eine gestaltete Nachbarschaft, die aufeinander acht gibt und aufmerksam miteinander umgeht", erklärt Ulrich Varwig, der das Projekt mit seinem Verein "Gemeinsam Leben" initiiert hat. Oberbürgermeister Sören Link und Bernd Wortmeyer von der Wohnungsbaugesellschaft Gebag lobten bei der Grundsteinlegung das Projekt als zukunftsweisend.

"Co-Housing" nennt sich diese spezielle Wohnform. Sie ist mehr, als das einfache Zusammenleben unter einem Dach, aber weniger, als die klassische Wohngemeinschaft, bei der die Mitbewohner Küche und Bad teilen. Beim "Co-Housing" wohnt jeder in seiner privaten Wohnung, ist aber trotzdem nicht allein. Denn das Haus verfügt über eine Art Begegnungsraum - das Herzstück des Hauses - in dem die Bewohner zufällig oder geplant zusammenkommen, gemeinsam frühstücken oder einfach Zeit miteinander verbringen können.

Die Idee dazu entstand vor rund vier Jahren durch eine "Hand voll Leute", wie Varwig sagt, die bereits vor 30 Jahren zusammen gewohnt haben. "Damals noch in einem Dreifamilienhaus, also in kleinem Rahmen", sagt Varwig. Das Konzept habe sich bewährt, darum wollte man es wieder aufleben lassen - nur eben etwas größer. Eigens für das Projekt wurde der Verein "Gemeinsam Leben" gegründet. Was noch fehlte: ein Partner, der bereit war, das Projekt umzusetzen. Varwig: "Wir haben jeden kontaktiert, der mit Immobilien zu hat." Entstanden ist eine Kooperation mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gebag. Damit war die Beteiligung des Vereins aber noch nicht am Ende. Varwig: "Wir wurden miteinbezogen in die Planung, hatten Mitspracherecht bei der Gestaltung der Grundrisse." Einer der wichtigsten Punkte, der zu Beginn der Planungen besprochen werden musste: eine Miete, die bezahlbar ist. "Das war ganz wichtig. Da gab es auch lange Verhandlungen", sagt der 65-Jährige. Am Ende habe man einen Weg gefunden, relativ günstige Mieten sicherstellen zu können: Der Verein beteiligt sich in Form eines Mieterdarlehens an den Baukosten, bekommt das Geld also wieder zurück. Nachdem die Formalien geklärt waren, konnte im Dezember vergangenen Jahres ein Mietvertrag unterzeichnet werden. "Im Herbst hat auch die Stadt grünes Licht für den Baubeginn gegeben", sagt Varwig. Das Richtfest ist für diesen Sommer geplant und Ende nächsten Jahres, so hoffen die zukünftigen Bewohner, soll das neue Zuhause dann bezugsfertig sein.

Weil Menschen von der Planung bis zur Realisierung miteinbezogen werden, seien solche Projekte besondern wichtig, sagte Oberbürgermeister Link. Carsten Tum, Stadtentwicklungsdezernent, bezeichnete das Haus an der Reitbahn als Pilotprojekt, das sicher noch viele Nachahmer bekommen würde. Doch zunächst muss dieses erste Gemeinschaftswohnhaus mit Leben gefüllt werden. Varwig wird eine rund 90 Quadratmeter große Wohnung beziehen. Es gibt auch kleinere mit etwa 47 Quadratmetern. Die größte Wohnung hat knapp 100 Quadratmeter.

"Es kommt natürlich darauf an, ob man allein oder mit seinem Partner dort wohnt", sagt er. Um die passenden Mitbewohner zu finden, gab es eine Art Casting. Es sei wichtig, dass sich alle mögen, schließlich wolle man zukünftig eine gute Zeit zusammen verbringen. Varwig: "Es hat zahlreiche Bewerber gegeben, ein paar wenige sind hängengeblieben."

Darum sind zum jetzigen Zeitpunkt auch noch vier Wohnungen frei. Zu haben ist alles von 45 bis 90 Quadratmeter. Wer interessiert ist, soll sich gerne melden. Wichtig sei nur, dass der neue Nachbar nicht viel älter als 65 Jahre ist, denn "wir geben zwar aufeinander acht, verstehen uns aber nicht als Altersheim", sagt Varwig.

Quelle: RP
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