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Prozess in Duisburg
Geschwisterpaar wollte mit Brand die Leiche der Mutter "beseitigen"

Frau stirbt bei Feuer in Duisburg-Walsum
Frau stirbt bei Feuer in Duisburg-Walsum FOTO: WTVnews
Duisburg. Im Januar wurde in einem brennenden Haus in Duisburg-Walsum die Leiche einer Frau gefunden, die aber bereits vor dem Feuer getötet worden war. Die Polizei nahm nach längerer Suche ihre beiden Kinder fest. Seit Donnerstag stehen beide wegen Totschlags vor Gericht.  Von Bodo Malsch

Die Feuerwehr musste in der Nacht zum 29. Januar zu einem Hausbrand in Walsum ausrücken. Eine Doppelhaushälfte an der Straße An der Poeling stand in Flammen. Die Wehr konnte gerade noch verhindern, dass das Feuer auf das Nachbargebäude übergriff. In den rauchenden Trümmern lag die Leiche der 63-jährigen Bewohnerin. Sie war einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen und das Feuer Folge einer Brandstiftung. Als mutmaßliche Täter müssen sich seit gestern die beiden Kinder der Getöteten vor dem Landgericht verantworten.

Die Anklage wirft Eike S. (40) und Diana S. (38) gemeinschaftlichen Totschlag vor. Im Streit soll die 38-Jährige ihrer Mutter mehrfach mit einem Gegenstand auf den Kopf geschlagen haben. Der Angeklagte soll die Tat vollendet haben, indem er den Kopf der 63-Jährigen zwei Mal auf den Boden schlug. Dem 40-Jährigen wird zudem besonders schwere Brandstiftung vorgeworfen: Drei Tage nach der Tat soll er das Haus angezündet haben, um die Leiche und Spuren der Tat zu beseitigen.

Der Angeklagte legte zu Beginn ein Geständnis ab. Er sei bei seiner Mutter gewesen, um Sachen aus dem Haus abzuholen. Seine Schwester sei dazugestoßen. "Ich war im Garten, als ich Geschrei hörte." Als er ins Haus ging, habe die Mitangeklagte auf dem Rücken der bäuchlings am Boden liegenden Mutter gehockt und auf ihren Kopf eingeschlagen. "Ich wollte helfen, zog sie herunter. Ich habe die Mutter angehoben. Aber die hat nur so komisch die Augen verdreht. Das war alles zu viel für mich. Da habe ich sie weggestoßen."

Bruder beschuldigt seine Schwester

Er verdeutlichte das durch eine kräftige Bewegung nach unten und weinte. Eine Nacht lang will der 40-Jährige sinnlos mit dem Fahrrad umher gefahren sein. "Am Tag danach war ich noch mal da, weil ich hoffte, das sei vielleicht alles nicht wahr. Doch sie lag tot da. Ich habe sie mit Styroporplatten abgedeckt." Die Schwester habe die Idee gehabt, das Haus anzuzünden. "Ich habe einen Benzinkanister genommen, den Inhalt über die Leiche gegossen und im Haus verteilt und dann angezündet."

In der ersten Vernehmung hatte der 40-Jährige die Schuld allein auf sich genommen. Erst später beschuldigte er immer stärker seine Schwester, lieferte verschiedene Versionen ab. Für seine früheren Darstellungen hatte der Angeklagte gestern keine Erklärung. Die 38-Jährige, die die Aussage ihres Bruders mit ungläubigen Grimassen, heftigem Kopfschütteln und Weinkrämpfen begleitete, bestritt jede Beteiligung. Vom Tod der Mutter will sie erst nach dem Brand erfahren haben.

Das Motiv für die Tat ist unklar: Es soll Streit ums Erbe des Vaters gegeben haben. Der Angeklagte berichtete zudem, er sei als Kind von der Mutter misshandelt worden.

Für das Verfahren sind bis zum 28. Juli fünf weitere Verhandlungstage geplant.

Quelle: RP
 
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