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Duisburg
Gespräch so wichtig wie die Kleidung

Duisburg. In der Kleiderkammer der Gemeinde St. Dionysius in Walsum haben die Helfer auch immer ein offenes Ohr ihre Kunden. Menschen aus der Umgebung, aber auch Flüchtlinge suchen Kleidungsstücke, die zur Jahreszeit passen.

. Bis sich jeden Donnerstag um 15 Uhr die kleine Kellertür öffnet, hat sich meist schon eine kleine Schlange gebildet. Die ersten Kunden der Kleiderkammer, die in der Gemeinde St. Dionysius in Walsum eingerichtet wurde, warten oft mehr als eine Stunde darauf, den zum Verkaufsraum betreten zu können. Dort, im umfunktionierten Keller des Don-Bosco-Pfarrheims, lagern, auf einfachen Holzregalen und dicht bestückten Kleiderständer, ungezählte Pullover, Jacken, Hosen und Schuhe. Gespendet wurden sie von Menschen aus der Umgebung, gesichtet und ordentlich sortiert von den sechs Helferinnen, die dort wöchentlich ihren ehrenamtlichen Dienst tun.

Dazu kommen sie mindestens 1,5 Stunden vor der offiziellen Öffnung zum Pfarrheim der Gemeinde, erzählt Helferin Ria Eickers. Denn die Regale sollen frisch aufgefüllt sein, wenn die Kunden kommen. In zwei weiteren Räumen stehen Kisten und Säcke voller Kleidung, "Sommer" und "Winter" steht auf einigen. Schließlich sollen die Stücke zur passenden Jahreszeit an die Kunden ausgegeben werden. Von denen gibt es einen festen Stamm, der immer wieder zur Kleiderkammer kommt, um etwas Passendes zu finden. Menschen aus der Umgebung, aber auch Flüchtlinge finden den Weg in den kleinen Keller. Da läuft die Verständigung auch mal mit Händen und Füßen. "Erklären sie jemandem aus Syrien mal, wozu die große bunte Karnevals-Fliege gebraucht wird", sagt Gabi Schäfer und lacht. Auch sie hilft regelmäßig in der Kleiderkammer mit und weiß: "Am Ende versteht man sich." Überhaupt ist das Verstehen eine wichtige Aufgabe in der Einrichtung. Denn die Menschen mit Kleidung zu versorgen ist die eine Sache. Als Ansprechpartner mit einem offenen Ohr, einer ehrlichen Umarmung und wenn möglich einem guten Ratschlag zur Verfügung zu stehen, die andere. Gabi Niggemann, Vorsitzende der Caritasgruppe Herz Jesu, sagt: "Die Form der Hilfe ist nicht vordergründig". Wichtig sei es, überhaupt zu helfen, "nicht nur mit Sachspenden, manchmal helfen auch ein Gespräch oder Trost." Und es ist kaum zu glauben, dass jemand nicht zumindest einmal lächeln muss, wenn er in die Walsumer Kleiderkammer kommt. Die Laune ist bestens, ständig hört man mindestens eine der Helferinnen herzlich lachen. "Wir sind ein tolles Team", sagen die Damen einstimmig.

Wenngleich die Helferinnen manchmal dennoch den Kopf schütteln müssen. Etwa dann, wenn sich Spender darüber beschweren, dass die Kleidung nicht verschenkt, sondern verkauft wird - zu Centbeträgen, übrigens. "Die Einnahmen spenden wir für wohltätige Zwecke", betont Ria Eickers, "wir selber bekommen für unsere Arbeit selbstverständlich kein Geld. Aber auch das haben wir schon gehört, dass wir ja angeblich bezahlt werden." Ärgerlich finden es die Helfer auch, wenn jemand Kleidung abgeben möchte, aber einschränkt, dass sie nicht an ausländische Kunden verkauft werden soll.

"Das können und wollen wir nicht versprechen", sagen die Helferinnen. In der Kleiderkammer sei schließlich jeder willkommen, gleich welcher Nationalität, Hautfarbe oder Glaubensrichtung. Und immer mal wieder landen Stücke auf den Sortiertischen, die so kaputt sind, dass man sie nicht mehr weitergeben kann. Diese landen in einem Sammelcontainer und werden zur industriellen Weiterverarbeitung abgeholt.

Die Kleiderkammer im Don-Bosco-Pfarrheim, Am Nünninghof 2, in Duisburg-Walsum öffnet jeden Donnerstag von 15 bis 17 Uhr. In dieser Zeit werden auch Kleiderspenden entgegen genommen.

Für die katholische Kirche hat Papst Franziskus ein "Jahr der Barmherzigkeit" ausgerufen, das am 8. Dezember 2015 begonnen hat und am 20. November 2016 - dem letzten Sonntag im kirchlichen Jahreskreis - enden wird. Dieses Jahr richtet den Blick unter anderem auf die "Werke der Barmherzigkeit", die das Christentum aus der Bibel ableitet: "Hungrige speisen", "Durstige tränken", "Fremde beherbergen", "Nackte bekleiden", "Kranke besuchen", "Gefangene besuchen" und "Tote bestatten".

Alle Aktivitäten im Bistum Münster zum "Jahr der Barmherzigkeit" finden sich im Internet unter "http://www.bistum-muenster.de/barmherzigkeit" .

(pbm)
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