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Duisburg
Gläubige und Säkulare im Ruhrgebiet

Duisburg: Gläubige und Säkulare im Ruhrgebiet
Die Moschee war bei der Uraufführung der "Urban Prayers Ruhr" gut besucht. FOTO: Christoph Sebastian
Duisburg. In der DiTiB-Merkez-Moschee in Marxloh gab die Ruhrtriennale die Premiere ihrer Uraufführung "Urban Prayers Ruhr" über die überraschende Vielfalt der Religionen im Ruhrgebiet, nach dem Motto "Was glaubt ihr denn". Von Ingo Hoddick

Björn Bicker hat recherchiert über die Religionen im Ruhrgebiet, entdeckte eine überraschende Vielfalt, die hier - anders als in seiner Heimatstadt München, wo er das gleiche Projekt zuvor schon durchgeführt hatte - auch willkommen ist. Anfang des Jahres veröffentlichte er darüber sein Buch "Was glaubt ihr denn". Jetzt war das die Grundlage für die Uraufführung "Urban Prayers Ruhr" der Ruhrtriennale an sieben religiösen Orten im Ruhrgebiet.

Ort der Premiere war die DiTiB-Merkez-Moschee in Marxloh, noch immer ein Beispiel gelungener Integration. Die vielen Besucher in dem 800 Personen fassenden Gebetssaal mussten Arme und Beine bedecken, Socken anhaben oder mitbringen und ihre Schuhe am Eingang deponieren, man saß zwei Stunden ebenerdig auf dem Teppich. "Dialog ist das Schlüsselwort", meinte Ismail Komsucuk, Vorstand der Bildungs- und Begegnungsstätte, zur Begrüßung und zitierte den Theologen Hans Küng, dem zufolge der Religionsfrieden zum Weltfrieden führt. Vor und nach der eigentlichen Aufführung rezitierte Furkan Avci, Imam der Merkez-Moschee, den Beginn je einer Sure aus dem Koran.

Auf Barhockern vor Pulten sitzend, lesen die fünf wunderbaren Schauspieler Meriam Abbas, Jele Brückner, Ismail Deniz, Sheri Hagen und Michael Lippold klar und dezent pointiert aus dem aus Originaltönen komponierten Text. Das hat Ruhrtriennale-Intendant Johan Simons so respektvoll inszeniert, dass die tragischen und auch komischen Widersprüche luftig ins Publikum flattern. Es geht darin um den Chor der gläubigen Bürger gegen die säkulare Gesellschaft, aber auch um die nicht weniger "unüberbrückbar" erscheinenden Gegensätze zwischen den Religionen, die unmittelbar aneinander gesetzt sind. Häufig heißt es darin: "Wir nicht. Wir schon."

Auch Ereignisse der jüngeren Vergangenheit werden darin angedeutet, zum Beispiel mit dem Satz "Wir sind hier nicht in Köln", oder "Wir sind Sikhs, wir wollten in Essen Hochzeit feiern. Warum haben eure Kinder eine Bombe auf unsere Kinder geworfen?"

Es kommt auch zur Sprache, dass den Zuschlag für die Marxloher Moschee seinerzeit ein Bauunternehmer erhalten hatte, der die NPD unterstützte. Es gab auch etwas zweifelhafte Humoreinlagen wie die: "Unser Adolf, also Sauerland, war der erste Oberbürgermeister in Deutschland, der am Ramadan teilgenommen hat. Wie, der hat 30 Tage gefastet? Nein, der hat 30 Tage gegessen, er kam jeden Abend zum Fastenbrechen."

Zwischendurch sang das ChorWerk Ruhr unter seinem Leiter Florian Helgath in gewohnter Perfektion sechs verschiedene geistliche Sätze: das serbisch-orthodoxe "Tebe Pojem" aus der Liturgie des Hl. Johan von Stevan Mokranjac (1856-1914), den traditionellen hinduistischen Lobpreis der Sri Kamadchi Ampal, das christliche Kyrie aus der "Missa Papae Marcelli" von Giovanni Pierluigi da Palestrina (um 1525-1594), das jüdische "Enosh" von Louis Lewandowski (1821-1894), das traditionelle christliche Spiritual "The Battle of Jericho" (so virtuos und swingend, dass es dafür Szenenapplaus gab) und das traditionelle muslimische "Dagla Ille Taslar Ile", in dem Jesus und Moses erwähnt werden.

Die nächsten Aufführungen sind am 21. August, um 16 Uhr, im afrikanisch-christlichen "House of Solution" in Mülheim an der Ruhr, am 28. August, um 14.30 Uhr, im "Hindu Shakarar Sri Kamadchi Ampal Tempel" in Hamm, am 4. September, um 16 Uhr, beim Christlich-Islamischen Dialog in der Lutherkirche Dinslaken-Lohberg, am 11. September, um 15 Uhr, in der serbisch-orthodoxen Kirche Dortmund-Kley und am 18. September, um 16 Uhr, in der Synagoge Bochum.

Karten und weitere Informationen gibt es unter www.ruhrtriennale.de im Internet.

Quelle: RP
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