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Duisburg
"Glocal Bach" in der St.-Joseph-Kirche

Duisburg. Die in Duisburg beheimateten internationalen Tänzer und Choreographen Avi Kaiser und Sergio Antonino zeigen mit zwei Tänzerinnen aus Jerusalem ein neues Stück, bei dem es um den Zusammenhang von Mikro und Makro geht.

Spätestens, seit es das Internet gibt, sind die Grenzen zwischen Orten, Nationen und Kontinenten relativ. Das Tänzer- und Choreographen-Duo Sergio Antonino und Avi Kaiser drückt es so aus: "Du kannst irgendwo in einem kleinen Loch versteckt hocken; mit einem Computer kannst du überall auf der Welt präsent sein." Sergio Antonino und Avi Kaiser sind fester Bestandteil des Duisburger Kulturlebens. Vor 14 Jahren haben sie ein großes Dachgeschoss am Springwall 4 (Nähe Innenhafen) zum "Tanzraum The Roof" umgewandelt. Seitdem ist Duisburg für sie ein künstlerischer Hafen, zu dem sie immer wieder von ihren internationalen Gastspielen zurückkehren. Zum einen, weil sie hier ihren festen Wohnsitz haben, zum anderen aber auch, weil sie hier Inspiration für neue Projekte finden. Ein neues steht kurz vor der Uraufführung: Es heißt "Glocal Bach" und passt gut zu Duisburg, einer Stadt, in der Menschen aus vielen Nationen zu Hause sind und in der es einen Hafen gibt, von dem aus Güter in alle Welt transportiert werden.

"Glocal" ist ein Kunstwort, in dem die Begriffe "global" und "lokal" in der internationalen englischen Schreibweise verschmelzen. Und Johann Sebastian Bach, der sich selber nicht als Komponist oder compositeur, sondern als "Tonsetzer" bezeichnete, sei, so Antonino und Kaiser, ein Künstler, der - wie kaum ein zweiter - bewusst mit "Strukturen" gearbeitet habe, die man als universelle musikalische Elemente verstehen könne. Mit ihrem Tanzstück "Glocal Bach" möchten Antonino und Kaiser den "Zusammenhang von Mikro und Makro" mit den Mitteln des Ausdrucktanzes zum Thema machen. Ein Jahr lang habe das Projekt gewissermaßen als Idee geschlummert; seit einigen Wochen arbeiten die beiden zusammen mit den beiden Jerusalemer Tänzerinnen Miriam Engel und Hila Cohen an der Umsetzung.

Neben den beiden Tänzerinnen haben Avi Kaiser und Sergio Antonino den Trompeter Florian Walter und den Akkordeonisten Marko Kassl engagiert. Die beiden Musiker und Komponisten bekamen den Auftrag, sich von Bachs "Die Kunst der Fuge" leiten zu lassen, wobei die berühmte Aufnahme des Pianisten Glenn Gould, der bekanntlich beim Spiel mitzusummen pflegte, besonders berücksichtigt werden soll. Man darf gespannt sein, wie diese Vorgaben von Florian Walter und Marko Kassl umgesetzt werden.

Bei der Choreographie geht es Antonino und Kaiser darum, das Spannungsfeld von Lokal und Global in Bildern symbolisch darzustellen. Einige Konstellationen sollen auch an die Notenbilder aus Bachs Partitur erinnern. Geprobt wurde bislang hauptsächlich im Tanzatelier am Springwall, aber auch am Innenhafen, wo es Örtlichkeiten gibt, die für ein solches Tanzprojekt sehr geeignet sind.

In Duisburg wird es vorerst zwei Gelegenheiten geben, "Glocal Bach" zu erleben. Zum einen am Freitag, 26. August, 20 Uhr, im Studio The Roof (Springwall 4) und zum anderen - in einem größeren Rahmen - am Sonntag, 28. August, um 12 Uhr mittags, in der Kirche St. Joseph am Dellplatz. Dort wird "Glocal Bach" als vierter Teil der Reihe "Duistanz" aufgeführt. Avi Kaiser und Sergio Antonino erzählten begeistert von der Offenheit des Stadtdechanten Pfarrer Bernhard Lücking, der die beiden ausdrücklich dazu ermuntert habe, ihr neues Tanzstück in der Kirche aufzuführen.

Und zwar kurz nach dem Sonntagsgottesdienst. Das sei etwas ganz Besonderes. "Glocal Bach" wird gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen und der Stadt Duisburg. Beide Aufführungen sind öffentlich. Der Eintritt ist jeweils frei. Peter Klucken

Quelle: RP
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