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Duisburg
Glück im drehenden Spiegellabyrinth

Duisburg: Glück im drehenden Spiegellabyrinth
Dr. Söke Dinkla inmitten des Kunstwerks "Rotating Labyrinth". FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Das Lehmbruck-Museum präsentiert ein Schlüsselwerk des international bekannten dänischen Künstlers Jeppe Hein (Jahrgang 1974), der Menschen mit Hilfe seiner Kunstwerke zusammenbringen möchte. Von Peter Klucken

Jeppe Hein, 1974 in Kopenhagen geboren, ist ein Star der dänischen Kunstszene und längst international bekannt. Berühmt wurde er vor allem durch Werke, die Spaß machen und zum Kommunizieren einladen. Er schuf beispielsweise Bänke, auf denen man nur mit einigen lustigen Verrenkungen sitzen kann oder Hocker, die dampfen, wenn man sich auf sie setzt. Oder begehbare Brunnen, die ihre Besucher für kurze Zeit mit Wasserwänden "gefangen" halten. Jetzt kann das Lehmbruck-Museum ein Schlüsselwerk Heins präsentieren: das "Rotating Labyrinth".

Das Werk besteht aus zahlreichen, jeweils 2,20 Meter hohen Spiegelstelen, die in einem Innen- und einem Außenkreis auf einer kreisrunden Fläche mit einem Durchmesser von 5,50 Metern angebracht sind. Die beiden Kreise bewegen sich jeweils in Zeitlupentempo in entgegengesetzter Richtung. Das Werk, das 2007 entstand, ist in der großen Glashalle des Museums aufgebaut. An diesem Ort kann das rotierende Labyrinth seine besonderen Qualitäten entfalten. Eine Pointe ist, dass der Besucher beim Betrachten des Werks zugleich sich selber sieht. In der Glashalle des Lehmbruck-Museums ist dies sehr reizvoll, weil auch der Blick nach draußen möglich ist: zum einen direkt durchs Fenster oder über die sanft rotierenden Spiegelstelen (mit leichtem Schwindeleffekt).

Jeppe Heins begehbare kinetische Installation (so die korrekte Beschreibung) lädt Besucher ein, selbst körperlich aktiv zu werden. Das "Rotating Labyrith" sei, so Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla, ein gutes Beispiel für jene "partizipative Skulptur", deren prominenter Vertreter Jeppe Hein seit einigen Jahren ist. "Meine Kunstwerke sollen im Idealfall Menschen aus unterschiedlichen Bereichen und verschiedener Herkunft zusammenbringen und ihnen die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch geben", so der Künstler.

Interessant ist, dass Jeppe Hein, der so menschenfreundlich orientiert ist, nicht figürlich, sondern abstrakt arbeitet und als ein kritischer Vertreter der Minimal Art gilt. In einem Aufsatz, der demnächst erscheint, schreibt Söke Dinkla: "Mit seinem Werk entwirft Jeppe Hein alternative Räume, die der wachsenden Vereinzelung der Menschen in unserer postindustriellen, mediatisierten Gesellschaft Modelle des Sozialen an die Seite stellen."

Dazu passt, dass sich Jeppe Hein beim "Rotating Labyrinth" von den Spiegelkabinetten und -Kaleidoskopen inspirieren ließ, die man gelegentlich in Freizeit- und Vergnügungsparks findet. Allerdings verzichtet der Künstler auf alle spiegelnden Verzerrungen. Das passt in den Kontext seines gesamten Schaffens, bei dem er immer wieder auf klare und "schöne" Formen zurückgreift. Jeppe Hein hatte schon in jungen Jahren viel Erfolg mit seiner Kunst, die mit viel Witz die Menschen in ihren Bann schlägt. Eine Zeitlang wurde er vom internationalen Ausstellungsbetrieb absorbiert, bis er selber nach einem Burnout die Notbremse zog und sich nun bewusst rar macht. Sein seelisches Gleichgewicht ist im wichtiger als der messbare Erfolg. Das sei auch ein Grund, weshalb er bei der Eröffnung seiner Ausstellung am Donnerstag, 9. Juni, 19 Uhr, persönlich nicht anwesend sein wird. Bei der Eröffnung sprechen Kulturdezernent Thomas Krützberg und Karin Schmitt-Promny (MdL), stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, Grußworte. In die Ausstellung führt Söke Dinkla ein.

Ausstellung bis 23. Oktober. "Rotating Labyrinth" wird Teil der Ausstellung "An der Oberfläche - On Surface", die am 2. Juli im Lehmbruck-Museum eröffnet wird. Dazu erscheint ein Katalog mit Essays von Söke Dinkla und Dietmar Rübel im Wienand Verlag mit 140 Seiten und 118 farbigen Abbildungen.

Quelle: RP
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