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Duisburg
Grandioses Filmkonzert im Sommerkino

Duisburg: Grandioses Filmkonzert im Sommerkino
Eine großartige Kulisse, ein sensationeller Film und eine fantastische musikalische Begleitung durch die Duisburger Philharmoniker - den Besuchern des Sommerkinos wurde viel geboten. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Beim Stadtwerke-Sommerkino im Landschaftspark begleiteten die Duisburger Philharmoniker live den Stummfilm-Klassiker "Safety last!", der urkomisch und zugleich atemberaubend spannend ist. Die Musik passte perfekt! Von Peter Klucken

Irgendwann fällt dem Helden doch der Strohhut vom Kopf, als er in schwindelnder Höhe am Zeiger einer Wolkenkratzer-Uhr hängt. Wie vermutlich fast alle Besucher im ausverkauften Stadtwerke-Sommerkino hatte auch der Schreiber dieser Zeilen zwar die berühmte Szene mit dem an der Uhr baumelnden Harold Lloyd schon einmal gesehen, aber nie den gesamten Film "Safety last!" aus dem Jahr 1923.

Harold Lloyd: das ist der Darsteller des blassen Jungen mit runder Hornbrille (die übrigens in Wirklichkeit keine Gläser hatte) und dem schlichten Hut auf dem Kopf. Dieses Bild hat sich im Gedächtnis unserer privaten Kinogeschichte festgesetzt. Genauso wie Charles Chaplin als Tramp (der in "Goldrausch" einen Schuh essen will) oder Buster Keaton, der mit unbeweglichem Gesicht vorne auf einer Dampflok sitzt.

Dem Sommerkino sei dank, dass der Film "Safety last!" in Gänze zu sehen war. Und das nicht nur in der stimmungsvollen Umgebung des ehemaligen Duisburger Stahlwerks, sondern mit einer Musik, die der international bekannte Komponist Carl Davis erst kürzlich für diesen Filmklassiker geschrieben hat. Um das cineastische Vergnügen vollständig zu machen, haben die Veranstalter des Sommerkinos mit zusätzlicher Sponsoren-Unterstützung Carl Davis als Dirigenten für die Duisburger Philharmoniker engagiert und aus London einfliegen lassen. Der stolz angekündigte Abend hielt das, was man erhoffen konnte: Das Filmkonzert, das wir am Freitagabend als Premiere erleben konnten, war schlichtweg großartig. Die gestrige Vorstellung wird vermutlich genauso gewesen sein und die heutige wird es wohl werden. Die Vorstellungen sind offiziell ausverkauft, vielleicht kann man noch Glück an der Abendkasse haben. - "Safety last!" überrascht selbst die heutigen Kinobesucher mit seinem Witz und einer Spannung, die wirklich kaum auszuhalten wäre, wenn nicht durch die Anlage als Komödie von vornherein außer Zweifel stünde, dass der Held am Ende wohlbehalten seine Braut küssen darf. Viele Gags sind einmalig und wurden vermutlich niemals in dieser Perfektion im Laufe der Kinogeschichte wiederholt. Wie sich beispielsweise Harold und sein WG-Kumpel vor der Geld-fordernden Vermieterin unter zwei an der Wand hängenden Mänteln verstecken: das ist urkomisch und verfehlte auch im Sommerkino nicht seine Wirkung. Auch der Kampf mit einer Kundinnen-Bataillon, die sich mit Harold und untereinander um Sonderangebote in einem Stoffgeschäft balgt, ist für Zuschauer ein pures Vergnügen. Ja, und dann kommen die Kletterszenen an der Fassade eines Hochhauses, die Filmgeschichte geschrieben haben und die auch heute noch schlichtweg atemberaubend sind. Es ist unglaublich, was Harold Lloyd und sein Filmteam vor 93 Jahren artistisch geleistet haben. Einen Stuntman hatte Lloyd nämlich nicht.

"Safety last!" hat zwar keine Tonspur, stumm lief der Film jedoch wohl niemals im Kino. Aber vermutlich war keine andere "Safety last!"-Vorstellung so musikalisch wie die, die jetzt im Duisburger Sommerkino zu erleben war (und heute Abend noch ist). Carl Davis ist es gelungen, eine Musik zu den Filmbildern zu komponieren, die einfach perfekt passt. Ohne zu kopieren, ließ sich Davis von den amerikanischen Unterhaltungsorchestern der 20er Jahre inspirieren. Besonders beeindruckend, wie die Musik, bei der die Bläser und die Perkussionsinstrumente dominieren, den Spannungsbogen des Films unterstreicht. Dabei spiegelt die Filmkomposition die mit Komik unterlegte Spannung der Handlung kongenial wider. Großes Kompliment an die Duisburger Philharmoniker, die ungemein präzise musizierten. Das konnte man beispielsweise in einer Szene merken, bei der ein Fahnenmast bricht und auf die Zehntelsekunde genau ein Knack-Geräusch aus dem Orchestergraben kam. Besser geht's nicht.

Das Publikum, jung und alt gut gemischt, klatschte begeistert - wie nach einem gelungenen Konzert in der Mercatorhalle.

Quelle: RP
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