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Duisburg
Großartige Musik von Sibelius

Duisburg. Der finnische Komponist stand im Kleinen Konzertsaal im Mittelpunkt. Von Ingo Hoddick

Klavier- und Kammermusik von Jean Sibelius (1865-1957)? Zugegeben, diese Gattungen standen nicht gerade im Zentrum des Schaffens des bedeutendsten finnischen Komponisten. Doch jetzt konnte man sich zu seinem 150. Geburtstag im Kleinen Konzertsaal am Campus Duisburg der Folkwang-Universität der Künste davon überzeugen, dass Sibelius auch auf diesen Gebieten Großartiges geschaffen hat.

Folkwang-Professor Henri Sigfridsson, der selbst aus Finnland stammt, hatte hier besonders engagierte Studierende versammelt. Aus seiner eigenen Klavierklasse fühlte sich Sanna Iljin besonders gut in die Klavierstücke Nr. 1 "Rêverie" und Nr. 2 "Scherzino" aus op. 58 sowie Nr. 9 "Romanze" aus op. 24 ein. Raimu Satoh legte die fünf verschiedenen Baumarten gewidmeten Klavierstücke op. 75 mit stoischer Gelassenheit hin. Erst fünf Minuten vor dem Konzert hatte sie erfahren, dass sie diese an diesem Abend aufführen sollte - doch hatte sie diese längst verinnerlicht oder in Sigfridsson Worten "in der Brühe gekocht". Der kluge Grenzbereich zur Salonmusik war auch spürbar bei Karin Nakayama (Violine) und Jung-Eun Lee (Klavier) mit der Mazurka op. 81 Nr. 1 sowie den Humoresken Nr. 1 op. 87 Nr. 1 (das relativ bekannteste Stück des Programms) und Nr. 5 op. 89 Nr. 3.

Als Höhepunkt kam aber nach der Pause das frühe, fünfsätzige und dreiviertelstündige Klavierquintett g-Moll (1890). Exemplarisch, wie der junge Komponist hier Einflüsse von Johannes Brahms (der kurz zuvor in Wien über den Studenten Sibelius gesagt hatte "Aus dem wird was!") und Antonín Dvorák mit finnischen Weihnachtsliedern zu einer bereits ganz persönlichen Aussage verknüpfte.

Jung-Eun Lee (Klavier), Karin Nakayama (erste Violine), Sebastian Gäßlein (zweite Violine, als Gast von der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf), Irene Heute Lopez (Viola) und Christian Fagerström (Violoncello) mussten sich erst warmspielen, entfalteten dann aber bis zum Ende unglaubliche Energien. Sigfridsson hernach: "Ich habe dieses Werk in diesem Jahr jetzt achtmal gehört. Dieses achte Mal war das beste!"

Quelle: RP
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