| 19.09 Uhr

Katastrophe bei der Loveparade
Grüne stellen sich hinter OB Sauerland

Trauermarsch durch Duisburg
Trauermarsch durch Duisburg FOTO: APN
Eine Abwahl des umstrittenen Duisburger Oberbürgermeisters Adolf Sauerland (CDU) nach dem Unglück auf der Loveparade mit 21 Toten wird immer unwahrscheinlicher. Nach der CDU stellten sich am Donnerstag auch Duisburgs Grüne hinter Sauerland. Man wolle das Ergebnis der laufenden Untersuchungen abwarten, so die Begründung.

Nachdem auf der Sondersitzung des Innenausschusses des Düsseldorfer Landtags bereits Innenminister Ralf Jäger (SPD) Fehler der Polizei zurückgewiesen hatte, verwahrte sich auch die Gewerkschaft der Polizei gegen die Kritik von Veranstalter und Stadt. An der Unglücksstelle gedachten unterdessen weiter viele Trauernde der Opfer der Panik auf der Loveparade.

Duisburgs Grüne wollen einen Abwahlantrag gegen Sauerland nicht unterstützen. "Wir wollen in erster Linie eine Sachaufklärung und die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abwarten", sagte eine Sprecherin der Grünen.

"Aus politischen und moralischen Gründen"

Die FDP hatte zuvor deutlich gemacht, dass sie von Sauerland Antworten auf zahlreiche Fragen auf einer für den 30. August geplanten Sondersitzung erwartet. Dennoch sei Sauerland "aus politischen und moralischen Gründen" für die Stadt nicht mehr haltbar, betonte der Fraktionsvorsitzende Wilhelm Bies. Sauerland habe "als Chef versagt". Für eine Abwahl des Oberbürgermeisters wird eine Zweidrittelmehrheit im Stadtrat benötigt.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht die Duisburger Stadtspitze sowie den Loveparade-Veranstalter Lopavent für das Unglück in der Verantwortung. "Die Polizei und andere Fachleute sind bei den Vorplanungen mit politischem Druck an die Wand gespielt worden. Ihre Einwände und Bedenken wurden nicht berücksichtigt, kritische Stimmen mundtot gemacht", sagte Konrad Freiberg, Bundesvorsitzender der GdP. Die Gewerkschaft werde nicht zulassen, dass die Verantwortlichen nun versuchten, auf Kosten der Polizei ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

An dem Unglückstunnel vor dem Loveparade-Gelände legten Trauernde erneut Blumen nieder oder zündeten Kerzen an. "Der Zulauf ist zwar schon geringer, aber der Tunnel bleibt weiterhin gesperrt", sagte ein Polizeisprecher. Eine Räumung der Stelle, um den Tunnel wieder befahrbar zu machen, sei nach wie vor nicht geplant.

Der Leidensdruck wächst stetig

Von den zwei Verletzten, die Anfang dieser Woche noch im Krankenhaus behandelt wurden, konnte einer die Klinik in der Zwischenzeit verlassen. "Im Moment ist nur noch eine junge Frau im Krankenhaus", sagte der Polizeisprecher.

Bei den neun Trauma-Ambulanzen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) erwarten die Therapeuten in den kommenden Wochen deutlich mehr Patienten, die Hilfe bei der Verarbeitung des Unglücks auf der Loveparade suchen. "Die Erfahrung mit anderen Unglücken wie etwa Zugunfällen oder Gewalt an Schulen hat gezeigt, dass bei vielen Menschen eventuelle Probleme erst spät auftauchen", sagte Sprecher Frank Tafertshofer.

Es dauere einfach oft einige Zeit, bis der Leidensdruck so groß sei, dass professionelle Hilfe in Anspruch genommen werde. Bislang hätten sich etwas mehr als 40 Betroffene hilfesuchend an die Ambulanzen gewandt. Außerdem registrierten die Therapeuten vermehrt Anfragen besorgter Eltern, die Veränderungen an ihren Kindern feststellten. "Die raten denen dann, sich doch mal bei uns zu melden", sagte Tafertshofer.

(DDP/csi)
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