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Duisburg
Gut abgefedert in den Ruhestand

Duisburg: Gut abgefedert in den Ruhestand
Der frühere Stadtdirektor Dr. Peter Greulich vor dem Duisburger Rathaus. FOTO: Andreas PRobst
Duisburg. Peter Greulich, einer der Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe Duisburg, will in den vorgezogenen Ruhestand. Zwar würden die WBD dann sein Gehalt sparen, aber sie müssten ihm den frühen Abschied "vergolden". Von Hildegard Chudobba

Jahrelang war Thomas Patermann allein an der Spitze der Wirtschaftsbetriebe Duisburg (WBD) - und es lief hervorragend. Das änderte sich, als die SPD vor drei Jahren ihrem damaligen Fraktionsgeschäftsführer Uwe Linsen einen "Gefallen" tun wollte und ihn in die Geschäftsführung der WBD "beförderte". Dort ist er seitdem vor allem für den Unternehmenszweig Beschäftigungsförderung zuständig und erledigt nach Aussagen von Insidern seinen Job sehr gut.

Mehr Diskussionen gab es hingegen über den zeitgleichen Wechsel von Dr. Peter Greulich. Er wollte nicht länger Stadtdirektor in Duisburg sein und wollte gleichfalls WBD-Geschäftsführer werden, eine mit mehr als 200.000 Euro im Jahr üppig bezahlte Tätigkeit. Die Qualität seiner Arbeit wird innerhalb der Wirtschaftsbetriebe unterschiedlich bewertet und reicht von sehr gut bis zu "Versorgungsfall". Nach seinem Herzinfarkt im Sommer sieht sich Greulich offensichtlich nicht mehr Willens und in der Lage, seinen bis 2018 laufenden Vertrag bis zum letzten Tag zu erfüllen. Übermorgen tagt der Verwaltungsrat der WBD und wird mit großer Wahrscheinlichkeit eine Lösung beschließen, die es dem gerade mal 58-Jährigen Grünen ermöglicht, Frührentner zu werden. Zur Diskussion steht angeblich, dass Greulich mit einer Abfindung von 180.000 Euro (pro Jahr, bis zu seinem Vertragsende) nach Hause geschickt wird. Zugleich soll der Verwaltungsrat entscheiden, dass die freiwerdende Geschäftsführerstelle (vorerst) nicht mehr besetzt wird. Dass die Vorlage für den Verwaltungsrat beschlossen wird, gilt als sicher, dass sie auch die Mehrheit der Mitglieder findet, allerdings nicht. Manches deutet darauf hin, dass lediglich die SPD dafür sein wird und es dann im Verwaltungsrat Stimmengleichheit gibt. In einem solchen Fall zählt dann die Stimme des Mitgliedes der Stadtspitze (Planungsdezernent Carsten Tum) doppelt.

Dass Thomas Patermann allein die Kernthemen der Wirtschaftsbetriebe bearbeiten kann, das hat er jahrzehntelang eindeutig bewiesen. Die Probleme in seinem Haus sind allerdings nicht kleiner, sondern zunehmend größer geworden. So warten die Duisburger nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Münster immer noch auf neue Gebührenbescheide und auf Rückzahlung der zu viel bezahlten Beträge. Daraus wird so lange nichts werden, wie nicht darüber entschieden ist, ob der Miteigentümer der Gemeinschaftsmüllverbrennungsanlage Oberhausen, wo Duisburgs Abfall entsorgt wird, die nächste Instanz bemühen darf. Einen entsprechenden Antrag an das Bundesverwaltungsgericht hat der private Anteilseigner Rethmann bekanntlich gestellt, eine Entscheidung steht aber noch aus. In Juristenkreisen besteht allerdings die Einschätzung, dass diesem Antrag nicht stattgegeben wird.

Dann müssen unter anderem in Duisburg die Müllgebühren neu kalkuliert, alte Bescheide neu berechnet und neue für die Zukunft erstellt werden. Das ist nur möglich, wenn die Wirtschaftsbetriebe zusätzliches Personal bekommen. Zudem muss dann nach Lösungen der Finanzierung (der Rückzahlung und der laufenden Kosten) gesucht werden.

Gut möglich, dass vor dem Hintergrund dieser Herausforderung der Ruf nach einem dritten Geschäftsführer wieder lauter wird.

Quelle: RP
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