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Reihe Menschen Für Gesundheit
Gut leben mit elf Stents im Herzen

Reihe Menschen Für Gesundheit: Gut leben mit elf Stents im Herzen
Dr. Gunnar Plehn (47), Chefarzt der Malteser-Kardiologie am St. Anna in Huckingen, mit seiner Patientin Gertrud Astorgano (81). Sie hat mittlerweile elf Stents im Herzen; es geht ihr gut. Plehn hat übrigens 28 Marathons gelaufen. FOTO: vo
Duisburg. Gertrud Astorgano ist 81 Jahre alt und lebt mit mittlerweile elf Stents im Herzen. Ihre Geschichte ist ein Beispiel, was moderne Kardiologie zu leisten vermag und wie man auch im hohen Alter mit angegriffenem Herzen noch gute Jahre haben kann. Von Jens Voss

Die Zahl lässt aufhorchen und ahnen, wie leistungsfähig moderne Medizin ist: Gertrud Astorgano hat elf Stents im Herzen. Dabei ist die 81-jährige nicht einmal untypisch erkrankt; ihre Herzgefäße weisen vielmehr typische Alterserscheinungen auf. Und die Geschichte ihrer Therapie spiegelt die technische Entwicklung in der Medizin wider: "Sie hatte vor einigen Jahren eine Bypassoperation, die wohl nach heutigem Stand nicht nötig wäre", sagt Dr. Gunnar Plehn, Chefarzt der Kardiologie am St. Anna in Huckingen. Und die Entwicklung geht weiter: Ein Stent von heute ist ganz anders als einer von vor Jahren.

Auch die Untersuchungsmethoden ändern sich. Früher wurden die Katheter, mit denen die Stents im Herzen platziert wurden, meist durch die Leiste eingeführt. "Heute gehen wir in 80 bis 90 Prozent der Fälle durch die Pulsader am Handgelenk", erläutert Plehn. Grund: "Wenn es in der Leistengegend zu einer Blutung kommt, kann es sein, dass man das erst spät merkt; da ist einfach viel Platz", erläutert Plehn, "am Handgelenk aber sieht man jede ungeplante Blutung sofort." Die Methode sei in Frankreich entwickelt worden und setze sich immer mehr durch.

Chefarzt Gunnar Plehn an den Monitoren der Kardiologie. Jede Katheteruntersuchung wird an mehreren Monitoren beobachtet und ausgewertet. FOTO: vo

Auch die Pflege ist einfach, und die Patienten reagieren positiv darauf: "Der Doktor geht ja jetzt durch den Arm", sagt etwa Gertrud Astorgano, die ja auch die alte Methode erlebt hat, "das ist super".

Auch die Stents haben sich verändert: Sie sind feiner geworden und sie sind beschichtet. "Früher sind wir überall hängengeblieben", berichtet Plehn. Er vergleicht ein gealtertes Blutgefäß mit einem Bergwerkstollen. Auch dort sind die Wände rau, und es kann Steine bröckeln. Warum nicht einfach zurückziehen, wenn es Probleme gibt? "Wenn wir einmal angefangen haben, können wir nicht einfach aufhören", sagt Plehn. Zu groß ist das Risiko, dass es bei einem Rückzug des Katheters zu einem plötzlichen Arterienverschluss kommt.

Die neuen, feineren, zudem beschichteten Stents sind unproblematischer. Und sie geben Medikamente ab, die etwa die Wundheilung verlangsamen. Wirklich verlangsamen? "Ja, antwortet Plehn auf die verblüffte Nachfrage, "es gibt eine überschießende Wundheilung, bei der Narbengewebe entsteht. Es ist wie bei einer Hecke, die durch den Zaun wuchert. Durch die langsamere Heilung bleibt die Arterienwand glatt, der Stent ist am Ende überwachsen und nicht mehr sichtbar."

Nicht immer ersetzen Stents eine Bypass-Operation, aber immer öfter. Auch Gertrud Astorgano hat vor einigen Jahren eine solche Operation durchstehen müssen. Bei ihr fing es an, wie es bei vielen älteren Menschen beginnt: Sie hatte Luftnot, musste schon nach einigen Schritten stehen bleiben, sich erholen. Typische Anzeichen für angegriffene Herzgefäße.

Häufige Alterserscheinung ist auch das Vorhofflimmern: Das Herz schlägt nicht mehr im Rhythmus, meist eine Folge jahrzehntelangen Bluthochdrucks. Die Folge: Im Herz-Vorhof besteht die Gefahr von Gerinnselbildung. Die Lösung sind Blutverdünner-Medikamente.

Auch damit hat Gertrud Astorgano zu tun. Dennoch: Unterm Strich geht es ihr gut, auch wenn sie keine längere Urlaubsreise mehr machen kann. Irgendwie ist das dann doch zu viel. Aber die Zeiten der Luftnot sind vorbei. Die moderne Kardiologie hat ihr ein selbstbestimmtes Leben auch im Alter ermöglicht.

Quelle: RP
 
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