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Rp-Serie Duisburger Geschichte Und Geschichten
Gute Gespräche, kultivierte Geselligkeit

Duisburg. Die Societät ist Duisburgs älteste Bürgergesellschaft. Der "Club" wurde 1774 von wohlhabenden Gelehrten und Kaufleuten gegründet. Die Societätsgründer Böninger und Carstanjen zeigten sich spendabel und offerierten Tabak und Wein. Von Harald Küst

"Die Lage von Duisburg ist malerisch", so schreibt der 22-jährige Justus Gruner Ende des 18. Jahrhunderts. Reiseberichte des preußischen Staatsdieners waren oft kritisch-bewertend, aber Duisburg kam dabei gut weg. So schrieb er: "Ehemals gehörte Duisburg zur Hanse, und jetzt ist ihr Handel blühend, teils durch Speditionen, aber auch durch Manufakturen, die viele Menschen ernähren. Es existiert ein Klub - gemeint ist die 1774 gegründete Societät - , der sich aus Mitgliedern der wohlhabendsten Gelehrten und Kaufleuten zusammensetzt". Justus Gruner , der bereits erwähnte Berichterstatter, schreibt ein wenig bedauernd: "Frauenzimmer erscheinen hier nicht". Es sollte bis 1976 dauern, bis sich der damalige Vorsitzende der Societät , Wilhelm Mette, für die Aufnahme von Frauen stark machte.

Gesellschaften wie die Societät erlebten in der 2. Hälfte des 18. Jahrhundert einen Boom. Das aufstrebende Bildungsbürgertum orientierte sich wohl damals an dem traditionsreichen "Tabakkollegium" der Preußenkönige und den englischen Clubs, die stilvolle Konversation und den Genuss schätzten. Die historischen Pfade dieser Männergesellschaften liegen weit zurück. "Freue Dich und trinke wohl" war nicht nur bei dem antiken Symposion der Griechen ein Anlass, Politik zu betreiben oder - wie man heute sagt - gesellschaftliche Netzwerke zu knüpfen. Die Societätsgründer Böninger und Carstanjen zeigten sich spendabel. Die Duisburger Männergesellschaft konnte kostenlos vom "Societätstabak" rauchen. Der befand sich in einem Tabakfässchen und wurde von den Tabakmanufakturen Böninger und Carstanjen im monatlichen Rhythmus geliefert. Böningers Tabakproduktion trug schon Ende des 18. Jahrhunderts zum Ruhm des Unternehmens bei, so dass 1811 bei Arnold Böninger sogar Napoleon höchstpersönlich zum Frühstück einkehrte. Zurück zur Societät: Der weitere Mitbegründer, Carstanjen, betrieb bereits seit 1752 am Duisburger Knüppelmarkt ein Kolonialwaren- und Tabakgeschäft. Tabakrauchen symbolisierte Wohlstand, Status und Männlichkeit. Es vermittelte Genuss und das Gefühl, dass das eigene Selbstbild mit Glut und Rauch an Tiefe und Schärfe gewinnt. Damals glaubte man im Übrigen noch fest an die Parole "dass der Gebrauch des Tabaks gegen alle böse Luft gut sei". Neben dem Tabakrauchen bot der Genuss von erlesenen Weinen eine gute Gelegenheit für ausgiebige Gespräche. Entspannung fand man beim Billardspiel . Das Spiel genoss besondere Beliebtheit, "da es eine der Gesundheit entschieden zuträgliche, die Gewandtheit befördernde und nicht zu anstrengende Bewegung bietet".

Die Geschichte der Societät lässt sich nicht auf die Pflege der Genusskultur reduzieren. Die Gesellschaft diente auch dem Aufbau und der Festigung von Beziehungen zu geschäftlichen Verbündeten, die dieselben Interessen verfolgten und im Zweifelsfall Unterstützung bieten konnten. Ein System des Gebens und Nehmens, basierend auf Loyalitäten. Hier werden Ähnlichkeiten zu den Freimaurern, Rotariern und dem Lions-Club erkennbar. Der Unterschied zu diesen Gesellschaften lag eher im kulturellen - weniger im sozialen - Engagement ihrer Mitglieder. Die Societät veranstaltete neben Bällen auch Konzerte, zu denen auch Nichtmitglieder zugelassen waren. Prominente Zeitgenossen wie Minister von Heinitz, Freiherr vom Stein, Oberpräsident der westfälischen Kammer und Kammerdirektor Graf von Schwerin standen auf der Einladungsliste der Gesellschaft.

Am 12. Oktober 1846 traten im Saale der Societät die "graziöse Tänzerin Sophie Starke" und der Königliche Hofschauspieler Friedrich Lippe auf - ein wahrhaft großes kulturelles Ereignis für Duisburg. 1868 setzte die Societät durch, dass das Düsseldorfer Theater zwölf Vorstellungen im Saal der Societät aufführte. Ein Grundstein für die Deutsche Oper am Rhein war damit gelegt worden. Tatsächlich war die Societät bis zum Bau der Tonhalle kultureller Mittelpunkt für Duisburg, insbesondere auf musikalischem Gebiet. Die Societät ist seit 242 Jahren in Duisburg aktiv. Mit dem Tabakgenuss ist es allerdings vorbei. Gute Gespräche, anspruchsvolle Vorträge und kultivierte Geselligkeit werden nach wie vor gepflegt. Da kann man sich auf das 250. Jubiläum freuen. Die Gründungsurkunde aus dem Jahr 1774 befindet sich als Dauerleihgabe im Kultur- und Stadthistorischen Museum. Ausgewählte Exponate findet man dort in einer Vitrine.

Zum Weiterlesen: Duisburger Jahrbuch 2005, Mercatorverlag, Heinz Pletzinger, S.178 - 184.

Kontakt: Societät : "http://societaet-du.de/kontakt/".

Quelle: RP
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