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Rp-Serie Duisburger Geschichte Und Geschichten
"Hände weg von Hamborn!"

Rp-Serie Duisburger Geschichte Und Geschichten: "Hände weg von Hamborn!"
Im Jahr 1929 wurden solche Plakate (hier ein Ausschnitt) aufgehängt, um die Eingemeindung Hamborns zu verhindert. Bekanntlich verliefen die Protest erfolglos. FOTO: stadtarchiv duisburg
Duisburg. Separatismus gibt es nicht nur in Spanien, auch in Duisburgs Vergangenheit sind Spalt- und Abgrenzungstendenzen ein großes Thema. Der Widerstand gegen Groß-Duisburg war - und ist zum Teil auch heute noch - erheblich. Von Harald Küst

Das katalanische Bedürfnis nach Identität und die damit verbundene Spalt- und Abgrenzungspolitik sollten wir nicht als völlig irrational abtun: Auch die Bevölkerung einzelner Duisburger Stadtteile sind dagegen nicht immun. Das heikle Thema polarisiert nach wie vor. Die historische Rückschau zeigt: Der Widerstand der Bevölkerung gegen Groß-Duisburg war zum Teil erheblich - bis heute gibt es Bestrebungen, einzelne Stadtteile wieder aus der Stadt Duisburg herauszulösen.

Blenden wir kurz zurück: Seit Beginn des 20. Jahrhunderts kämpfte Duisburg - in vorderster Front der damalige Oberbürgermeister Karl Jarres - im Ruhrgebiet um Gebietserweiterungen sowohl für neue Industrieanlagen als auch für neuen Siedlungsraum. Bereits 1905 waren die selbstständigen Städte Meiderich und Ruhrort eingemeindet worden.

Doch Karl Jarres wollte mehr. Seine Vision einer Ruhrmündungsstadt mit dem Schritt über den Rhein ließ sich damals zwar noch nicht realisieren, aber immerhin erfolgte 1929 der Zusammenschluss mit der Stadt Hamborn und etliche Gemeinden das Amtes Angermund im Süden. Nirgends aber wurden die Meinungsunterschiede mit solcher Heftigkeit ausgetragen wie in Duisburg und in Hamborn. Die Proteste verliefen erfolglos. Die neue Großstadt Duisburg-Hamborn wurde dann am 1. April 1935 in Duisburg umbenannt. Doch der Ausstiegswunsch aus der "Zwangsheirat" bestand weiter.

Ausgerechnet das Ende des Zweiten Weltkriegs und der Einmarsch der US-Truppen 1945 beförderten den Wunsch der Hamborner nach Autonomie - wenn auch nur für kurze Zeit. Nach der Eroberung des Duisburger Nordens setzten die Amerikaner Wilhelm Bambach am 1. April als Bürgermeister des "Stadtkreises Hamborn" ein. Mit der raschen Einsetzung von Ortsbürgermeistern in teilbesetzten Städten oder Stadtteilen förderten die Amerikaner unbewusst vorhandene lokale Identitäten und unterstützten die Separationsbemühungen. Das rief naturgemäß einen Konflikt mit dem neu eingesetzten Duisburger Bürgermeister Heinrich Weitz hervor. Der sah sich als alleiniger Repräsentant beider Stadtteile.

Nach Übernahme der Militärregierung durch die Briten fand diese Auffassung Gehör. Die Briten favorisierten einen Ansprechpartner für die Umsetzung ihrer Weisungen. Außerdem befürchteten sie den Spaltpilz in weiteren Regionen. Den Hamborner Separationsbestrebungen standen sie offensichtlich misstrauischer gegenüber als die amerikanischen Stadtkommandanten, so der Historiker Thorsten Fischer. Die Briten befürworteten daher die Aufhebung der Hamborner Selbstständigkeit. Ende Juni 1945 erfolgte mit Genehmigung der britischen Militärregierung die Entlassung Bambachs. Aber der Wunsch nach Eigenständigkeit bestand weiter und flammte in den 50er Jahren wieder auf.

Forciert wurden die Forderungen nach "Ausgemeindung" durch den Einwohnerverein Hamborn e.V., der 1953 eine entsprechende Eingabe an den Innenminister von NRW richtete, so Dr. Astrid Küntzel vom Landesarchiv. Angestrebt wurde eine Volksabstimmung über die Frage der Ausgemeindung. Die Landesregierung reagierte auf dieses Ansinnen ablehnend. Die Bestrebungen der Hamborner wurden am 22. Oktober 1957 abgewiesen. Doch auch danach wurde in Hamborn für mehr Autonomie weitergekämpft: 1961 ging die CDU mit dem Plakat "Mehr Recht für Hamborn" in den Kommunalwahlkampf.

Doch erst die nächste große Kommunalreform 1975 ließ die Träume von der Selbstständigkeit endgültig zerplatzen. Dennoch: "Viele fühlen sich hier als Hamborner, nicht als Duisburger", sagen noch heute viele Einwohner nördlich der Ruhr. Gewachsene räumliche Identitäten und Heimatliebe sind wichtige Gründe, die - werden sie nicht ernstgenommen - mit Abgrenzungswünschen einhergehen. Die Kommunale Neugliederung wurde meist aus wirtschaftlichen oder anderen politischen Interessen "von oben" verordnet.

Die Geschichte zeigt: Empathie und Beteiligung der Bevölkerung sind mindestens ebenso wichtig wie Sachargumente. Eine Vision von Kooperation und Zusammenhalt, von Dialog und Miteinander, auch in schwierigen Zeiten erscheint mindestens ebenso wichtig. Damals wie heute. Aktuelle Parallelen - nicht nur in Katalonien - drängen sich auf.

Zum Weiterlesen: Duisburger Forschungen, Band 61.

Quelle: RP
 
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