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Duisburg
Hänsel und Gretel als wohlstandsverwahrloste Mädchengang

Duisburg. "Lost in the Forest - Hänsel und Gretel auf der Spur" hieß das große Mitmachprojekt der Deutschen Oper am Rhein. Von Ingo Hoddick

Über sich selbst hinauswachsen, das war der Grundimpuls bei dieser Adaption von Engelbert Humperdincks bekannter Märchenoper "Hänsel und Gretel". Idee und Konzert dazu stammten von Anna-Mareike Vohn, der Leiterin Education der Jungen Oper am Rhein. Ihr Anliegen war es, Kinder und Jugendliche anzuregen, außerhalb ihrer schulischen Verpflichtungen kreativ zu sein, zu singen, in einem Orchester zu spielen oder auf der Bühne zu stehen.

Die Möglichkeit, sich vielseitig auszuprobieren, wertvolle Erfahrungen zu sammeln und auch ein Verantwortungsgefühl in der Gemeinschaft zu entwickeln, wurde den Teilnehmern über Monate hinweg im professionellen Umfeld der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg, der Tonhalle Düsseldorf und des Lehmbruck-Museums Duisburg geboten. Schon seit Januar probten über 70 Jugendliche des von Ernst von Marschall gegründeten U16-Orchesters der Tonhalle regelmäßig für dieses Projekt. Auch die Mitglieder des Kinderchors am Rhein und der Düsseldorfer Akademie für Chor und Musiktheater brachten viel Zeit auf, um unter der musikalischen Leitung von Sabina López Miquez die eigens von David Graham bearbeitete (spieltechnisch vereinfachte und überhaupt "entwagnerte") Opernpartitur einzustudieren. Erst danach ging es auf die Bühne, wo Philipp Westerbarkei für die szenische Umsetzung sorgte. Dazu kamen die von der Künstlerin Bettina Kohrs angeleitete Graphic Novel Werkstatt im Lehmbruck-Museum, wo die Zeichnungen für das Programmheft entworfen wurden, und ein Praktikum in einem Bereich hinter der Bühne.

Hier sind Hänsel und Gretel eine wohlstandsverwahrloste Mädchengang im Großstadtdschungel, wo man ebenfalls Unheimliches erleben und sich ordentlich gruseln kann. Das wirkt dramaturgisch nicht ganz schlüssig, kommt aber lustvoll über die Rampe, auch dank der beiden Profisänger Bruno Balmelli als Vater und Marta Márquez als Hexe. Auf jeden Fall gilt es, falschen Verlockungen zu widerstehen, sich für In-Not-Geratene einzusetzen und so über sich selbst und die eigenen Ängste hinauszuwachsen.

Anna-Mareike Vohn durfte die Duisburger Übernahmepremiere wegen ihrer Schwangerschaft nicht dirigieren, das hatten akustische Messungen des Gesundheitsamtes bei den Endproben im Orchestergraben ergeben. Das Dirigat übernahm Ernst von Marschall, auch für die letzte Aufführung am Mittwoch, 30. November, um 11 Uhr. Die ist eigentlich für Schulklassen, es gibt aber auch Einzelkarten zu 14 Euro, Kinder sechs Euro.

Quelle: RP
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