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Duisburg
"Häuser der Weisheit" im Stadthistorischen Museum

Duisburg. Rund 50 Ausstellungsstücke erzählen die Geschichten der Gelehrten aus Europa und dem Orient. Von Julia Zuew

Autos, Smartphones, Wolkenkratzer und unglaubliche Leistungen im OP-Saal - ohne Mathematik, einheitliches Zahlensystem, Chemie, Medizin und andere Wissenschaften wäre dies alles nicht machbar. Die Wurzeln der modernen Wissenschaft, des Fortschritts über Jahrhunderte, liegt im Goldenen Zeitalter des Islam (750-1258). Das Kultur- und Stadthistorische Museum Duisburg lädt nun zu einer Zeitreise ein: mit der Ausstellung "Häuser der Weisheit".

Zwei Jahre lang dauerten die Vorbereitungen, berichten Kuratorin der Ausstellung und Archäologin Andrea Gropp und Orientalistin und Islamwissenschaftlerin Asligül Aysel. "Viele Menschen wissen gar nicht, dass viele alltägliche Dinge und viele Grundlagen der Wissenschaft aus dem islamischen Reich kommen", sagt Aysel. Sie findet, dass die Ausstellung einen großen Beitrag zur Integration und zum Verständnis zwischen den Kulturen beitragen kann. "Der Islam wird zurzeit oft mit Negativem in Verbindung gebracht, als wissenschaftsfeindlich gesehen", ergänzt Gropp. "Dabei ist es eine Kultur, die Wissenschaft als Beschäftigung mit der Welt ansah, die Gott geschaffen hatte." Und so hätten islamische Gelehrte der Wissenschaft eine große Rolle zugewiesen. Ebenso sei der Islam auch offen für multikulturellen Austausch gewesen und habe schließlich auch das Wissensgut europäischer Gelehrter bewahrt und weitergegeben.

Die Erkenntnisse und Aufzeichnungen der Griechen wurden einst ins Arabische übersetzt, es ließen sich auch viele Gelehrte - aus unterschiedlichen Ländern und von unterschiedlicher Religion - im Orient nieder, studierten und arbeiteten an den Schriften. Später wurde das gesammelte Wissen wieder nach Europa zurückgebracht. Die Wissensreise ist in "Häuser der Weisheit" bildlich dargestellt - mit Messgeräten, Aufzeichnungen und Modellen.

Viele der Exponate sind Reproduktionen. Dies hat unterschiedliche Gründe. "Manche Objekte sind sehr wertvoll und werden von anderen Museen oder privaten Sammlern nur ungern verliehen", sagt Gropp. Manche der Nachfertigungen basieren sogar nur auf Beschreibungen in den alten Manuskripten, ohne Vorlage. Dazu gehört zum Beispiel auch eine Weltkarte aus dem neunten Jahrhundert. Diese war ursprünglich eine Scheibe aus Silber mit zirka zwei Meter Durchmesser. Solche wertvollen Gegenstände gingen aber oft im Krieg verloren. Metall könne man einschmelzen und wiederverwenden, Bauten niederreißen und für Neubau benutzen - viele Spuren der damaligen Zeit seien dadurch verwischt und zum Glück noch schriftlich festgehalten. Die antiken Bauwerke, wie Sternwarten, Moscheen oder Bibliotheken, sind als Modelle aufgebaut.

Mit viel Feinarbeit und dem richtigen Blick fürs Detail ist dem Team des Museums eine gute Arbeit gelungen. Die Ausstellung wird begleitet von einem Rahmenprogramm, das aus thematischen Lesungen, Workshops und Konzerten besteht.

Die Ausstellung wird am Sonntag, 20. September, um 11 Uhr im Kunst- und Stadthistorischen Museum am Johannes-Corputius-Platz 1 eröffnet.

Quelle: RP
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