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Serie Duisburger Geschichte Und Geschichten
Hafenduell: Duisburg contra Ruhrort

Duisburg. Es war ein langer Weg, bis im Jahr 1905 die gemeinsame Verwaltung der "Duisburg-Ruhrorter Häfen" gegründet wurde. Von Harald Küst

Duisburg und Ruhrort waren im 19. Jahrhundert eigenständige Städte. Das spürt man heute noch, wenn die Ruhrorter mit Stolz auf ihr 300-jähriges Hafenjubiläum verweisen. Duisburg betrieb zwar seit 1674 einen Liniendienst (Börtschifffahrt nach Fahrplan) mit Nijmegen, aber die Keimzelle der heutigen Hafenanlagen lag zweifellos in Ruhrort. Das unmittelbar am Rhein gelegene Ruhrort nutzte seine Verbindung zur Ruhr und wurde zum bedeutenden Umschlag- und Handelsplatz für Kohle. Mit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert drohte das größere Duisburg arg ins Hintertreffen zu geraten: Ohne eine Anbindung an den Rhein konnte Duisburg den Wettbewerb mit Ruhrort nicht gewinnen.

Duisburg musste erst einen Rheinkanal bauen, um wieder an den Rhein angebunden zu sein. Das trieben tatkräftige Duisburger Unternehmer voran. Namen wie Böninger, Carstanjen, vom Rath gehörten zu den Hafenpionieren. Privates Aktien-Kapital entlastete die preußisch-königliche Kasse. Die Duisburger Bürgerschaft war begeistert. Durch die Gründung des Rheinkanal-Aktienvereins konnte der erste Spatenstich am 10. April 1828 "unter dem Schall musikalischer Instrumente und dem Freude-Ruf der Zuschauer erfolgen. Die Bürgerschaft im Marienviertel hatte das Marientor festlich geschmückt und bekränzt", berichtete der Hafendirektor Feodor Goecke später auf einer Hauptversammlung der Aktionäre.

Goecke selbst zählte vier Jahrzehnte zu den einflussreichsten Initiatoren des Duisburger Wirtschaftslebens. Am 5. März 1831 war es endlich soweit: Kapitän Peter Müller konnte mit der "Concordia" erstmalig den Kanal befahren und im Kanalbassin vor dem Hauptsteueramt am Marientor anlegen. Bis zur endgültigen Fertigstellung verging noch einige Zeit, da Veränderungen und Schwierigkeiten während der Bauausführung zu einer Verdopplung des ursprünglichen Kostenvoranschlags führten. Ein bekanntes Phänomen mit hoher Aktualität. 1832 wurde der Rheinkanal offiziell eröffnet.

In der Folge entstanden daraus der heutige Außenhafen und der landeinwärts gelegene Innenhafen. 1844 wurde ein Stichkanal zur Ruhr gegraben. Der Stichkanal verband den Innenhafen, an der demnächst das "Curve-Bauwerk" entstehen soll (die RP berichtete), mit der Ruhr. Damit hatte Duisburg wieder unmittelbaren Zugang zu Rhein und Ruhr und stand somit in direkter Konkurrenz zu Ruhrort.

1883 präsentierte Goecke bei der 50. Generalversammlung des Kanal-Vereins eine beeindruckende Erfolgsbilanz: Hatte bei der Eröffnung des Rhein-Kanals an dessen Ufer nur das Hauptsteueramt gestanden, so gab es dort nun ein Hochofenwerk, eine Maschinenfabrik, zwei Schiffswerften, eine Soda-und Chlorkalkfabrik, vier Dampfsägewerke, eine Dampfmühle mit Silospeicher, acht Getreidelagerhäuser und weitere Lager. Speicher und Umschlaganlagen befanden sich überwiegend im Innenhafenbereich. Die Industriefirmen siedelten sich in den Stadtteilen Hochfeld und Kaßlerfeld an.

Am 1. Januar 1889 löste sich der Rhein-Ruhr-Kanal Verein auf und die Stadt Duisburg trat als Eigentümerin des Hafens an dessen Stelle. Die Übertragung sollte der Zukunftssicherung dienen. Die Vernetzung mit dem Verkehrssystem Eisenbahn stand auf Agenda. Oberbürgermeister Lehr verknüpfte den Innenhafenkopf mit dem neuen Hafenbahnhofanschluss. Der Stichkanal zur Ruhr wurde 1890 wieder zugeschüttet, da sich der Kohlehandel auf das kostengünstigeren Transportmittel Eisenbahn verlagerte. Duisburg wurde zum Hauptumschlagplatz für Holz und Getreide. Der Duisburger Teil des Hafens war u.a. mit dem Ausbau des Parallelhafens Anfang des 20. Jahrhunderts auf eine Gesamtwasserfläche von etwa 51 Hektar angewachsen. Geplant waren auf Neuenkamper Gebiet drei weitere groß dimensionierte Hafenbecken mit Anschluss an den Rhein.

Die Ruhrorter konterten mit eigenen Expansionsplänen. Die warnenden Stimmen nahmen zu. Die Realisierung der Pläne hätte gewaltige Investitionssummen verschlungen, Überkapazitäten geschaffen und zu einem ruinösen Preiswettbewerb geführt. Allmählich setzte sich bei den politischen Entscheidern, das waren die Stadt Duisburg und das Land Preußen auf Ruhrorter Seite, der Gedanke der Vereinigung beider Häfen immer mehr durch. Es sollte über die Stadtgrenzen hinweg in die Zukunft gedacht werden. Ein mutiges Unterfangen, das an die aktuelle Ruhrgebietsdebatte erinnert. Unter diesem Blickwinkel sind die quälend langen Auseinandersetzungen der damaligen Zeit gut nachvollziehbar. Komplizierte Rechtsfragen waren in den Verhandlungen zu lösen.

Stadt Duisburg und preußischer Staat erwirkten tatsächlich, dass 1905 eine gemeinsame Hafengesellschaft gegründet wurde. So entstand die Verwaltung der "Duisburg-Ruhrorter Häfen". Gleichzeitig waren sich die Beteiligten einig, dass die Vorteile des Zusammenschlusses nur Wirkung entfalten konnte, wenn sich auch die politischen Kräfte bündeln. Aus den Städten Ruhrort, Meiderich und Duisburg entstand eine gemeinsame Stadt. Heute feiern auch die Duisburger das 300-jährige Ruhrorter Hafenjubiläum. Das Duell der beiden Hafenstädte ist längst vergessen. Die Wirtschaftsgeschichte zeigt, dass grenzüberschreitende strategische Kooperationen und Vernetzung von Transportsystemen erfolgreicher sind als Kleinstaaterei.

Quelle: RP
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